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Insolvenzen steigen wieder: Das wirtschaftliche Umfeld verschlechtert sich

Das globale Geschäftsklima verschlechtert sich in zunehmendem Tempo. Die Unternehmensinsolvenzen stiegen Anfang 2026 um 12%, getrieben durch Nordamerika (+22%). Vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen und steigenden Kostendrucks prognostiziert Coface für 2026 nun einen weltweiten Anstieg der Insolvenzen um 6%.

Kennzahlen

  • +12%: Anstieg der weltweiten Insolvenzen Anfang 2026, ein Signal für eine rasche Verschlechterung des Geschäftsklimas
  • +22%: deutlicher Anstieg der Insolvenzen in Nordamerika, dem wichtigsten Treiber des weltweiten Zuwachses
  • +6%: Erwarteter Insolvenzanstieg 2026, mehr als doppelt so hoch wie ursprünglich prognostiziert

 

Der wirtschaftliche Abschwung zeigt sich inzwischen in den Zahlen

Das globale Geschäftsumfeld hat sich in den vergangenen Monaten spürbar abgeschwächt, da die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Konflikts zunehmend auf die wirtschaftliche Aktivität durchschlagen.

Der Anfang 2026 verzeichnete Anstieg der Insolvenzen um 12%, darunter ein Plus von 22% in Nordamerika, verdeutlicht das Ausmaß des aktuellen Schocks und die rasche Verschlechterung der Lage für Unternehmen.

Diese Entwicklung wird durch die jüngsten geopolitischen Spannungen, insbesondere im Nahen Osten, verstärkt. Deren Folgen zeigen sich zunehmend in steigenden Beschaffungskosten, höherer Volatilität der Energiepreise und größerer Unsicherheit, die Investitionsentscheidungen belastet.

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Prognosen für 2026 nach oben korrigiert

Vor diesem Hintergrund korrigiert Coface seine Insolvenzprognosen für 2026 deutlich nach oben. Weltweit wird nun ein Anstieg der Insolvenzen um rund 6% erwartet, mehr als doppelt so hoch wie zu Jahresbeginn angenommen.

Deutliche Zuwächse werden in den Vereinigten Staaten (+8%), Frankreich (+8%) und Japan (+7%) erwartet. Für Deutschland und die Niederlande wird mit Anstiegen von rund 5% gerechnet. Moderatere Zuwächse zwischen 2% und 3% werden in Spanien, Italien und dem Vereinigten Königreich erwartet.

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Zinsen verschärfen eine bereits fragile Lage

In diesem bereits fragilen Umfeld belasten die Finanzierungsbedingungen die Unternehmen weiterhin erheblich. Trotz des Beginns eines Lockerungszyklus verharren die Zinsen nach mehreren Jahren geldpolitischer Straffung auf hohem Niveau. Dadurch bleiben Kredite dauerhaft teuer.

Diese Belastung wiegt umso schwerer, als Unternehmen in diese Phase mit historisch hohen Schuldenständen eintreten. Daher können bereits kleine Veränderungen der Finanzierungsbedingungen unverhältnismäßig starke Auswirkungen haben. Ein Anstieg der Kreditzinsen um lediglich 25 Basispunkte würde ausreichen, um die weltweiten Zahlungsausfälle erneut zu beschleunigen und ihr Wachstum wieder näher an die 2025 beobachteten Werte heranzuführen.

Das anhaltend hohe Zinsniveau wirkt somit als zusätzlicher Belastungsfaktor in einem ohnehin sich verschlechternden Umfeld. Es begrenzt die Fähigkeit der Unternehmen, ihre Schulden zurefinanzieren und weitere Schocks abzufedern.

 

Konjunkturabhängige Branchen stehen besonders unter Druck

Der Druck bleibt in den Branchen besonders hoch, die am stärksten auf Konjunkturzyklen und Finanzierungsbedingungen reagieren. Bau, Chemie und Textilien zählen weiterhin zu den anfälligsten Branchen, da sie stark von Produktionskosten und Nachfrage abhängig sind.

In mehreren großen Volkswirtschaften zeigen diese Verwundbarkeiten bereits konkrete Auswirkungen:

  • Vereinigte Staaten: Industrie und Bauwirtschaft werden durch steigende Finanzierungskosten und eine nachlassende Nachfrage belastet.
  • Deutschland: Die Industrie, insbesondere Chemie und Bauwirtschaft, bleibt aufgrund hoher Energiekosten und weiterhin schwacher Aktivität unter Druck.
  • Frankreich: Die Bauwirtschaft leidet unter hohen Zinsen, die Industrie bleibt durch Energiekosten geschwächt, und der Einzelhandel wird durch die eingeschränkte Kaufkraft belastet.
  • Japan: Die am stärksten verschuldeten Branchen werden durch dauerhaft straffere Finanzierungsbedingungen geschwächt.

In diesen Branchen verringert die Kombination aus hohen Produktionskosten, unter Druck stehenden Margen und erschwertem Zugang zu Finanzierungen die Anpassungsfähigkeit der Unternehmen erheblich.

Diese Verwundbarkeit ist bei KMU noch ausgeprägter, da sie häufig weniger diversifiziert und stärker von Schwankungen des Cashflows betroffen sind. In mehreren Regionen zählen diese Branchen daher zu den Haupttreibern des seit 2025 beobachteten Anstiegs der Insolvenzen. Dies bestätigt, dass die wirksamen Belastungen inzwischen struktureller Natur sind.

 

Staatliche Unterstützung dürfte nicht mehr denselben Puffer bieten

Das vergleichsweise niedrige Insolvenzniveau zwischen 2020 und 2023 war weitgehend auf umfangreiche staatliche Unterstützungsmaßnahmen als Reaktion auf die Covid-19-Pandemie und die Folgen des Ukraine-Krieges zurückzuführen.

Zwar werden in einigen Ländern wieder Unterstützungsmaßnahmen eingeführt, ihr Umfang bleibt jedoch deutlich begrenzter. In den großen europäischen Volkswirtschaften, darunter Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und das Vereinigte Königreich, belief sich die fiskalische Unterstützung in den Jahren 2022 bis 2023 auf rund 2% bis 4% des BIP.

Im Gegensatz dazu fallen die aktuellen Maßnahmen deutlich kleiner aus. Das größte derzeit beobachtete Programm liegt in Spanien bei rund 0,3% des BIP. Zudem sind die jüngsten Interventionen stärker zielgerichtet.

Dies dürfte zwar den am stärksten gefährdeten Branchen und Unternehmen helfen, wird jedoch voraussichtlich keinen breit angelegten Puffer bieten wie in früheren Krisen. Damit erscheint die Fähigkeit der öffentlichen Politik, einen Anstieg der Insolvenzen einzudämmen, begrenzter.

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