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Die Liquiditätsquote: zentral für die Zuweisung von Unternehmensressourcen

Erhalten Sie einen klaren Überblick darüber, wie die Liquiditätsquote Ihrem Unternehmen hilft, finanzielle Stabilität zu sichern und Risiken frühzeitig zu erkennen. Nutzen Sie präzise Kennzahlen, um Ihre Ressourcen gezielt zu steuern und die kurzfristige Handlungsfähigkeit Ihres Unternehmens nachhaltig zu stärken.

Das wirtschaftliche Umfeld, in dem Unternehmen heute agieren, ist volatiler und unsicherer denn je. Neben regulatorischen Veränderungen treten neue Risiken auf – etwa in Bezug auf die Cybersicherheit, die geopolitische Lage, das gesellschaftliche Klima und das niedrige Wachstum in vielen Volkswirtschaften. Vor diesem Hintergrund sind Finanzverantwortliche in Unternehmen mehr denn je gefordert, eine durchdachte Finanz- und Risikomanagementstrategie umzusetzen, um die Resilienz ihrer Organisation gegenüber unvorhergesehenen Ereignissen sicherzustellen.

Zwar ist ein sorgfältiges Liquiditätsmanagement grundsätzlich unerlässlich, doch angesichts der aktuellen Lage gewinnt es noch einmal an Bedeutung. Die Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit und die Fähigkeit, in die Unternehmensentwicklung zu investieren, sind zentrale Anliegen aller Entscheidungsträger – denn ausreichende Liquidität ist essenziell. Die Liquiditätsquote stellt daher einen entscheidenden Indikator dar.

 

Was ist die Liquiditätsquote?

Die Liquiditätsquote ist ein finanzieller Indikator, der misst, inwieweit ein Unternehmen in der Lage ist, seine kurzfristigen Verbindlichkeiten – in der Regel mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr – mit den verfügbaren Vermögenswerten zu decken. Sie spiegelt somit die finanzielle Stabilität einer Organisation wider und gibt Aufschluss über deren Fähigkeit, handlungsfähig zu bleiben, ohne sich einem Insolvenzrisiko auszusetzen.

Die Liquiditätsquote ist jedoch kein Indikator für Rentabilität und sollte stets zusammen mit weiteren Kennzahlen wie Nettomarge, Verschuldungsgrad oder Cashflow betrachtet werden, um ein umfassenderes Bild der finanziellen Strategie und deren Wirksamkeit zu erhalten.

Grundsätzlich muss die Liquiditätsquote immer im jeweiligen Kontext analysiert werden, da ein als solide bewerteter Wert in einem Sektor in einem anderen bereits als Warnsignal gelten kann. Auch die zeitliche Entwicklung ist entscheidend: Eine schrittweise Verschlechterung der Quote – selbst wenn es sich noch im positiven Bereich bewegt – kann auf strukturelle Probleme hinweisen, die schnellstmöglich behoben werden sollten.


Liquiditätsquote vs. Solvenzquote

Diese beiden Konzepte sollten klar voneinander unterschieden werden. Während sich die Liquiditätsquote auf die kurzfristige Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens konzentriert, misst die Solvenzquote die Fähigkeit, langfristigen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen – und zeigt damit eher eine strategische Fragestellung als dass sie eine Bewertung einer unmittelbaren Gefahrenlage erlaubt.


Welche Elemente fließen in die Berechnung der Liquiditätsquote ein?

Die Posten, die zur Berechnung der Liquiditätsquote heranzuziehen sind, finden sich in der Bilanz und lassen sich in zwei Kategorien einteilen: 

 

Umlaufvermögen

Dabei handelt es sich um finanzielle Mittel, die dem Unternehmen innerhalb eines Jahres zur Verfügung stehen, um seine Verbindlichkeiten zu begleichen. Dazu zählen:

  • Sofort verfügbare liquide Mittel, wie Girokonten, Sichteinlagen, Kassenbestände und hochliquide kurzfristige Geldanlagen (insbesondere kurzfristige Staatsanleihen);
  • Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, die eng überwacht werden sollten, um das Risiko von Zahlungsverzug oder Zahlungsausfällen zu minimieren – denn diese können die Liquidität erheblich beeinträchtigen. In solchen Fällen empfiehlt es sich, auf die Unterstützung eines Kreditversicherers zurückzugreifen,  um die Forderungseinziehung abzusichern;
  • Vorräte, die für den Verkauf bestimmt sind, sowie Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe;
  • Aktive Rechnungsabgrenzungsposten, z. B. im Voraus gezahlte Versicherungsprämien oder Mieten;
  • Wertpapiere des Umlaufvermögens, wie Aktien oder Anleihen, die kurzfristig veräußerbar sind.

 

Kurzfristige Verbindlichkeiten

Dabei handelt es sich um Schulden, die das Unternehmen innerhalb eines Jahres begleichen muss:

  • Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, also offene Zahlungen für Waren oder Dienstleistungen, die in der Regel innerhalb von 30, 60 oder 90 Tagen fällig sind;
  • Kurzfristige Kredite und darauf entfallende Zinsen, die zurückzuzahlen sind;
  • Kontokorrentüberziehungen, sofern vorhanden;
  • Steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Verpflichtungen, etwa gegenüber dem Finanzamt, den Sozial- und Pensionsversicherungsanstalten
  • Verbindlichkeiten gegenüber Mitarbeitenden (z. B. Löhne, Boni, Urlaubsgeld) oder gegenüber Gesellschaftern (z. B. Dividenden);
  • Passive Rechnungsabgrenzungsposten, also erhaltene Anzahlungen für noch nicht gelieferte Waren oder Dienstleistungen.

