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23.09.2016
Länder- und Branchenbewertungen

Frankreich macht Pause beim Wachstum

Frankreich macht Pause beim Wachstum
  • Zweites Quartal: beeinflusst von externen Schocks
  • Wachstum: Prognose 2016 bleibt gut mit 1,6%
  • Unternehmensschulden: steigend, aber nicht alarmierend
  • Unternehmensinsolvenzen: weiter abnehmend mit -3,4 % in 2016
  • Branchenrisiken: stabilisiert, Lebensmittel herab-, Automobil heraufgestuft

Erholung setzt sich fort trotz politischer Probleme

Die französische Wirtschaft zeigt weiter eine positive Entwicklung, obwohl das zweite Quartal von externen Schocks beeinträchtigt war. Lokal wurde die Wirtschaftsaktivität von Überschwemmungen im Großraum Paris gebremst. Diese kurzfristige Beeinträchtigung dürfte langfristig aber durch positive Effekte in der Beschäftigung aufgewogen werden. In der Baubranche etwa füllen sich die Bücher mit Aufträgen für die Instandsetzung. Auch die Streiks in den Raffinerien haben zwei Seiten. Kurzfristig gab es einen Schock, mittelfristig folgt eine Stabilisierung, weil die Läger wieder aufgefüllt werden, um sich gegen Engpässe zu wappnen. Die politischen Wirren in Europa wirken sich destabilisierend auf die Märkte in Frankreich aus. So schlagen sich drei der wichtigsten Handelspartner mit aktuellen Problemen herum: Spanien mit einem politischen Chaos, Italien mit dem anstehenden Referendum und Großbritannien mit dem Brexit. In den kommenden Quartalen dürfte das Wachstum in Frankreich daher von der Inlandsnachfrage getrieben werden.

Der insgesamt positive Trend wird gestützt durch den stetigen Rückgang der Arbeitslosenzahlen. Die Quote ist weder unter 10 Prozent gesunken. Die Konsumausgaben sind deutlich gestiegen, während die Auslastung der Hotels gesunken ist und sich die Dienstleistungen im Handelssektor allgemein etwas abgeschwächt haben.

Insolvenzzahlen sinken – mit einer Pause im zweiten Quartal

Die Unternehmensinsolvenzen sinken in diesem Jahr weiter, auch wenn im zweiten Quartal der Rückgang, parallel zum gesamten Wirtschaftsverlauf, gebremst war. Vor allem die Hotellerie und der Transportsektor spüren die zunehmende „Uberisierung“ der Wirtschaft, besonders in der Region Ile de France. Der Großraum Paris verzeichnet 21,4 Prozent der Insolvenzen in Frankreich. Mit einer Steigerung um 5,4 Prozent Ende Juli ist der Wirtschaftsraum am härtesten betroffen. Allerdings bestätigt die steigende Kreditvergabe an Unternehmen den positiven Jahrestrend. Die Coface-Prognose von minus 3,4 Prozent im Jahresdurchschnitt sollte daher Bestand haben.

Frankreich einziges Land in Europa mit steigenden Unternehmensschulden

Frankreich ist das einzige größere Land in Europa, in dem die Schulden der Unternehmen steigen. Zwischen 2008 und 2016 kletterte die Quote um 14,8 Prozentpunkte. Allerdings ist der Verschuldungsgrad mit 68,7 Prozent noch deutlich unter der kritischen Schwelle von 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts

 

Zwei Phasen sind kennzeichnend für diese besondere Entwicklung:

  • Von 2007 bis 2013 mussten die Unternehmen über Fremdkapital die massiven Einbußen in Folge der Krise kompensieren. Gewinne und Nachfrage waren zu gering, um genügend Cashflow zu erwirtschaften;
  • Von 2013 bis heute wurde der Cashflow verbessert. Die Unternehmen greifen aber bei niedrigen Zinsen und steigender Nachfrage weiter eher zu günstigen externen Mitteln und schonen das Eigenkapital.

Landwirtschaft- und Lebensmittelbranche auf “hohes Risiko” herabgestuft, Automobilindustrie in “niedriges Risiko“ verbessert

Die Branchenrisiken in Frankreich stabilisieren sich im zweiten Quartal.

  • Textil-Bekleidung, im Mai in “hohes Risiko” herabgestuft, mit steigenden Insolvenzen und sinkenden Gewinnen;
  • Insolvenzen in Landwirtschaft-/ Lebensmittel um 3,2% gestiegen. Landwirte beklagen schwache Ernten. Getreidebauern können Preise nicht steigern, weil globale Wettbewerber vom besseren Wetter profitierten. Coface stuft Branche in „hohes Risiko“ ab;
  • Der Automobilsektor verbucht weiter steigende Absatzzahlen. Zwar liegen die Verkäufe noch nicht wieder auf Vorkrisenniveau, Coface erwartet aber eine weitere Fortsetzung der Erholung und stuft die Branche auf „niedriges Risiko“ herauf.

  

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