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20.11.2017
Länder- und Branchenbewertungen

Katar verkraftet Embargo noch gut, aber auch auf Dauer?

Katar verkraftet Embargo noch gut, aber auch auf Dauer?

Im Juni 2017 haben Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten und Bahrain („das Quartett“) die diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen. Die Länder kritisierten die Beziehungen Katars zum Iran und beschuldigten das Nachbarland, den Terrorismus zu unterstützen. Die Auswirkungen eines Embargos konnte Katar allerdings abfedern. Die Wirtschaft würde erst in eine Krise geraten, wenn die Sanktionen noch mehrere Monate anhielten.

 

Regierung kann die Situation kontrollieren

Katar, der weltgrößte Exporteur von verflüssigtem Erdgas, konnte die Effekte des Embargos bis jetzt aufgrund seiner Geld- und Goldreserven begrenzen. Die Regierung hatte sofort Maßnahmen ergriffen, die, zusammen mit den steigenden Energieexporten, auch Wirkung zeigten. So stützte die Regierung das lokale Bankensystem mit vielen Milliarden Dollar und kompensierte den beginnenden Abfluss der Einlagen von Bürgern der Golfstaaten. Coface erwartet für die Wirtschaft in Katar ein Wachstum von 3,4 Prozent in diesem Jahr und von 3 Prozent 2018.

Eine weitere Maßnahme war die Umorganisation der Lieferströme, auch in Kooperation mit anderen regionalen und internationalen Partnern, etwa der Türkei. Unterdessen sprudeln die Energieexporte weiter. Im ersten Halbjahr 2017 stiegen die Naturgasausfuhren um 19,3 Prozent und die Ölexporte um 31,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Nationales Bankensystem widerstandsfähig

Staatliche Einlagen bleiben eine wichtige Finanzierungsgrundlage für die Banken Katars. Von Juni bis August stieg deren Anteil an den Gesamteinlagen von 32 Prozent auf 38 Prozent, nachdem die Regierung Geld ins System gepumpt hatte, um den Rückgang der ausländischen Mittel auszugleichen. Daneben stützt die Zentralbank Katars den Liquiditätsfluss der Geschäftsbanken. So wird das Bankensystem trotz Kapitalabflüssen aufgrund der ungelösten politischen und diplomatischen Krise stabil und handlungsfähig bleiben.

Ohne schnelle Lösung der Krise könnten mittelfristig Probleme entstehen

Sollte das politische Problem allerdings nicht in den nächsten Monaten gelöst werden, dürften die Importkosten für Katar weiter deutlich steigen. Darunter litten dann einige Schlüsselbranchen wie der Bau. Aufgrund der höheren Materialkosten würden auch die Immobilienpreise steigen. Insgesamt würde mittelfristig das Wachstum des Landes trotz der Interventionen der Regierung gebremst. Darüber hinaus würde sich die politische Unsicherheit negativ auf die Investitionen auswirken, besonders in den Nicht-Energiesektoren.

Alles in allem führt die anhaltende Unsicherheit zu steigenden Kosten für die katarische Wirtschaft. Sollten die Rohstoffpreise aber weiter anziehen, könnten die negativen Effekte begrenzt werden. Verstärkte Investitionen in den Bausektor und in Infrastrukturprojekte würden sich auch auf andere Bereiche auswirken und das Wachstum in den Branchen außerhalb des Energiesektors stützen.

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