Wachstum durch Tourismus und Investitionen in grüne Energie
Das Wirtschaftswachstum dürfte sich 2026 zwar verlangsamen, aber dennoch auf historisch hohem Niveau bleiben, was in erster Linie auf die robuste Tourismusbranche der Insel zurückzuführen ist. Dies wird damit verbundene Wirtschaftszweige ankurbeln, insbesondere das Gastgewerbe und das Baugewerbe. Die Investitionen im Tourismussektor (16 % des BIP) werden voraussichtlich einen ihrer größten Zuwächse seit Jahrzehnten verzeichnen, wobei fast 1 Milliarde US-Dollar für neue Hotelprojekte an der Südküste, der Westküste und in der Hauptstadt vorgesehen sind. Zu diesen Projekten gehört die für 2026 erwartete Eröffnung des luxuriösen Hotel- und Wohnkomplexes „Pendry Barbados“. Ermöglicht wurden diese Investitionen durch Strukturreformen der Regierung und öffentliche Ausgaben, die gezielt in Projekte zur Stärkung der Klimaresilienz flossen. Sie sollen Tausende neuer Arbeitsplätze schaffen und damit den privaten Konsum (80 % des BIP im Jahr 2024) stützen. Allerdings könnte eine Konjunkturabschwächung in wichtigen Quellmärkten (Großbritannien, den USA und Kanada) die Touristenzahlen belasten und die ausländischen Direktinvestitionen in den Hotelbau beeinträchtigen.
Die öffentlichen Investitionen werden sich auf nachhaltigen Tourismus und erneuerbare Energien konzentrieren, im Einklang mit dem nationalen Ziel, den Energiebedarf bis 2030 zu 100 % durch erneuerbare Energien zu decken, wobei Mechanismen wie der „Smart Energy Fund II“ zum Einsatz kommen. Auch im Finanzdienstleistungssektor wird ein weiteres Wachstum erwartet. Die anhaltenden Bemühungen zur Haushaltskonsolidierung werden jedoch den öffentlichen Konsum (11 % des BIP) auf einem niedrigen Niveau halten und eine stärkere BIP-Entwicklung im Jahr 2026 verhindern.
Die Inflation dürfte niedrig bleiben, gestützt durch sinkende Importpreise – insbesondere bei Kraftstoffen – sowie durch die an den US-Dollar gekoppelte Währung, die durch starke Devisenreserven ermöglicht wird. Diese Stabilität wird den privaten Konsum begünstigen. Es bestehen jedoch weiterhin Risiken in Form von Störungen der Lieferketten, Ölpreisschocks im Zusammenhang mit geopolitischen Spannungen und höheren US-Zöllen. Barbados importiert, wie viele karibische Länder, einen Teil seiner Waren über die USA, darunter auch Produkte aus Drittländern. Angesichts der Bindung des barbadischen Dollars an den US-Dollar sind die Auswirkungen der Geldpolitik auf Inflation und Kreditvergabe begrenzt. Es wird erwartet, dass die Zentralbank ihren Leitzins im Jahr 2026 bei 2 % belassen wird, wo er seit April 2020 unverändert ist.
Fortsetzung der Haushaltskonsolidierung
Die Regierung wird die Umsetzung ihres 2022 gestarteten und bis 2027 angelegten „Barbados Economic Recovery and Transformation Plan“ (BERT) fortsetzen. Ziel des Plans ist es, die Verschuldung abzubauen, die Wirtschaft zu diversifizieren, die Energiewende zu beschleunigen und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Er umfasst zudem Investitionen in Bildung und Gesundheit, die Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum sowie die Stärkung der sozialen Sicherheitsnetze. Die beiden IWF-Programme zur Unterstützung von BERT endeten im Juni 2025 nach Auszahlung der letzten Mittel. Die Regierung plant keine neue Vereinbarung mit dem Fonds, wird aber ihre Bemühungen zur Haushaltskonsolidierung in den Jahren 2026 und 2027 fortsetzen und sich dabei auf weitere Steuerreformen, stärkere Haushaltsinstitutionen und eine geringere Zinslast stützen. Auch die Einnahmen werden vom Wachstum im Tourismussektor profitieren. Der Primärüberschuss (ohne Zinszahlungen) dürfte nahe bei 4 % des BIP bleiben. Barbados könnte somit seinen ersten Haushaltsüberschuss seit 1990 verzeichnen, abgesehen von 2019, dem Jahr der Umschuldung.
