Coface, ein führender Experte für Kreditversicherungen, Forderungsmanagement und Informationsdienstleistungen, hat die zweite Ausgabe seiner Umfrage¹ zum Zahlungsverhalten britischer Unternehmen veröffentlicht. Die Ergebnisse zeigen, dass sich Unternehmen zunehmend auf die Sicherung ihrer Liquidität konzentrieren und Schwierigkeiten haben, ihre finanziellen Verpflichtungen zu erfüllen. Während Unternehmen Zahlungsziele verlängern, um den Druck auf den Cashflow besser zu steuern, geraten viele in einen stagnierenden Kreislauf aus Lieferkettenstörungen. Dadurch bleiben die Margen unter Druck und die Investitionsbereitschaft sinkt.
Kernzahlen
- Finanzielle Schwierigkeiten sind die Hauptursache für verspätete Zahlungen. Neun von zehn britischen Unternehmen waren im vergangenen Jahr von Zahlungsverzögerungen betroffen. Die durchschnittliche Verspätung beträgt 34 Tage und liegt damit zwei Tage über dem Vorjahr. Dies verdeutlicht die verschlechterte finanzielle Situation vieler Unternehmen.
- Vereinbarte Zahlungsziele haben sich auf durchschnittlich 57 Tage verlängert. Das sind fast sieben Tage mehr als im Vorjahr und zählt inzwischen zu den längsten Zahlungsfristen in Europa.
- Die Mehrheit der Unternehmen, die KI einsetzen, berichtet von einer stärkeren Auslagerung von Leistungen. Dies deutet darauf hin, dass die Technologie zusätzliche Lieferantenkosten verursacht, anstatt bestehende Kosten zu ersetzen.
- Fast die Hälfte (45 %) der Unternehmen erwartet, dass sich die britische Wirtschaft in den kommenden zwölf Monaten verschlechtert. Gleichzeitig rechnen 57 % mit einer Zunahme verspäteter Zahlungen, gegenüber lediglich 37 % im Vorjahr.
Zahlungsverzögerungen nehmen zu, während sich die Geschäftsstimmung eintrübt
Verspätete Zahlungen sind weiterhin weit verbreitet: 89 % der britischen Unternehmen berichteten im vergangenen Jahr von Zahlungsrückständen.
Rechnungen werden inzwischen durchschnittlich 34 Tage nach Fälligkeit bezahlt. Als wichtigste Ursache nennen Kunden finanzielle Schwierigkeiten (37 %), gefolgt von organisatorischen Problemen (26 %).
Kein Sektor verzeichnete eine Nettoverbesserung des Zahlungsverhaltens. Besonders starke Verschlechterungen wurden in den Bereichen Papier und Holz, Metalle sowie Automobil und Transport beobachtet. Gründe sind der zunehmende Wettbewerb aus China, höhere US-Zölle sowie Lieferkettenstörungen im Zusammenhang mit dem Konflikt unter Beteiligung des Iran.


(Daten für die Grafik im .xlsx Format verfügbar)
Für die kommenden zwölf Monate erwarten 57 % der Befragten einen weiteren Anstieg verspäteter Zahlungen, da sich die makroökonomischen Rahmenbedingungen verschärfen.
Zahlungsziele verlängern sich weiter und erhöhen den Druck auf kleinere Unternehmen
Die Gewährung von Zahlungszielen bleibt im Vereinigten Königreich gängige Praxis. Nur 1,6 % der Befragten bieten keine Zahlungsziele an. Die durchschnittliche Zahlungsfrist liegt mittlerweile bei 57 Tagen und damit sechs Tage über dem Niveau der Vorjahre. Dies zählt zu den längsten gemeldeten Zahlungsfristen Europas.
Ein Drittel der Großunternehmen gewährt Zahlungsziele von mehr als 90 Tagen, verglichen mit lediglich 12 % der Kleinst- und Kleinunternehmen. Die längsten Zahlungsfristen finden sich in Produktions- und Industriesektoren wie Energie, Kunststoffe, Chemie sowie Automobilindustrie. Dagegen weisen stärker binnenwirtschaftlich orientierte Dienstleistungsbranchen wie Gastgewerbe, Tourismus, Pharmaindustrie und Gesundheitswesen aufgrund eines strengeren Liquiditätsmanagements in der Regel kürzere Zahlungsziele auf.
Längere Zahlungsziele verschärfen den Druck auf kleine und mittlere Unternehmen. Während große Organisationen verspätete Zahlungseingänge besser verkraften können, bewegen sich viele kleinere Unternehmen bereits am Rand ihrer finanziellen Belastbarkeit und steuern ihren Cashflow sehr sorgfältig, um handlungsfähig zu bleiben.
Angesichts der sich verschlechternden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schränkt jeder zusätzliche Tag bis zum Zahlungseingang ihre Fähigkeit ein, zu wachsen und weitere Belastungen zu überstehen.
erklärt Benoit URBIN, Country Manager für das Vereinigte Königreich und Irland
Die verborgene Belastung der Lieferkette durch KI
Anstatt die Ausgaben für Lieferanten zu senken, schafft KI für Unternehmen eine zusätzliche Kostenebene. 80 % der Unternehmen, die KI einsetzen, geben an, dass die Technologie ihren Umgang mit externen Dienstleistern verändert hat. Die Mehrheit berichtet von einer stärkeren, nicht geringeren Abhängigkeit von externem Fachwissen. Bei großen Unternehmen war der Kundenservice die einzige Funktion, in der mehr Unternehmen Tätigkeiten ins eigene Haus zurückholten als zusätzlich auslagerten.
Die Umfrageergebnisse zeigen zudem einen Zusammenhang zwischen einer stärkeren KI-Exponierung und steigenden Insolvenzquoten in mehreren Branchen. Dies deutet darauf hin, dass Zulieferer, die sich nicht an den technologischen Wandel anpassen können, trotz insgesamt wachsender KI-Nachfrage zunehmend unter Druck geraten.


(Datten for die Grafik im .xlsx Format)
Unternehmen erwarten Gewinne, doch das Vertrauen bleibt fragil
Während ein größerer Anteil der Befragten erwartet, dass sich die britische Wirtschaft in den kommenden zwölf Monaten verschlechtert (45 %) statt verbessert (25 %), bleiben die Unternehmen hinsichtlich ihrer eigenen Geschäftsentwicklung vergleichsweise optimistisch. 51 % der Unternehmen rechnen mit steigenden Gewinnen.
Ein wesentlicher Teil dieses Optimismus beruht jedoch darauf, dass Unternehmen Kosten senken und ihre Liquidität durch längere Zahlungsziele sichern. Dadurch bleiben die Margen empfindlich und nur begrenzt belastbar.
Da viele Unternehmen weiterhin mit knappen Liquiditätsreserven arbeiten, stellen höhere Zinsen die größte Sorge dar. Anhaltend hohe Finanzierungskosten könnten erzielte Profitabilitätsverbesserungen wieder aufzehren.
(1) Die Befragung wurde im Juli 2026 unter 608 teilnehmenden Unternehmen durchgeführt.




