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Zinn erlebt einen Höhenflug auf dem Metallmarkt

Ein wichtiges Metall der Elektronikindustrie, wobei Lötzinn allein 50 % der weltweiten Nachfrage ausmacht, profitiert Zinn stark von Energie- und Digitalisierungstrends. Das Angebotswachstum bleibt jedoch begrenzt, insbesondere in der Demokratischen Republik Kongo (DRK) und in Myanmar. Für 2026 wird daher voraussichtlich ein Angebotsdefizit erwartet, das erste seit 2021.

Seit Jahresbeginn verzeichnet Zinn den stärksten Preisanstieg unter den Nichteisenmetallen: +70% im Jahresvergleich auf 50.000 USD pro Tonne. Kurzfristig lässt sich die hohe Volatilität der Zinnpreise durch spekulative Effekte erklären, die durch niedrige Lagerbestände an den wichtigsten Metallbörsen (LME, SHFE) verstärkt werden.

Es besteht kein Zweifel, dass die Nachfrage nach datenbasierten Technologien den jüngsten Anstieg der Zinnpreise antreibt. Wir erwarten, dass die Durchschnittspreise im ersten Halbjahr bei rund 45.000 USD/Tonne liegen werden (+40% im Jahresvergleich)

sagt Simon Lacoume, Sectorial Economist bei Coface.

 

Nichteisenmetalle: ein allgemeiner Aufwärtstrend

Von Kupfer über Aluminium bis Nickel haben Nichteisenmetalle in den vergangenen Monaten stark zugelegt, mit einer deutlichen Beschleunigung im Januar. Der LME-Index liegt 34% höher als im Vorjahr, nach nur 6% im Jahr 2025 gegenüber 2024.

Die Energiewende unterstützt zwar diesen Trend, erklärt ihn jedoch nicht vollständig: Die digitale Transformation, die sehr metallintensiv ist (Rechenzentren, Halbleiter), verstärkt den Trend zusätzlich, ebenso wie spekulative Impulse. Zinn ist hierfür ein Paradebeispiel.

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Ein bevorstehendes Angebotsdefizit und Chinas anhaltende Dominanz

Insgesamt wird erwartet, dass die Raffination von Zinn 2026 um 3% wächst, nach einem Plus von 2% im Jahr 2025. Dies wird jedoch nicht ausreichen, um die prognostizierte Nachfragezunahme von 3,5% im Jahr 2026 auszugleichen. Der Markt dürfte daher in diesem Jahr in ein Defizit rutschen. Eine Situation, die sich langfristig fortsetzen dürfte. Die größte Herausforderung bleibt der Ausbau der Bergbaukapazitäten, da die Erschöpfung der bestehenden Lagerstätten ein erhebliches Risiko für die gesamte Wertschöpfungskette darstellt.

China stellt 50% der weltweiten raffinierten Zinnproduktion. Trotz Maßnahmen gegen Überkapazitäten erwarten wir, dass die Produktion in China 2026 robust bleibt (+5%). Zinn bleibt ein strategischer Rohstoff in Chinas Streben nach Autarkie im Bereich digitaler Infrastruktur. Im Gegensatz dazu könnte die Produktion im benachbarten Indonesien aufgrund regulatorischer Einschränkungen und wachsender Ablehnung neuer Bergbauprojekte zurückgehen. Die heimische Produktion dürfte 2026 um 2% sinken (nach -1% im Vorjahr).

Die größte Anfälligkeit besteht bei den Zinnerzlieferungen, insbesondere aus der DRK und Myanmar, die gemeinsam 20% der Weltproduktion und 60% der chinesischen Zinnerzimporte ausmachen. In der DRK beeinträchtigen regelmäßige Gefechte zwischen M23-Rebellen und der kongolesischen Armee negativ auf den Bergbau in Nord-Kivu aus und stören regelmäßig den Abbau, insbesondere in der Mine Bisie (fast 6 % der weltweiten Produktion). In Myanmar sorgen operative Unsicherheiten weiterhin dafür, dass die Förderung unter den ursprünglichen Marktprognosen bleibt.

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Eine zunehmend robuste Nachfrage, begrenzt durch geringe Lagerbestände

Kurzfristig haben die steigenden Kupferpreise spekulative Effekte auf andere Metalle, darunter Zinn, übertragen. Zudem haben die niedrigen Lagerbestände die Preisentwicklung der vergangenen Monate verstärkt. Der Wiederaufbau der Bestände während eines Preisanstiegs hat den Aufwärtstrend weiter geschürt. Die Volatilität dürfte sich jedoch legen, sobald spekulative Bewegungen nachlassen.

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Langfristig wird eine weiter steigende industrielle Nachfrage erwartet. Die zunehmende Nachfrage nach elektronischen Komponenten wird sich beschleunigen, da datenbasierte Technologien metallintensive Infrastrukturen benötigen. Laut dem neuesten Bericht von SEMI werden die weltweiten Lieferungen von Siliziumwafern 2026 um 5,2% im Jahresvergleich steigen (nach +5,4% im Jahr 2025) auf 13.500 Millionen Quadrat-Zoll (MSI). Innovationen werden die Effizienz steigern, aber nicht ausreichen, um die stark wachsende Nachfrage durch Digitalisierung zu kompensieren.

 

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