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24.09.2013
Länder- und Branchenbewertungen

Coface CEE Top 500: Top-Unternehmen mit starken Gewinneinbrüchen trotz Umsatzplus

Coface CEE Top 500
  • Polen behält auch in diesem Jahr den Spitzenplatz im Ranking. Ungarn und Rumänien holen auf und drängen die Ukraine aus den Top 3.
  • Die größten Unternehmen machen mehr Umsatz, leiden aber unter Gewinneinbußen.
  • Der Wirtschaftsraum Zentral- und Osteuropa ist heterogener als je zuvor; die Insolvenzrate hat sich verdreifacht.

Der internationale Kreditversicherer Coface präsentierte heute zum fünften Mal die Studie „CEE Top 500“ über die Top 500-Unternehmen in Zentral- und Osteuropa. Die 500 größten Unternehmen der Region werden nach Umsatz gereiht; zusätzlich werden weitere Faktoren wie die Anzahl der Mitarbeiter, die Rahmenbedingungen der einzelnen Unternehmen, Branchen und Märkte analysiert.

Christian Berger, Country Manager Coface Austria, betont, wie wichtig die Region für Österreich ist: „Die Region Zentral- und Osteuropa ist nach Deutschland der zweitwichtigste Außenhandelspartner Österreichs. Deshalb ist es essenziell, die wirtschaftlichen Entwicklungen genauestens zu beobachten.“

Top-Player: Mehr Umsatz, aber starke Gewinneinbrüche

Trotz der Wirtschaftskrise steigerte sich der Umsatz der Top 500-Unternehmen im Jahr 2012 um 5% auf 628 Milliarden EUR. Die Entwicklung des Nettogewinns geht jedoch in die entgegengesetzte Richtung: Während die Top-Firmen aus Zentral- und Osteuropa ihre Gewinne im Jahr 2011 deutlich gesteigert haben, sinken sie 2012 um fast -32%.

Die Anzahl der Mitarbeiter in den Top 500-Unternehmen in Zentral- und Osteuropa ist mit +1,5% leicht gewachsen. Das Gesamtbild ist aber heterogen: Die Studie zeigt, dass hohe Arbeitslosenraten in einzelnen Ländern mit hohen Entlassungsraten in den Top-Firmen einhergehen.

Top 3 Länder: Polen, Ungarn und Rumänien

Das Ranking reiht die Länder nach der Anzahl der nationalen Unternehmen, die es unter die Top 500 der Region geschafft haben. Die meisten Top-Firmen der CEE-Region – mehr als ein Drittel – stammen auch 2012 aus Polen (171 Firmen, 34,2%). Damit konnte Polen seine Führung ausbauen, da 2011 nur 31,8% der Firmen auf der Liste aus diesem Land kamen. Die polnischen Top-Firmen generierten einen Umsatz von 234 Milliarden Euro – das ist ein Anstieg um +6% verglichen mit dem letzten Jahr. Die Big Player aus Polen mussten allerdings in Punkto Nettogewinn erstmals einen großen Rückgang im Ausmaß von -30% hinnehmen (2012: 8.460 Millionen EUR; 2011: 12.014 Millionen EUR). Das Wirtschaftswachstum des Landes hat sich – nachdem es im Jahr 2011 die EU-weit höchste Rate zeigte – im Vorjahr stark eingebremst, während gleichzeitig die Insolvenzen einen Rekordstand erreichten.

Den zweiten Platz im CEE Top 500-Ranking nimmt Ungarn mit 66 Unternehmen ein. Das Land belegte 2011 den dritten Platz und konnte damit einen Platz gutmachen, obwohl die wirtschaftliche Situation mit einem sinkenden BIP (-1,7%) durchwachsen ist und der Nettogewinn der im Ranking abgebildeten Top-Firmen auch in Ungarn stark zurückging – um -27,5%. Der Umsatz dieser Unternehmen stieg jedoch im Vergleich zum Vorjahr um +2,2% auf 89 Milliarden Euro.

Zum ersten Mal schafft es Rumänien mit einem Sprung vom fünften auf den dritten Platz unter die Top 3-Länder und verdrängt damit die Ukraine von ihrem Stockerlplatz. Die Anzahl der rumänischen Top-Betriebe in der Wertung ist um +22,7% gestiegen und liegt nun bei 54 Firmen, die einen Umsatz von 48 Milliarden EUR erwirtschafteten (+10,8% im Vorjahresvergleich). Auch beim Nettogewinn können die rumänischen Unternehmen ein deutliches Wachstum in der Höhe von +37,7% vorweisen.

Die Ukraine, die 2011 den zweiten Platz belegte, verlor durch die schwache Performance der Unternehmen ihren Platz unter den Top 3: Von 75 ukrainischen Unternehmen, die es 2011 unter die Top 500 der Region geschafft haben, sind 28 wegen ihren schlechten Zahlen aus dem Ranking gefallen.

Gewinner und Verlierer

Die meisten Unternehmen der CEE Top 500 stammen aus dem Öl- und Gassektor: 65 Firmen erwirtschafteten einen Gewinn von 162 Milliarden EUR (+6%). Aber auch dieser Sektor durchlebte ein schwieriges Jahr 2012 und musste beim Nettogewinn Einbußen von -34,6% hinnehmen.

