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07.11.2023
Länder- und Branchenbewertungen

Coface Länder- und Branchenbewertung: Herausforderungen für westliche Volkswirtschaften halten an

Coface Länder- und Branchenbewertung: Herausforderungen für westliche Volkswirtschaften halten an

Die globale Wirtschaft kommt auch Ende 2023 nicht in ruhigere Fahrwasser: Soziale und politische Risiken nehmen weiter zu und die Finanzstabilität vieler Volkswirtschaften wird von hohen Zinsen belastet. „Die Frǔhindikatoren deuten auf eine weitere Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in Nordamerika und der Eurozone zum Jahresende hin“, sagt Dagmar Koch, Country Managerin Coface Österreich zur aktuellen Coface Länder- und Branchenbewertung. Coface hat in diesem Kontext das Länderrisiko für sieben Länder angepasst: Den Heraufstufungen von Belize und der Mongolei stehen Herabstufungen von Kolumbien, Finnland, Niger, Neuseeland und Schweden gegenüber.

 

Neben der anhaltenden amerikanisch-chinesischen Rivalität haben mehrere Ereignisse die geopolitische Landschaft in den vergangenen Monaten weiter umgewälzt. „Geopolitik rückt weiter in den Fokus und nimmt einen immer größeren Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung von Regionen und Ländern“, betont Koch. Die Erweiterung der BRICS-Gruppe um die sechs neuen Mitglieder Saudi-Arabien, Argentinien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate, Äthiopien und den Iran zielt auf das Ende der G7-Vorherrschaft ab. „Die Weltordnung, wie wir sie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs kennen, gerät mehr und mehr ins Wanken. Wir befinden uns auf dem Weg in eine multipolare Welt“, sagt die Coface-Managerin. Die Eignung der erweiterten BRICS-Gruppe, eine Alternative oder Konkurrenz zur G7 anzubieten, dürfte kurzfristig jedoch begrenzt bleiben. „Zwar haben alle Mitgliedsländer ein eindeutiges Interesse daran, der Gruppe anzugehören, aber ihre Ziele sind nicht immer deckungsgleich. Darüber hinaus gibt es auch innerhalb der Vereinigung Spannungen, beispielsweise zwischen China und Indien. Zudem sind die Pläne zur Schaffung einer BRICS-Währung, die den Dollar ablösen soll, bislang gescheitert“, analysiert Koch.

 

Inflation lässt nach, ist aber nicht überwunden

Die Inflationsentwicklung in den europäischen Ländern wird intensiv beobachtet. Erwartungsgemäß ist die Inflation in den letzten Monaten mechanisch, aufgrund eines Basiseffekts aus dem Vorjahr, zurückgegangen. Dies ist vor allem auf die gesunkenen Energie- und Rohstoffpreise zurückzuführen, die unter den Höchstständen aus dem vergangenen Jahr liegen. Eine Disinflation bei Waren, das heißt ein Rückgang der Inflationsrate durch deutlich langsame steigende Preise, ist ebenfalls im Gange. Aufgrund einer geringeren Kaufkraft priorisieren Konsumenten Dienstleistungen vor Gütern. In Kombination mit einer Normalisierung der Lieferketten führt dies zu einem geringeren Preisanstieg bei Gütern oder gar fallenden Preisen. „Die Anzeichen dafür, dass die Inflation auf hohem Niveau verankert ist, bleiben jedoch bestehen, denn die Kerninflation ist in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften bisher nur wenig zurückgegangen“, sagt Koch.

 

Darüber hinaus sind die Energiepreise zuletzt aufgrund geopolitischer Risiken wieder angestiegen und damit ein schwer kalkulierbares Inflationsrisiko. „Die Rekordinflation stellt Österreich vor besondere Herausforderungen“, sagt Koch und verweist auf die aktuellen Metaller-KV-Verhandlungen. Positiv zu bewerten sei, dass die Industrieproduktion im August in Österreich im Aufwind, aber niedriger als 2022 war. Die Industrieproduktion stieg im August in Österreich um 0,7 Prozent. Die Produktion im Baugewerbe ging sowohl auf Monatsbasis (-1,8 Prozent, saisonbereinigt) als auch auf Jahresbasis (-3,0 Prozent) zurück. Zudem konnte Österreich im Juli einen Export-Anstieg verzeichnen. Während die Importe um 5,4 Prozent zurück gingen, stiegen die Exporte um 1,6 Prozent.

 

Krisenherd Naher Osten

Der Terrorangriff der radikalislamischen Hamas vom 7. Oktober 2023 und die anlaufende Bodenoffensive der israelischen Armee in Gaza, führen zu einer Erhöhung des israelischen Risk Assessements und stellen die israelische Wirtschaft vor Herausforderungen. „Wir gehen davon aus, dass die Wirtschaft Israels aufgrund der aktuellen Situation weiter an Aufschwung verlieren wird. Die hohe Zinspolitik, die Justizreform und der Krieg werden das Land auch in Zukunft vor wirtschaftliche und politische Herausforderungen stellen“, meint Koch.

Schleppende Erholung in China

Chinas Aufschwung nach dem Abklingen der Corona-Pandemie und dem Ende der Zero-COVID-Politik ist enttäuschend, die Wirtschaftsdaten fielen sowohl fǔr die Binnennachfrage als auch fǔr die Exporte schwach aus. Die erwartete Erholung des Konsumverhaltens blieb praktisch aus, da sich die Haushalte zurückhielten und in unsicheren Zeiten lieber sparten. Investitionen konnten das chinesische Wachstum nicht entscheidend voranbringen – vor allem der Privatsektor agierte bei den Anlageinvestitionen zurückhaltend, insbesondere aufgrund des Immobilienmarktes. Staatliche Impulse erfolgten nur zögerlich und zeigen erst ab der zweiten Jahreshälfte 2023 Wirkung.

 

Mit Blick auf das Branchenrisiko hat Coface im aktuellen Barometer insgesamt 33 Veränderungen vorgenommen. In Westeuropa sind vor allem drei Branchen von Auf- und Abwertungen betroffen. So wurde der Energiesektor in allen westeuropäischen Ländern außer Deutschland heraufgestuft. Die Agrar- und Ernährungswirtschaft erfreut sich ebenfalls einer positiven Dynamik in der Region. Dem entgegen steht der Papiersektor, der die meisten Herabstufungen zu verzeichnen hat. Hier kommt das schwache Online-Geschäft des Einzelhandels ins Spiel. Weniger Verkäufe bedeuten auch weniger
Kartonage.

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