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30.11.2016
Länder- und Branchenbewertungen

„Der erste Pfeil der Abenomics“: Warum funktioniert er nicht?

„Der erste Pfeil der Abenomics“: Warum funktioniert er nicht?

Die Abenomics in Japan bestehen aus drei Pfeilen: einer expansiven Geldpolitik, einer Fiskalpolitik und Strukturreformen. Seit Beginn der Abenomics Anfang 2013 hat die Bank of Japan (BOJ) ihre Geldpolitik, die gemeinhin als "der erste Pfeil der Abenomics" bekannt ist, stark gelockert. Diese Maßnahmen beinhalteten die quantitativen und qualitativen Lockerungen im April 2013, die Einführung eines negativen Leitzinses im Januar 2016 und zuletzt die stärkere Beeinflussung der Zinsstrukturkurve durch die Notenbank im September 2016. Etwas mehr als dreieinhalb Jahre nach Einführung der Abenomics sieht es so aus, als lasse die Wirkung des ersten Pfeils immer weiter nach.

 

Warum hat der anfänglich schwache Yen das Warenexportvolumen Japans nicht gesteigert?

Die schwache Auswirkung der anfänglichen Yen-Abwertung auf die Exporte, die sich zu Beginn der geldpolitischen Lockerungsübungen einstellten, lässt sich durch das schwache weltweite Wirtschaftswachstum erklären. Diese schwache globale Handelsaktivität hat auch Japans Exporte belastet. Ein struktureller Grund für die schwache Exporttätigkeit kommt hinzu: das „pricing-to-market“-Verhalten japanischer Exporteure, die die Exportpreise nicht am Yen, sondern an Fremdwährungen festmachen. Daher hat selbst der anfänglich schwächere Yen nicht zu einer höheren Nachfrage geführt. Durch dieses „pricing-to-market“-Verhalten schwanken die Gewinnmargen der japanischen Hersteller stärker aufgrund des Währungsrisikos.

Welche Branchen könnten am meisten betroffen sein, wenn der Yen-Preis schwankt?

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor für die Gewinne japanischer Industrieunternehmen ist das Ausmaß der Exportpaletten: Industrien mit einer geringen Exportpalette haben dabei stärker unter Aufwertungen des Yen zu leiden. Dagegen zeigen sie sich profitabler bei einer Yen-Abwertung. Nach der Beurteilung von Coface ist die wirtschaftliche Lage der Unternehmen in der Textil- und Chemieindustrie in Zeiten eines starken Yen anfälliger, während der Maschinenbau weniger betroffen ist.

Die Wirkung der expansiven Geldpolitik scheint nachzulassen. Was wird als Nächstes passieren?

Theoretisch sollte eine so starke Zunahme der Geldmenge wie in Japan immer noch zu einer Währungsabwertung führen. Aufgrund der Marktturbulenzen im Jahr 2016 kam jedoch der „safe-haven“-Status des Yen wieder stärker zur Geltung, obwohl die BoJ ihre Geldpolitik immer weiter gelockert hat. Das heißt, dass der zusätzliche Nutzen der Geldlockerungen immer geringer wird.

"Die jüngsten Zahlen deuten darauf hin, dass Japan wieder einmal in einer Liquiditätsfalle stecken könnte. Erschreckender ist, dass das Deflationsrisiko nicht zurückgegangen ist. Aufgrund des geringen Spielraums für weitere geld- und fiskalpolitische Stimuli muss die japanische Regierung nun mutige Schritte in Richtung Deregulierungen und Strukturreformen wagen, um die Produktivität und das Wachstum der Löhne zu steigern. Ansonsten wird Japan weiter in einer Situation mit niedrigem Wachstum und Deflationsrisiken gefangen bleiben", sagte Jackit Wong, Asien-Pazifik-Ökonomin von Coface.

 

 

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