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09.07.2019
Länder- und Branchenbewertungen

Coface stuft Österreich herab

Coface Barometer - Trade tensions return to the forefront of the global economy

Automobilindustrie und schwache deutsche Wirtschaft verlangsamen heimisches Wirtschaftswachstum

Coface hat in seiner jüngsten Länderrisikobewertung Österreich von A1 auf A2 herabgestuft. Österreich hat damit seine seit fünf Jahren bestehende Niedrigrisikoeinschätzung verloren. „Grund ist vor allem der Automobilsektor“, erläutert Michael Tawrowsky, Country Manager von Coface Österreich. „Die Gründe für die Herabstufung sind die globale Konjunkturabkühlung und die schwache Konjunktur in Deutschland, von der wir in Österreich abhängig sind“, erläutert Tawrowsky.

 

Die Weltwirtschaft ist schwächer als in den vergangenen zwei Jahren. Nach einem BIP-Wachstum von 3,1% im Jahr 2018 erwartet Coface, dass es sich bis 2019 auf 2,7% verlangsamen wird, bevor es 2020 stabil bleibt. Die globale Handelsdynamik hat sich ebenfalls abgeschwächt. „Wir befinden uns in turbulenten Zeiten: in vielen Regionen sehen wir eine Verlangsamung der Wirtschaft. Politische Risiken nehmen zu. Der Protektionismus wird zum Handelskrieg und die Digitalisierung verändert unser Konsumverhalten. Alle diese Faktoren spielen derzeit zusammen“, erklärt Tawrowsky. Der Automobilsektor macht die aktuellen Schwachstellen der Weltwirtschaft deutlich. Coface hat daher die Risikobewertung für den Automobilsektor in 13 Ländern herabgestuft - zum zweiten Mal in sechs Monaten. Allein auf diese Branche entfällt fast die Hälfte der Herabstufungen der Sektoreinschätzung in diesem Quartal.

Österreich – Land der Automobilindustrie

Die Automobilbranche ist ein wichtiger Bestandteil der Industrie in Österreich. Darüber hinaus unterliegt er der Nachfrage aus externen Märkten. Die Exporte von Maschinen und Fahrzeugen machten im vergangenen Jahr mehr als 40% der österreichischen Exporte aus. Darüber hinaus sind Kfz-Teile und -Komponenten wichtige Produkte, die aus Österreich exportiert werden. In den letzten Monaten ist das verarbeitende Gewerbe sowohl in Österreich als auch in anderen westeuropäischen Märkten rückläufig. Die Dynamik der Industrieproduktion in Österreich ist zwar weiterhin positiv, hat sich jedoch abgeschwächt. Gleichzeitig zeigen verschlechterte PMI-Indikatoren, dass die Aussichten nicht günstig sind: Der PMI für das verarbeitende Gewerbe ist im Juni 2019 auf 47,5 gefallen, dh unter die Schwelle von 50 Punkten, was auf eine Verlangsamung hinweist und den niedrigsten Stand seit November 2014 darstellt. Sowohl die Inlands- als auch die Auslandsnachfrage schwächten sich ab, insbesondere in Bezug auf den Automobilsektor. Die Exportaufträge gingen mit dem stärksten Tempo seit Oktober 2012 zurück.

Deutschland ist nach wie vor der größte Handelspartner und erzielte im vergangenen Jahr 30,1% der österreichischen Exporte (davon 40,8% Maschinen- und Fahrzeugexporte). „Die deutsche Wirtschaft profitierte zwar von positiven gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen wie einem guten Haushaltskonsum und einem insgesamt dynamischen Arbeitsmarkt, war aber seit Jahresbeginn mit Gegenwind konfrontiert”, betont der Coface-Österreich-Chef.  Die aktuelle Schätzung von Coface für das deutsche BIP-Wachstum für dieses Jahr liegt bei 0,8% nach 1,5% im Vorjahr. Die deutsche Industrie befindet sich in der Tat in einem steilen Abwärtstrend. Die Stimmungsindikatoren, darunter das ifo-Geschäftsklima und der Markit PMI, lassen deutliche Anzeichen für zunehmend pessimistische Geschäftserwartungen erkennen. Coface rechnet kurz- bis mittelfristig nicht mit einer Verbesserung der Branchenkonjunktur. Die deutsche Automobilindustrie ist der Haupttreiber dieser Verlangsamung mit sinkender Automobilproduktion, schwächeren Neuzulassungen und Exporten.

Globaler Gegenwind beeinflusst Österreichs Wirtschaft

Nicht nur die deutsche Abschwächung, sondern auch der globale Gegenwind sind wichtig für Österreich. Lokale Unternehmen sind in verschiedene Lieferketten involviert. Österreich belegt laut dem Economic Complexity Index (ECI), der als Proxy für die globale Wertschöpfungskettenintegration dient, den 10. Platz weltweit. Inwieweit Länder von den Handelsentwicklungen in der Weltwirtschaft betroffen sind, hängt nicht nur vom Grad ihrer Offenheit ab, sondern auch von ihrem Grad der Integration in globale Wertschöpfungsketten. Der Export von Waren und Dienstleistungen wurde zu einem wesentlichen Bestandteil der Aktivitäten der österreichischen Unternehmen. Letztes Jahr machten sie umgerechnet 54,5% des nominalen BIP des Landes aus (im Vergleich zum EU-Durchschnitt von 46,2%). Die Geschäftstätigkeit der Unternehmen auf externen Märkten ermöglichte es Österreich, mit einem Anteil von 0,9% an den weltweiten Gesamtexporten auf Rang 29 zu einer Gruppe der weltweit führenden Warenexporteure zu gelangen. Bei den kommerziellen Dienstleistungen haben österreichische Unternehmen mit einem Anteil von 1,3% an den weltweiten Exporten von kommerziellen Dienstleistungen noch stärker daran gearbeitet, den 20. Rang weltweit zu erreichen.

Coface-Länderrisikobewertungen beziehen sich auf das Unternehmensrisiko in bestimmten Ländern. Die Methodik umfasst makroökonomische Perspektiven: wirtschaftliche, finanzielle und politische Lage des Landes, aber auch Zahlungserfahrungen und Geschäftsklima. Die Note wird in einer Achterskala von A1 (das niedrigste Risiko) bis E (das extreme Risiko) vergeben. 161 Länder werden von Coface-Länderrisikobewertungen erfasst. Darüber hinaus umfassen die Sektor-Risikobewertungen 13 Sektoren in den wichtigsten Regionen der Welt sowie die Sektor-Risikobewertungen für 26 Länder, die insgesamt 85% der globalen Produktion ausmachen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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