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05.11.2014
Länder- und Branchenbewertungen

Zuckerbrot und Peitsche: Chinas Wirtschaft vor Herausforderungen

China in 2014 : stable growth with risks of financing and overcapacities

Auch in diesem Jahr setzt die chinesische Regierung ihre Reformpolitik fort. Gleich mehrere Maßnahmen zielen dabei auf die Struktur der chinesischen Wirtschaft ab. Da dieInlandsnachfrage gedämpft bleibt, der Immobilienmarkt schleppend läuft und einige Branchen weiter mit Überkapazitäten kämpfen, ist es unwahrscheinlich, dass China sein Wachstumsziel von 7,5 Prozent für 2014 erreicht. Coface erwartet, dass das BIP mit Unterstützung der Politik um 7,4 Prozent wachsen kann.

 

Mehr notleidende Kredite, Finanzierungskosten steigen

Die Summe aus notleidenden Krediten nimmt in China – wie bereits in der Coface-Studie zum Zahlungsverhalten zu Beginn dieses Jahres ermittelt – stark zu. Im ersten Halbjahr 2014 lag die Steigerung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bei 28,7 Prozent. Die makroökonomische Entwicklung bestätigt die Prognosen der Coface für die chinesische Wirtschaft. Einerseits stabilisiert sich das Wachstum, andererseits kämpfen vor allem kleinere Unternehmen mit einem steigenden Finanzierungsdruck und einer nachlassenden Nachfrage.

“Die Zunahme notleidender Kredite gibt uns Anlass zur Sorge. Für mehrere Branchen und vor allem kleinere Unternehmen, die ohnehin schwer Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten finden, bleiben die Kreditkosten ein großes Problem. Vorausgesetzt, man behält die Inflation im Griff, könnte eine breit angelegte Zinssenkung helfen, die Finanzierungsprobleme zu mildern und das Wachstum näher an die von der Regierung veranschlagten 7,5 Prozent zu bringen“, erklärt Rocky Tung, Economist Coface Asien Pacific.

 

Branchenbarometer China

 

 

Schwacher Immobilienmarkt und Probleme mit Überkapazitäten

Der Immobilienmarkt in China entwickelte sich im ersten Halbjahr 2014 nur schwach. Auch in der zweiten Hälfte dürfte sich der Gegenwind kaum legen. „Der Preisdruck und die Verschuldung der Bauträger steigen besorgniserregend. Mit dem hohen Leerstand bezugsfertiger Gebäude bleiben die kurzfristigen Aussichten für die Branche düster“,erwartet Rocky Tung.

Da die Bedeutung des Immobiliensektors für die chinesische Wirtschaft groß ist, muss ein Kollaps vermieden werden. Mittelfristig wird sich die Nachfrage am Regierungsprogramm zur Urbanisierung orientieren. Dieses wird auf mehr Qualität und weniger auf große Investitionsvolumen setzen.

Der Metallindustrie machen weiterhin die Überkapazitäten zu schaffen. Die im Vergleich zu den Vorjahren schwächere Nachfrage drückt auf die Rentabilität. Auch die Energiebranche, exemplarisch der Kohlesektor, spürt die aufgrund des verlangsamten gesamtwirtschaftlichen Wachstums nachlassende Nachfrage. Der Preisdruck dürfte die Risikosituation weiter verschärfen, da er die Gewinne erodieren lässt und zu Finanzproblemen führt. Nach Optimismus im Frühjahr erfährt auch die Holz- und Papierbranche eine eher schwache Preisentwicklung, denn die Nachfrage bei den Endabnehmern lässt nach. Doch da die Regierung entschlossen ist, die Industrie insgesamt zu konsolidieren, und die Produktion weiter zurückgeht, könnte sich die Situation für die Hersteller 2015 und darüber hinaus verbessern.

 

Langsames Wachstum bei Konsumgütern

Für den verbrauchernahen Bereich ist der mittelfristige Ausblick in China weiter gut, sofern die kurzfristigen Herausforderungen bewältigt werden. Die Konsumgüterbranchen werden von der wachsenden Mittelschicht, mehr Menschen im erwerbsfähigen Alter, höheren Lebensstandards und verbesserten Absatzkanälen, getragen. So wird die Bedeutung der verbrauchernahen Branchen als Wachstumstreiber mittelfristig auf jeden Fall weiter zulegen. Kurzfristig könnte jedoch zusammen mit dem Antikorruptionsprogramm die gebremste Lohnentwicklung das Potenzial des Marktes deckeln. Das entspricht den Einschätzungen der Coface, wonach das Wachstum in China insgesamt moderater verlaufen wird.

Trotz vieler Reformen verliert die Regierung auch ihr Wachstumsziel nicht aus den Augen. Angesichts etlicher Anzeichen für ein verhaltenes Wachstum ist davon auszugehen, dass noch Maßnahmen gesetzt werden, um ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum anzuregen. Konkret wird es sicherlich weitere Anreize zur Zielerreichung geben. Darüber hinaus könnte eine Begrenzung der Zinsen die Finanzierungskosten unmittelbar senken und den Konsum ankurbeln. Allerdings müsste die Zentralbank die zu erwartenden Kreditrisiken, die eine gelockerte Geldpolitik auslöst, ausbalancieren. 

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Susanne KRÖNES

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