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14.08.2020
Länder- und Branchenbewertungen

Neue Chancen für Zentral- und Osteuropa

Neue Chancen für Zentral- und Osteuropa

Die Corona-Pandemie zeigt, wie schnell Lieferketten unterbrochen werden können. Unternehmen werden künftig ihre Bezugsquellen diversifizieren, um diese Risiken zu begrenzen. „Es ist zwar nicht zu erwarten, dass China seine Position als globaler Lieferant verlieren wird, aber den zentral- und osteuropäischen Ländern könnten sich Chancen auf einen höheren Anteil an globalen Lieferketten eröffnen“, meint Grzegorz Sielewicz, Ökonom beim Kreditversicherer Coface für Zentral- und Osteuropa.

 

Gut ausgebildete Arbeitskräfte, die Nähe zu Westeuropa, niedrige Arbeitskosten, eine gute Infrastruktur und ein stabiles Geschäftsumfeld machen Zentral- und Osteuropa bereits seit Jahren attraktiv für Investitionen aus dem Ausland. Jetzt versuchen einige Länder vermehrt, ihren Anteil der Wertschöpfungskette der Produktion zu vergrößern. „Weitere Automatisierung und Digitalisierung sind Schlüsselthemen um bei gesteigerter Produktivität wettbewerbsfähig zu bleiben“, erklärt Sielewicz.

 

Investitionen in Automobilindustrie für andere Branchen nutzen

 

Zentral- und Osteuropa könnte nicht nur von der verarbeitenden Industrie, wie der Automobilindustrie, profitieren, sobald der Corona-Schock und die konjunkturellen Schwächen überwunden sind. Die Länder können die Verlagerung anderer Industrien erfolgreich nutzen. „Dazu könnte die Produktion von Elektro- und Elektronikgeräten gehören. Potenzial besteht auch bei Maschinen, Chemikalien sowie bei Transport und Lagerung“, listet Grzegorz Sielewicz einige Branchen auf. Er ist sicher, dass sich die Region rasch an die Nachfrage anpassen könnte. Wenn die Länder weiter in Digitalisierung investieren, könnten auch die Dienstleistungssektoren, insbesondere im Baltikum und in den am weitesten entwickelten Ländern der Region einschließlich Tschechien, Ungarn, Polen, Slowakei und Slowenien, profitieren. „Mittelfristig werden die Automobilunternehmen in Zentral- und Osteuropa von ihrer Wettbewerbsfähigkeit, durch die in den Vorjahren getätigten Investitionen und Produktionskapazitäten, profitieren“, erwartet der Coface-Ökonom, „insbesondere dann, wenn sie sich an die strukturellen Veränderungen der Branche anpassen.“

 

Insgesamt, heißt es in einer aktuellen Studie von Coface, bleibe die Zentral- und Osteuropa Region wettbewerbsfähig. Die Produktionsanlagen seien relativ modern. Durch die Co-Finanzierung aus EU-Mitteln werde die Infrastruktur unterstützt. „Eine höhere Produktivität bei gleichzeitiger Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit dürfte weitere Zuflüsse ausländischer Investitionen fördern und die Entscheidungen über potenzielle Produktionsverlagerungen in diese Region unterstützen“, erläutert Sielewicz. Während die Kernländer dieser Region bereit seien, Investitionen anzuziehen, die sie in der Wertschöpfung nach oben bringen könnten, könnten die Balkanländer von Sektoren mit geringerer Wertschöpfung ausgewählt werden, darunter die Agrar- und Ernährungswirtschaft, die Textilindustrie oder im weiteren Sinne die Montage von Produkten aus importierten Komponenten.

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