Unterschiedliche Sprachen, Zahlungsgewohnheiten, rechtliche Rahmenbedingungen und Kommunikationsformen prägen das Inkassoumfeld. Da der Erfolg des Forderungseinzugs maßgeblich davon abhängt, wie gut lokale Besonderheiten berücksichtigt werden, teilen unsere Experten ihre Erfahrung und praxisorientierte Empfehlungen. So lassen sich Inkassoprozesse effizient gestalten und unnötige Aufwände vermeiden.
#1 – Balance zwischen Chancen und Komplexität
Für in Afrika tätige Unternehmen ist das Inkasso ein strategisch zentrales Thema. Der Kontinent bietet beträchtliches wirtschaftliches Potenzial, ist jedoch gleichzeitig mit erheblichen Risiken durch verspätete oder ausbleibende Zahlungen verbunden. Zahlungsziele unterscheiden sich von Land zu Land teils erheblich.
Der DSO-Wert (Days Sales Outstanding) als wichtiger Leistungsindikator im Forderungsmanagement erreicht in Afrika häufig sehr hohe Werte von bis zu 120 Tagen. Dies erhöht den Bedarf an Liquidität und beeinträchtigt die Rentabilität von Unternehmen. Vor diesem Hintergrund erfordert eine wirksame Inkassostrategie fundierte Kenntnisse lokaler Besonderheiten, ein stringentes Risikomanagement sowie den Einsatz geeigneter Instrumente.
Politische und wirtschaftliche Instabilität prägt viele afrikanische Länder. Ursachen sind unter anderem interne Konflikte, häufige Regierungswechsel, eine starke Abhängigkeit von Rohstoffen sowie unzureichende Devisenreserven.
Diese Faktoren stören Zahlungsprozesse und erschweren die Verfügbarkeit von Fremdwährungen zur Begleichung internationaler Rechnungen.
#2 – Umgang mit unterschiedlichen Zahlungsverhalten
Die Zahlungspraxis unterscheidet sich nicht nur deutlich zwischen einzelnen Ländern, sondern auch zwischen verschiedenen Branchen.
In manchen Staaten werden lange Zahlungsfristen informell akzeptiert. Dies ist teilweise darauf zurückzuführen, dass gerichtliche Inkassoverfahren als ineffizient oder zu kostspielig wahrgenommen werden. Daher gehen Schuldner häufig davon aus, dass sie bei verspäteter Zahlung kaum sanktioniert werden.
#3 – Die Bekämpfung der Gerichtsverfahren
In vielen afrikanischen Ländern sind die Justizsysteme nur begrenzt ausgestattet. Dies führt zu erheblichen Verzögerungen bei der Bearbeitung von Fällen.
Wenn sich Zahlungsfristen verlängern und der DSO akzeptable Schwellen überschreitet, lässt sich ein rechtliches Vorgehen oft nicht vermeiden. Solche Verfahren können jedoch zwischen 12 und 36 Monate in Anspruch nehmen, was die Forderung verteuert und die Realisierungschancen mindert.
#4 – Entschlossenheit und Einfallsreichtum vor Ort zeigen
Die Inkassoexperten von Coface in Frankreich erzielten einen großen und kreativen Erfolg. Sie setzten gegenüber einem afrikanischen Staat eine vollständige Forderung von 2,8 Mio. € für ihren Kunden durch. Coface versicherte im Rahmen eines Vertrags ein Unternehmen aus dem Bereich Verteidigungs- und Überwachungssysteme. Der Versicherungsschutz deckte den Ausfall projektbezogener Ratenzahlungen ab.
Nach Abschluss der Arbeiten verweigerte der Auftraggeberstaat die Zahlung der Schlussrechnung. Mehrere einvernehmliche Einigungsversuche des versicherten Unternehmens blieben erfolglos. Daraufhin stellte der Versicherte bei Coface einen Interventionsantrag.
Da der Vertrag eine entsprechende Klausel enthielt, leitete Coface ein Schiedsverfahren nach den Regeln der UNCITRAL ein. Das Schiedsgericht verurteilte den Schuldnerstaat zur Zahlung von 2,3 Millionen Euro zuzüglich 560.000 Euro an Verzugszinsen und Verfahrenskosten. Da das Urteil nicht freiwillig umgesetzt wurde, erkannte Coface eine Durchsetzungsmöglichkeit und setzte eine kreative, zugleich äußerst wirksame Maßnahme ein. Mit Unterstützung seiner Rechtsberater erwirkte Coface beim Berufungsgericht Lüttich eine Sicherungspfändung für vier Lokomotiven, die der Schuldnerstaat bei einem belgischen Unternehmen bestellt hatte, und blockierte damit deren Auslieferung.
Dieses entschlossene Vorgehen führte umgehend zu einer Reaktion des Schuldnerstaates, der daraufhin die gesamte Forderung beglich. Der Erfolg verdeutlicht die Fähigkeit von Coface, sämtliche rechtlichen und operativen Hebel zu mobilisieren, um die Interessen seiner Kunden zu schützen. Die Forderung wurde vollständig realisiert, gestützt auf ein internationales Schiedsverfahren, selbst gegenüber einem souveränen Staat.
#5 – Einen Experten hinzuziehen: eine strategische Notwendigkeit
Angesichts der wirtschaftlichen, rechtlichen und kulturellen Komplexität Afrikas kann der Versuch, Forderungen eigenständig einzutreiben, schnell zeitaufwendig, kostspielig und mit hoher Unsicherheit verbunden sein.
Interne Teams verfügen nicht immer über die erforderlichen zeitlichen Ressourcen, die spezifische Ausbildung oder die lokale Marktkenntnis, um effizient zu verhandeln. Dies gilt insbesondere bei grenzüberschreitenden Forderungen in Ländern mit stark abweichenden Geschäftspraktiken, Sprachen und Rechtssystemen. Zudem kann ein direktes Vorgehen des Gläubigers die Geschäftsbeziehung nachhaltig belasten.
Die Beauftragung eines weltweit führenden Spezialisten wie Coface bedeutet, auf ein internationales Netzwerk lokaler Expert:innen zurückzugreifen. Diese Fachkräfte verbinden juristische Kompetenz mit ausgeprägtem Verhandlungsgeschick und passen Inkassostrategien gezielt an den jeweiligen Kontext an. Coface treibt offene Forderungen in 190 Ländern ein, darunter in 50 afrikanischen Staaten.
Dank ihres tiefgehenden Marktverständnisses und eines erfolgsorientierten Vergütungsmodells erzielen die Expert:innen von Coface häufig schnellere und reibungslosere Einigungen. Gleichzeitig schützen Sie Ihre Geschäftsbeziehungen und können sich konsequent auf Ihr Kerngeschäft konzentrieren.



