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Zurück in die Schule: Trübe Aussichten für Rohstoffe

Die Sommermonate waren von einem breit angelegten Preisanstieg an den Rohstoffmärkten geprägt. Keine Rohstoffgruppe bildete dabei eine Ausnahme. Zunehmende Spannungen im Nahen Osten, die Rückkehr von El Niño, klimatische Störungen sowie der steigende Bedarf im Zusammenhang mit der Energiewende treiben die Preise für Energie, Agrarrohstoffe und Industriemetalle gleichzeitig nach oben.

Kein Rohstoffsegment scheint derzeit vor steigenden Preisen geschützt zu sein. Energie, Metalle und Agrarprodukte spüren die Auswirkungen geopolitischer Verwerfungen und klimabedingter Belastungen in vollem Umfang.

 

Bis zum Jahresende gibt es derzeit kaum Anzeichen für eine Trendwende. Mindestens vorerst ist keine Entspannung in Sicht.

Simon LACOUME, Sektorökonom bei Coface

 

Eine Energiekrise mit Déjà-vu-Charakter

Nach einem vergleichsweise ruhigen Start in den Sommer haben erneute Angriffe der USA und Irans sowie Huthi-Angriffe auf Saudi-Arabien die Sorgen um die Energieversorgung erneut entfacht. Vor dem Hintergrund niedriger Lagerbestände nahmen die Ölpreise rasch wieder ihren Aufwärtstrend auf. Der Brent-Ölpreis stieg erneut über 100 US-Dollar pro Barrel und erreichte damit erstmals seit dem 22. Mai wieder diese Marke. Raffinierte Produkte verzeichneten noch stärkere Preiszuwächse (+30% bei Diesel und +35% bei Flugtreibstoff gegenüber Juni). Hauptursache sind Störungen der Raffineriekapazitäten im Schwarzen Meer, im Golfraum und in Russland. Coface hält vorerst an seiner Prognose eines Ölpreises von 85 US-Dollar pro Barrel für das Jahr 2026 fest. Die jüngste Eskalation hat die Risiken jedoch eindeutig auf die Oberseite verschoben.

Ähnliches gilt für Erdgas. In Europa stiegen die Preise um 12% und erreichten aufgrund niedriger Lagerbestände sowie eines intensiveren Wettbewerbs um Flüssigerdgas-Ladungen (LNG) den höchsten Stand seit 2023. Sommerliche Hitzewellen erhöhten den Kühlbedarf in Europa und Asien. Gleichzeitig schränkten niedrige Wasserstände in beiden Regionen die Stromerzeugung aus Wasser- und Kernkraft deutlich ein.

 

Der Klimadruck auf die Agrarmärkte nimmt zu

Auch Agrarrohstoffe tragen zu dieser breit angelegten Preisrallye bei. Ausschlaggebend sind niedrigere globale Ernten (-2% gegenüber dem Vorjahr) bei den wichtigsten Getreidesorten wie Weizen, Mais und Reis, wiederholte Hitzewellen in Europa sowie die zunehmend besorgniserregenden Aussichten für 2027, da El Niño an Stärke gewinnt.

Im Monatsvergleich stiegen die Maispreise um 20%, gefolgt von Weizen (+18%) und Zucker (+11%). Die Weizenpreise liegen inzwischen 50% über dem Vorjahresniveau. Grund dafür sind schwache Ernten in mehreren bedeutenden Erzeugerländern, darunter Argentinien, die USA und Australien. Auch die Lage in Westeuropa ist besorgniserregend, da die Region von aufeinanderfolgenden Hitzewellen betroffen ist. In Frankreich könnte die Maisproduktion in diesem Jahr laut den neuesten Angaben des Landwirtschaftsministeriums um 50% zurückgehen.

Langfristig besteht das größte Risiko in einer weiteren Intensivierung von El Niño, die die globale Landwirtschaft doppelt belasten könnte. Zum einen könnten die Erträge zahlreicher Agrarrohstoffe wie Reis, Sojabohnen, Palmöl und Zucker sinken. Zum anderen könnte sich der Druck auf die Getreidemärkte schrittweise entlang der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette ausbreiten, insbesondere auf die Viehwirtschaft.

 

Die Rallye bei Industriemetallen dürfte anhalten

Kupfer, dessen Preis zuletzt ein Rekordhoch von über 14.000 US-Dollar pro Tonne erreichte, führt den Anstieg der Industriemetallpreise an. Wie eine aktuelle Coface-Studie hervorhebt, wird der Markt neben kurzfristigen Spannungen weiterhin von starken strukturellen Faktoren gestützt: dem Wiederaufbau von Lagerbeständen in China, der Elektrifizierung der Weltwirtschaft, dem Ausbau der Energieinfrastruktur sowie der Erweiterung von Rechenzentren. Der S&P Industrial Metals Index stieg im vergangenen Monat um mehr als 3%, unterstützt von Zink (+2%) und Kupfer (+0,8%). Dies ist ein weiteres Signal dafür, dass der aktuelle Aufwärtszyklus von längerer Dauer sein könnte.

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