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27.06.2019
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Erdgas: Licht oder Schatten?

Erdgas: Licht oder Schatten?

Der Erdgasmarkt boomt und wird mittelfristig zunehmen, aber etliche Faktoren deuten auf eine weniger vielversprechende Zukunft hin.

Bis vor kurzem wurde Erdgas als der "sauberste" der fossilen Brennstoffe bezeichnet. Alles deutet auf einen Anstieg von Nachfrage und Produktion hin. Der Energiemarkt entwickelt sich jedoch rasant. Erneuerbare Quellen werden immer beliebter und zu wirtschaftlich tragbaren Alternativen zu fossilen Brennstoffen.

 

 

Erdgas: ein leuchtendes Momentum . . .

Nach Angaben der Internationalen Energieagentur hat Erdgas die höchste Wachstumsrate beim Verbrauch aller fossilen Brennstoffe seit 2006 verzeichnet. Der Erdgasbedarf wird weiter steigen, vor allem durch den Anstieg der Nachfrage in Asien und insbesondere in China, dessen "Blue Sky"-Politik strenge Luftqualitätsziele und eine obligatorische Umstellung von Kohle auf Gas vorschreibt.
Gas ist wegen seiner breiten Vorkommen, Vielseitigkeit und geringeren Umweltbelastung im Vergleich zu anderen fossilen Brennstoffen ein beliebter und praktischer Rohstoff zur Energieerzeugung. Im Vergleich zu Kohle emittiert Erdgas 40 Prozent weniger Kohlendioxid (CO2), Partikel (PM2,5), Schwefeldioxid (SO2) und Stickoxide (NOx). Erdgas ist die am häufigsten genutzte Energiequelle, um erneuerbare Energien wie Solarmodule und Windparks zu ergänzen, die oft schwankend sind und schnelle und zuverlässige Backups erfordern.
Erdgas wird auch in industrielle Prozesse, insbesondere als Rohstoff für die Petrochemie, integriert. Erdgas und verwandte Flüssigkeiten machen etwa 29 Prozent aller fossilen Brennstoffe in der chemischen Industrie aus.

 

. . . mit unklarer Zukunft

Obwohl Erdgas bei der Verbrennung weniger Emissionen verursacht als Öl oder Kohle, ist es keineswegs eine saubere Energiequelle und wird das Risiko der globalen Erwärmung nicht verringern. Darüber hinaus ist die Schiefergasförderung stark umweltbelastend und erfordert große Mengen an Wasser sowie die Einbringung von Chemikalien in den Boden, um das Gestein aufzubrechen. Diese Fracking-Technologie verschmutzt auch Leitungswasser und bedroht den Zugang zu sauberem Trinkwasser in ländlichen Gemeinden.
Darüber hinaus werden erneuerbare Energien heute günstiger als Erdgas. Nach der neuesten Energiekostenanalyse (LCOE) des internationalen Finanzkonzerns Lazard ist die nicht subventionierte Windenergie bereits heute mit der günstigsten Methode zur Stromerzeugung aus Erdgas wettbewerbsfähig. Hinzu kommt, dass die Erdgaspreise sehr volatil sind und den Entscheidungsprozess zusätzlich verunsichern.
Schließlich befindet sich die Nutzung von Gas als Ergänzung zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen angesichts der technologischen Fortschritte bei der Stromspeicherung wahrscheinlich in der Endphase. Nach Angaben des Design- und Energieunternehmens Wood McKenzie hat sich die Stromspeicherkapazität in GW/h im Jahr 2018 mehr als verdoppelt und stieg um 140 Prozent. Der Automobilhersteller Tesla testet bereits ein Batteriespeichersystem in Australien, das mit dem Windpark Hornsdale verbunden ist. Obwohl die Technologie noch in den Kinderschuhen steckt, sind viele Akteure und Regierungen bestrebt, ihre eigenen Batteriespeicher-Champions wie die schwedische Northvolt zu entwickeln, die darauf abzielt, der größte europäische Batteriehersteller zu werden.
Erdgas wird sicher noch einige Zeit genutzt werden. Aber auf lange Sicht werden Energien greifen, die besser dazu beitragen können, die Umwelt zu schützen.

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