Der Sektor Energieversorgung belegt weit abgeschlagen den zweiten Platz. Die 51 Unternehmen im Ranking erreichten nicht einmal die Hälfte des Umsatzes des erstplatzierten Öl- und Gassektors (76 Milliarden EUR). Die durchschnittliche Wachstumsrate im Sektor ist zwar vielversprechend (+11%), dennoch reagierten die Unternehmen auf die rezessionsbedingt verknappte Energienachfrage mit Personalabbau (-12,9%) und mussten einen scharfen Einbruch beim Gewinn hinnehmen.

Der Automobilsektor schaffte es 2012 unter die Top 3 im Branchenvergleich: 42 Unternehmen erwirtschafteten 63 Milliarden EUR Umsatz, wobei die größten Anteile aus der Tschechischen Republik und der Slowakei stammen (erwähnt seien hier Skoda Auto S.S., Volkswagen Slovakia, KIA Motors). Im Automobilsektor finden sich auch manche Top-Performer dieser Studie, zum Beispiel Mercedes Benz Manufacturing Ungarn oder Ford Rumänien. Obwohl der Nettogewinn um -33% sank, stellten die Firmen in diesem Sektor zusätzlich 6.500 Personen an.

Während nur wenige Branchen ein Umsatzwachstum verzeichneten – Autohandel, Nahrungsmittelindustrie und Großhandel – zeigten viele Branchen einen negativen Trend innerhalb des Top 500-Rankings: Bauwesen, Elektronik, Metallindustrie, Bergbau und Telekommunikation. Das Bauwesen ist erfahrungsgemäß von konjunkturellen Abschwüngen am stärksten betroffen: Die sieben Unternehmen dieses Sektors, die unter den gewerteten Top 500-Unternehmen sind, verzeichneten im Jahr 2012 einen Umsatzrückgang von -9% und bauten 8% ihrer Mitarbeiter ab. Außerdem stammen die größten Insolvenzen der Region Zentral- und Osteuropa vorwiegend aus dem Bausektor.

CEE: Die Wirtschaft kämpft immer noch, die Region ist heterogener als je zuvor

In allen Ländern Zentral- und Osteuropas kann eine durchwachsene Entwicklung mit einer jährlichen Wachstumsrate von +1,2% beobachtet werden – verglichen mit einer Wachstumsrate von +5% im globalen Durchschnitt der Schwellenländer. Seit 2011 hat sich die Insolvenzrate verdreifacht und 2013 ist ein weiterer Anstieg zu erwarten.

Bei genauer Betrachtung erscheinen die Länder der Region heterogener als je zuvor: Während manche noch mit der Rezession kämpfen und unter negativer BIP-Entwicklung leiden, weisen andere ein stabiles Wirtschaftswachstum auf. Das BIP pro Kopf beträgt unter 3.000 EUR in der Ukraine und über 17.000 EUR in Slowenien. Manche Länder – wie die Tschechische Republik – sind schwer von der Rezession in der Eurozone betroffen. Andere wie Estland können sich über ansehnliche Wachstumsraten freuen. Die Insolvenzraten stiegen in Bulgarien und Kroatien dramatisch an, während in Estland und Litauen das Gegenteil der Fall ist.

Katarzyna Kompowska, Executive Manager Coface Central Europe, ist dennoch zuversichtlich, was die Entwicklung der CEE-Region betrifft: „Auch wenn die wirtschaftliche Situation volatil und komplex sein mag, bleibt, Emerging Europe‘ die Region mit dem größten Wachstumspotenzial in Europa. Um die hier vorhandenen Chancen zu nutzen ist es aber in der aktuellen Situation besonders wichtig, die unterschiedlichen Märkte gut zu kennen und laufend zu analysieren.“

Um dieser Situation noch besser gerecht zu werden, beschäftigt Coface seit September einen neuen Chef-Ökonomen für Zentraleuropa, dessen Aufgabe die kontinuierliche Analyse der Entwicklungen in der Region ist. Seine Studien zur Situation werden den Stakeholdern noch tiefere Einblicke gewähren.

 

Über die Methode:

Coface hat die größten Unternehmen (ab einem Umsatz von 120 Mio. Euro) der Region Zentral- und Osteuropa ermittelt, wobei Finanzdienstleister wie z. B. Banken, Versicherungen, Leasinggesellschaften oder Börsenmakler nicht berücksichtigt wurden. Neben dem Umsatz beinhaltet das Ranking der CEE Top 500 andere wichtige Unternehmenskennzahlen, darunter den Net-Profit, die Anzahl der Beschäftigten und die jeweiligen Veränderungen zum Vorjahr. Umsatz und Gewinn wurden basierend auf dem Wechselkurs zum Jahresende 2012 in Euro umgerechnet. Die Daten stammen aus unseren Datenbanken und werden bei Bedarf um externe Informationen ergänzt. Firmen, die eingeladen wurden bei der Studie teilzunehmen und ablehnten, sind nicht im finalen Ranking inkludiert.

Presseveröffentlichung herunterladen : Coface CEE Top 500: Top-Unternehmen mit starken Gewinneinbrüchen trot... (57,98 kB)

Kontakt


Susanne KRÖNES

Pressekontakt
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Tel: +43 (0) 1 515 54 512
Email: susanne.kroenes@coface.com

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