Haushaltsdisziplin und hohe Primärüberschüsse werden dazu beitragen, eine der höchsten Schuldenquoten in der Region zu senken. Etwa 60 % der Staatsschulden sind inländischer Natur, während der Großteil der Auslandsschulden bei multilateralen Institutionen besteht, was deren Tragfähigkeit erhöht. Der IWF hat die Staatsverschuldung als tragbar und das Risiko einer Staatsschuldenkrise als moderat eingestuft. Das Ziel der Regierung, bis zum Haushaltsjahr 2035–2036 eine Verschuldung von 60 % des BIP zu erreichen, gilt als realisierbar, hängt jedoch davon ab, dass hohe Primärüberschüsse aufrechterhalten und wirtschaftliche Schocks vermieden werden.
Die Außenbilanz wird durch einen Überschuss im Dienstleistungssektor gestützt, der von Tourismus und Finanzdienstleistungen getragen wird und der Hauptfaktor für den Abbau des Leistungsbilanzdefizits sein wird. Das Handelsdefizit wird jedoch aufgrund der starken Abhängigkeit von Importen – insbesondere von Lebensmitteln und Energie – sowie von Importen im Zusammenhang mit Bauprojekten hoch bleiben. Niedrigere Importpreise werden dieses Defizit teilweise verringern. Die Zinszahlungen sind seit der Umschuldung zurückgegangen. Das Leistungsbilanzdefizit wird weiterhin durch ausländische Direktinvestitionen in Höhe von etwa 6 % des BIP – was dem historischen Durchschnitt der letzten zwei Jahrzehnte entspricht – sowie durch multilaterale Kredite finanziert werden. Die Devisenreserven, die Ende 2025 auf etwa neun Monatsimporte geschätzt werden, werden auch 2026 dank Nettozuflüssen aus Tourismuseinnahmen und multilateraler Finanzierung auf einem komfortablen Niveau bleiben.
Stabiles institutionelles Umfeld erleichtert die Regierungsführung
Die Mitte-Links-Partei Barbados Labour Party (BLP), die seit 2018 von Premierministerin Mia Mottley geführt wird, regiert ohne nennenswerte Opposition. Ihre immense Popularität und ihre überwältigende parlamentarische Mehrheit (29 von 30 Sitzen) werden politische Stabilität und Regierbarkeit bis zu den nächsten Wahlen gewährleisten, die spätestens im Januar 2027 stattfinden sollen und für die Frau Mottley bereits angekündigt hat, dass sie eine dritte Amtszeit anstrebt. Im Mittelpunkt ihres Mandats stehen Strukturreformen, insbesondere die Fortsetzung der Haushaltskonsolidierung im Einklang mit den Zielen des IWF. Diese Reformen zielen darauf ab, das Geschäftsumfeld zu verbessern und eine der höchsten öffentlichen Schuldenquoten in der Region zu senken. Gleichzeitig legt die Regierung Wert auf soziale Gerechtigkeit und die Bekämpfung der Kriminalität. Die anhaltende wirtschaftliche Erholung wird die soziale Stabilität stützen, doch wirtschaftliche Not könnte den jüngsten Anstieg der Kriminalität und sporadische Proteste verschärfen. Streiks dürften jedoch dank des regelmäßigen Dialogs im Rahmen der „Social Partnership Initiative“, die Regierung, Gewerkschaften und den privaten Sektor zusammenbringt, selten sein. Unterdessen wird die Debatte über eine Verfassungsreform im Jahr 2026 fortgesetzt, nachdem Barbados im Jahr 2021 zu einer parlamentarischen Republik übergegangen ist. Im Mittelpunkt der Debatte stehen die Erhöhung der Zahl der Abgeordneten, die Verwirklichung der Geschlechterparität im Senat sowie die Stärkung der Befugnisse des Premierministers gegenüber dem Präsidenten. Letzterer, Jeffrey Bostic, ein Mitglied der BLP, ist seit November 2025 im Amt und der zweite Präsident des Landes seit der Abschaffung der Monarchie.
Das Land wird weiterhin den Schwerpunkt auf die regionale wirtschaftliche Zusammenarbeit im Rahmen der Karibischen Gemeinschaft (CARICOM) legen. Es wird enge Beziehungen zu den USA und Großbritannien (der ehemaligen Kolonialmacht) pflegen, insbesondere bei der Bekämpfung des Drogen- und Waffenhandels sowie der organisierten Kriminalität. Die Beziehungen zu China werden durch verstärkten Handel und Investitionen weiter ausgebaut. Darüber hinaus strebt die Regierung an, das Profil der Insel als Offshore-Finanzzentrum zu stärken, was zu neuen Steuerabkommen mit Handels- und Investitionspartnern führen soll. Schließlich wird Mia Mottley ihre einflussreiche Rolle als Sprecherin der kleinen Inselentwicklungsstaaten in internationalen Foren fortsetzen, insbesondere bei Fragen im Zusammenhang mit dem Klimawandel.

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