 

Drei Berechnungsformeln für mehr Transparenz

Zur Beurteilung der Liquidität eines Unternehmens können drei verschiedene Kennzahlen herangezogen werden – jede liefert dabei eine eigene Perspektive auf die finanzielle Lage.

 

Liquiditätsgrad I (Barliquidität)

Diese Kennzahl umfasst sämtliche kurzfristig verfügbaren Vermögenswerte und misst, inwieweit ein Unternehmen in der Lage ist, seine kurzfristigen Verbindlichkeiten mit dem gesamten Umlaufvermögen zu decken. Die Berechnung erfolgt nach folgender Formel:


Umlaufvermögen / kurzfristige Verbindlichkeiten = Liquiditätsverhältnis


Wie ist dieser Wert zu interpretieren?

  • Ein Wert über 1 bedeutet, dass das Unternehmen mehr kurzfristige Vermögenswerte als kurzfristige Schulden hat – ein Zeichen für eine solide kurzfristige Finanzlage;
  • Ein Wert unter 1 deutet auf Schwierigkeiten bei der Begleichung kurzfristiger Verpflichtungen hin – ein Warnsignal, das auf eine mögliche Illiquidität hindeutet;
  • Ein Wert über 2 weist auf eine Anhäufung ungenutzter liquider Mittel hin, die potenziell ineffizient eingesetzt werden und besser investiert werden sollten.

 

Liquiditätsgrad II (eingeschränktes bzw. reduziertes Liquiditätsverhältnis)  

Das eingeschränkte Liquiditätsverhältnis – auch reduziertes Liquiditätsverhältnis genannt – ist ein Finanzindikator, der angibt, inwieweit ein Unternehmen seine kurzfristigen Verbindlichkeiten begleichen kann, ohne auf den Verkauf von Vorräten angewiesen zu sein.

Die Berechnung erfolgt nach folgender Formel:


(Umlaufvermögen – Vorräte) / kurzfristige Verbindlichkeiten = Liquiditätsgrad II


Ein gesundes Unternehmen hat eine eingeschränkte Liquiditätsquote von rund 1. Liegt sie über 1, ist das Unternehmen in der Lage, seine Schulden mit sofort verfügbaren Barmitteln zu decken. Liegt sie unter 1, bedeutet dies, dass Vorräte verkauft werden müssen, um dies zu erreichen. Ist die Quote zu niedrig, z. B. unter 0,5, besteht die Gefahr einer übermäßigen Abhängigkeit vom Verkauf von Vorräten.

 

Liquiditätsgrad III (Quick ratio)  

Der Quick Ratio – auch Liquiditätsgrad III genannt – ist die strengste Form der Liquiditätskennzahl. Er berücksichtigt ausschließlich sofort verfügbare Mittel, also:


(Liquide Mittel + kurzfristige Geldanlagen) / kurzfristige Verbindlichkeiten = Liquiditätsgrad III


Da diese Kennzahl ausschließlich auf direkt verfügbare Barmittel ausgerichtet ist, zeigt sie, welche Verbindlichkeiten beglichen werden können, ohne dass auf den Eingang von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen oder den Abbau von Vorräten gewartet werden muss.

Eine Kennzahl von mehr als 1 ist natürlich ein Zeichen für eine gute Finanzlage, aber niedrigere Kennzahlen sind durchaus üblich, und die akzeptable Mindestkennzahl variiert je nach Tätigkeitsbereich des Unternehmens. Je kürzer der Inkassozyklus, desto niedriger ist die akzeptable Kennzahl (wie beispielsweise im Einzelhandel).

 

Welcher Liquiditätsgrad ist anzustreben?

Die Bestimmung einer optimalen Liquiditätsquote hängt von verschiedenen unternehmens- und branchenspezifischen Faktoren ab. Es liegt im Interesse des Finanzmanagements, einen Zielwert festzulegen, der zur jeweiligen Situation passt – basierend auf einer der vorgestellten Formeln – und diesen als strategische Richtgröße zu etablieren. Dieser Zielwert dient langfristig zur Orientierung und zugleich als Frühwarnsignal, falls es zu größeren Abweichungen kommt.
 

Warum sollten Liquiditätskennzahlen überwacht werden?

Ein stabiler und regelmäßig aktualisierter Liquiditätsgrad ist ein wesentlicher Bestandteil des Finanzmanagements eines Unternehmens und bietet zahlreiche Vorteile:

  • Frühwarnfunktion bei Liquiditätsengpässen: Sinkt der Wert zu stark, lassen sich mögliche Zahlungsengpässe frühzeitig erkennen. So kann das Unternehmen rechtzeitig gegensteuern, bevor unvorhergesehene Ereignisse zur Existenzbedrohung werden.
  • Stärkung des Vertrauens von Investoren und Kreditgebern: Ein solider Liquiditätsgrad signalisiert Stabilität und stärkt die Außenwirkung gegenüber Kapitalgebern – was die Finanzierungsmöglichkeiten verbessert.
  • Optimierung der Ressourcensteuerung: Die Kennzahl liefert wichtige Hinweise zur Kapitalnutzung. Eine übermäßige Liquidität kann auf eine ineffiziente Mittelbindung hindeuten – Ressourcen, die sinnvoller investiert werden könnten.

Ein professionelles Liquiditätsmanagement minimiert finanzielle Risiken und schafft gleichzeitig Spielraum, um strategische Chancen zu nutzen. Für Finanzverantwortliche sollte es – angepasst an das jeweilige Unternehmensumfeld – ein zentraler Bestandteil der Steuerung sein.