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16.06.2014
Länder- und Branchenbewertungen

Coface-Prognose 2014: Deutlich weniger KMU-Insolvenzen in Spanien, Stabilisierung in Frankreich

Bei einer vergleichbaren wirtschaftlichen Dynamik bleibt das Ausmaß der Unternehmensinsolvenzen in Spanien und Frankreich nach Einschätzung von Coface besorgniserregend. Allerdings haben sich kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in den beiden Ländern seit der Krise 2008/2009 unterschiedlich entwickelt. Die Insolvenzprognosen des internationalen Kreditversicherers Coface bestätigen diesen Unterschied für 2014: In Spanien dürften in diesem Jahr die KMU-Insolvenzen um -13 Prozent zurückgehen, in Frankreich mit -0,5 Prozent stabil bleiben.

 

In Frankreich wie in Spanien sind besonders kleine und mittlere Unternehmen von hohen Insolvenz-Levels betroffen – mit gravierenden Auswirkungen auf die Wirtschaft. Denn KMU beschäftigen über ein Drittel der Arbeitnehmer und erbringen einen signifikanten Anteil der Wertschöpfung: 32 Prozent in Frankreich, 37,4 Prozent in Spanien. (Quelle: Eurostat)

 

Von Februar 2013 bis März 2014 wurden in Spanien 2.765 KMU insolvent – das sind 4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Durch das hohe Ausgangslevel im Jahr 2013 liegen die Insolvenzzahlen aber immer noch über dem Rekordwert des Jahres 2009. Die Anzahl der KMU-Insolvenzen machen fast ein Drittel (31%) aller Unternehmensinsolvenzen aus.

 

In Frankreich stiegen die Insolvenzen von Februar 2013 bis Ende März 2014 um vier Prozent auf 4.682 kleine und mittlere Unternehmen. (Das sind 7,3 Prozent aller Unternehmen.) Im Unterschied zu Spanien ist in Frankreich die Anzahl der insolventen KMU seit dem Rekordlevel des Jahres 2009 mit 5.155 Insolvenzen aber gesunken.

 

Eine Krise – zwei Verläufe

Die Probleme der KMU in Spanien sind auf die  besonders schwierigen makro-ökonomischen Bedingungen zurückzuführen. Die Unternehmen litten unter der Krise und dem damit verbundenen Rückgang des Wachstums im Jahr 2013 um -1,2 Prozent und mussten sich anpassen. Die hohe Verschuldung (97,9 Prozent des BIP im dritten Quartal 2013) zwang die Firmen, Verbindlichkeiten abzubauen und reduzierte die Investitionsmöglichkeiten. Doch trotz des Drucks auf Cashflow und Kredite stieg die Profitabilität der spanischen KMU und erreichte  im Jahr 2013 an die 45 Prozent, während Frankreich mit 30 Prozent die geringsten Margen in Europa verzeichnete. Eine weitere positive Auswirkung der Krise: Um die schwache Inlandsnachfrage auszugleichen, mussten sich die spanischen Unternehmen dem internationalen Markt zuwenden. So exportiert jetzt ein Viertel (25%) der KMU aus Spanien, was die Krise etwas abmilderte. In Frankreich sind es mit 19 Prozent deutlich weniger.

 

In Frankreich waren die Auswirkungen der Krise weniger heftig. Coface sieht eine gefährliche Schwäche der Unternehmen, die sich auch im anhaltend hohen Insolvenzniveau zeigt. KMU haben ihre Wettbewerbsfähigkeit bei den Preisen nicht verbessert, und damit verabsäumt, sich Marktanteile durch Export zu sichern. So bleiben sie weiterhin vom Inlandsmarkt abhängig und benötigen einen deutlichen Schub aus dem Konsum, der jedoch ausbleibt. Die Ausgaben der privaten Haushalte stagnieren und gingen im ersten Quartal 2014 im Vergleich zum vierten Quartal 2013 sogar um -0,5 Prozent zurück.

 

Baubranche, Export und Haushaltskonsum als entscheidende Faktoren 

Drei Faktoren sind für die Insolvenzprognose in Frankreich und Spanien entscheidend: der Einfluss der Baubranche, die die meisten Insolvenzen verbucht, die Abhängigkeit der KMU vom Konsum sowie vom Export von Waren (in Spanien) oder Dienstleistungen (in Frankreich).  

Coface erwartet, dass die KMU-Insolvenzen in Spanien, wo sich die Erholung stabilisiert, im laufenden Jahr um mindestens -13 Prozent zurückgehen. Voraussetzung dafür ist, dass der Konsum wie prognostiziert leicht um +1,1 Prozent steigt, der Warenexport stark um +5,5 Prozent zulegt und die Arbeitskosten am Bau stabil bleiben. In Frankreich wird sich die Insolvenzsituation nicht so deutlich verbessern. Die KMU-Insolvenzen dürften mit -0,5 Prozent stabil bleiben, wenn der Konsum wie erwartet leicht um +0,8 Prozent wächst, der Export von Dienstleistungen um +3 Prozent und die Arbeitskosten im Bausektor nur leicht (+0,5%) steigen.

 

 

Glossar:

Wertschöpfung gemäß Eurostat-Definition: Wertschöpfung der Wirtschaftszweige des Landes ohne Landwirtschaft, Finanzwesen und Öffentliche Hand.

 

KMU: Unternehmen mit 10 bis 249 Beschäftigten und einem Jahresumsatz unter 50 Mio. Euro bzw. einer Bilanzsumme unter 43 Mio. Euro.

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