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Wer außer China kann unsere Kleidung herstellen? Auswirkungen der US-Zölle auf die Bekleidungsindustrie

Die Diversifizierung der globalen Textillieferketten weg von China ist bereits in vollem Gange und wurde durch die zahlreichen Änderungen der US-Handelspolitik seit 2025 zusätzlich beschleunigt. Während sich die US-Zölle auf Textilien inzwischen weitgehend stabilisiert haben, verschieben sich die Kräfteverhältnisse zwischen den wichtigsten Bekleidungsproduzenten weltweit deutlich. Coface veröffentlichte bereits 2025 eine Studie, die die wettbewerbsfähigsten Länder für die Textilproduktion außerhalb Chinas bewertete. Diese Rangliste wurde nun unter Berücksichtigung der jüngsten US-Zolländerungen aktualisiert.

Die Änderungen des US-Zollsystems verändern die Rangfolge der wettbewerbsfähigsten Länder in der Bekleidungs- und Schuhindustrie.

 

Sie könnten die Position mehrerer asiatischer und afrikanäischer Lieferländer stärken und zugleich bestätigen, dass die Diversifizierung weg von China ein langfristiger struktureller Trend bleibt.

erklärt Eve Barre, Sector Economist bei Coface.

 

Chinas Führungsrolle steht zunehmend unter Wettbewerbsdruck

China bleibt zwar der weltweit größte Exporteur von Bekleidung und Schuhen, sein Anteil an den globalen Exporten geht jedoch weiterhin zurück. Hauptgründe dafür sind steigende Arbeitskosten sowie der Wunsch vieler Unternehmen, ihre Lieferketten breiter aufzustellen und Abhängigkeiten zu reduzieren.

Um die Länder zu identifizieren, die in diesem veränderten Marktumfeld die besten Voraussetzungen mitbringen, hat Coface seinen Wettbewerbsfähigkeitsindex für die Bekleidungs- und Schuhindustrie aktualisiert. Dieser basiert auf vier zentralen Säulen:

  1. Geschäftsumfeld
  2. Zugang zu wettbewerbsfähigen Arbeitskräften
  3. Soziale und ökologische Kriterien
  4. Stärke des industriellen Textilökosystems

 

Zusätzlich wurde ein Faktor zur Berücksichtigung der US-Zollpolitik aufgenommen. Die jüngsten Änderungen des US-Zollrahmens haben die relative Wettbewerbsfähigkeit zahlreicher Produktionsstandorte verändert. Trotz der Abschaffung bestimmter Zusatzzölle unterliegen chinesische Exporte weiterhin höheren Abgaben als die Ausfuhren mehrerer Wettbewerber. Langfristig könnte diese Entwicklung die bisherigen Kräfteverhältnisse unter den wichtigsten Produktionsstandorten der Welt grundlegend verändern.

 

Lesotho und Madagaskar zählen zu den potenziellen Hauptgewinnern

Bangladesch behauptet weiterhin den Spitzenplatz im Ranking. Die bedeutendste Veränderung betrifft jedoch die gestiegene Wettbewerbsfähigkeit von Lesotho und Madagaskar. Beide Länder gehören nun zu den bestplatzierten Standorten, nachdem sie in der vorherigen Ausgabe des Rankings im Sommer 2025 noch nicht vertreten waren. 

Dieser Aufstieg ist vor allem auf den Wegfall zusätzlicher Zölle zurückzuführen, die den Zugang dieser Länder zum US-Markt zuvor erheblich erschwert hatten. Auch weitere asiatische Länder konnten ihre Position verbessern, darunter Kambodscha, Pakistan und Sri Lanka. Vietnam und Indonesien sind erstmals in die Top 20 aufgestiegen. 

 

Eine neue Geografie der Textilbeschaffung

Die Veränderungen im Ranking verdeutlichen einen grundlegenden Wandel: Die Wettbewerbsfähigkeit in der globalen Textilindustrie wird längst nicht mehr ausschließlich durch niedrige Arbeitskosten bestimmt. Marktzugang, Handelspolitik, die Tiefe des industriellen Netzwerks sowie die Stabilität des wirtschaftlichen Umfelds spielen heute eine ebenso wichtige Rolle bei Beschaffungsentscheidungen. 

Vor dem Hintergrund zunehmender Handelsspannungen und des Bestrebens nach widerstandsfähigeren Lieferketten bevorzugen Unternehmen zunehmend Länder, die ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Wettbewerbsfähigkeit, industrieller Leistungsfähigkeit und Zugang zu wichtigen Absatzmärkten bieten. Die jüngsten Anpassungen der US-Zollpolitik zeigen deutlich, wie schnell Veränderungen im handelspolitischen Umfeld Wettbewerbsvorteile zwischen Produktionsländern neu verteilen können. 

 

Wettbewerbsfähigkeitsindex der Bekleidungs- und Schuhindustrie (Z-Score)

Daten für Grafik im .xlsx Format
 

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