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18.07.2013
Länder- und Branchenbewertungen

Brasiliens Wirtschaft in Not: Kann das Ruder herumgerissen werden?

Brasiliens Wirtschaft in Not: Kann das Ruder herumgerissen werden?

Brasilien, das Musterland unter den Schwellenländern, bestand den Test der großen Krise von 2009 mit Bravour. Nun, vier Jahre später, zeigen die gesellschaftlichen Proteste das Scheitern des Wachstumsmodells auf. Auch wenn die Ungleichheiten sinken, sind sie dennoch auf einem signifikanten Niveau. Wegen der angespannten Lage am Arbeitsmarkt und den großen Schwächen in der Infrastruktur ist der berühmt-berüchtigte ständige Kostenanstieg (“Brazil cost“) zu einer schweren Belastung für die Wirtschaft geworden.

 

Strukturelle Schwächen als heißes Thema

Das konsumgetriebene Wachstumsmodell Brasiliens ist zusammengebrochen. Das Land findet sich in einer paradoxen Situation wieder:Es hat mit weniger als drei Prozent das schwächste Wachstum der BRIC-Länder, die zusammen im Schnitt auf 4,8 Prozent kommen. Zugleich steckt es in einer anhaltenden Inflation.

Diese Stagnation ist einer der Gründe für die derzeitigen sozialen Unruhen.Sie hat ihre Ursache mehr in den stetig steigenden Produktions- und Lebenshaltungskosten als in der Geldpolitik. Viele Strukturprobleme treten jetzt akut zutage:der Druck auf den Arbeitsmarkt, die enttäuschende Produktivität, der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, der signifikante Anstieg der Lohn-Stückkosten, die Infrastruktur kämpft, um mithalten zu können.

“Das Hilfsmittel gegen die brasilianische Stagflation kann nicht in der Wirtschaftspolitik, sondern in Schul-, Gesundheits- und Infrastrukturreformen gefunden werden. Das fordert auch die aufgebrachte Mittelschicht. Sie gibt sich nicht länger mit bloßen Konsumphilosophien zufrieden. Auch wenn Präsidentin Dilma Rousseff erklärt, dass sie auf die Situation reagieren wird, werden sich Resultate nur langfristig zeigen“, sagt Yves Zlotowski, Chef-Ökonom von Coface.

Trotz Schwierigkeiten bleibt Brasilien für Unternehmen attraktiv

Das langsame Wachstum und hohe Zinsen belasten die brasilianischen Unternehmen.Sie haben zunehmend Probleme, ihre Schulden zu zahlen. Coface registriert das in einem starken Anstieg der Zahlungsanstände. Das Thema der „Brazil costs“ ist das Haupthindernis für verschiedene Sektoren:

  • Der steigende Lohndruck senkt die Wettbewerbsfähigkeit in der Chemieindustrie.
  • Energiekosten belasten die Stahlindustrie.
  • Das niedrige Bildungsniveau bei kleinen Agrar- und Lebensmittelproduzenten verhindert die Einführung neuer Technologien und den Zugang zu subventionierten Krediten.

Trotz dieser Schwächen ist Brasilien immer noch ein vielversprechender Markt. Coface stuft Brasilien in der Länderbewertung mit A3 ein – wie zum Beispiel auch China und Polen. Das Gefüge der brasilianischen Unternehmerwelt hat zwei wesentliche Vorteile: die starke Unterstützung durch die Behörden bis hin zu protektionistischen Elementen sowie Steuererleichterungen für anfällige Branchen. Zudem wird die Wirtschaft gestützt durch die anhaltende Nachfrage aus der Mittelschicht. Insbesondere der Automobilsektor, in dem die Investitionen hoch bleiben, und der Einzelhandel zeigen sich stabil.

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Susanne KRÖNES

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