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Polnische Zahlungsstudie 2026: anhaltendes Wirtschaftswachstum, mit stetig schlechterer Zahlungsdisziplin

Die polnische Zahlungsstudie 2026 von Coface zeigt ein widersprüchliches Bild: Trotz robusten Wirtschaftswachstums verschlechtert sich die Zahlungsdisziplin der Unternehmen deutlich. Längere Zahlungsziele, steigende Verzögerungen und zunehmender Wettbewerbsdruck – insbesondere aus China – prägen das wirtschaftliche Umfeld.

Eine „deutliche Verschlechterung des Zahlungsverhaltens“ zeigt die 10. polnische Zahlungsumfrage von Coface, die unter 326 Unternehmen durchgeführt wurde. Die durchschnittlichen Zahlungsverzögerungen stiegen auf 53 Tage und erreichen damit den höchsten Stand seit 2021. Diese negative Entwicklung steht im Gegensatz zur robusten wirtschaftlichen Dynamik Polens im Jahr 2025, mit 3,6-Prozent-BIP-Wachstum dank einer starken Binnennachfrage. Steigende Arbeitskosten, anhaltend hohe Zinsen sowie eine Rekordzahl an Unternehmensinsolvenzen (6.566 Fälle) belasteten jedoch die Unternehmen erheblich und führten zu einem schwierigeren Umfeld – trotz der Tatsache, dass Polen weiterhin zu den am schnellsten wachsenden großen Volkswirtschaften Europas zählt.

Die Zahlungsziele haben sich weiter verlängert: Der Durchschnitt stieg von 42,2 auf 54,1 Tage – der höchste Wert seit Beginn der Umfrage im Jahr 2017. Zwar stellen Unternehmen mit Zahlungszielen von unter 30 Tagen weiterhin den größten Anteil (35 Prozent), doch mittlere Zahlungsfristen (61–150 Tage) werden zunehmend häufiger. Die längsten Zahlungsziele finden sich in der Metallbranche (72 Tage), gefolgt von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) sowie dem Bausektor.

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Zahlungsverzögerungen: Verschlechterung der Disziplin

Die Zahlungsdisziplin hat sich in den meisten Branchen verschlechtert. Die längsten Verzögerungen verzeichnet derzeit der Metallsektor (64 Tage), die Agrar- und Lebensmittelindustrie (61 Tage) und der Bausektor (59 Tage). Der Anteil der Unternehmen ohne überfällige Forderungen sank deutlich von 14,6 Prozent auf 8,5 Prozent, während der Anteil jener mit überfälligen Forderungen von mehr als 20 Prozent des Umsatzes deutlich zunahm. 

Hinsichtlich der Eintreibungsmethoden bleiben internes Forderungsmanagement und Inkasso mit 38 Prozent der bevorzugte Ansatz, während der Einsatz externer Inkassodienstleister auf 34 Prozent gestiegen ist.  

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Zunehmender Wettbewerb aus China

Die diesjährige Umfrage richtet einen Fokus auf den wachsenden Einfluss chinesischer Wettbewerber: Die chinesischen Importe nach Polen stiegen 2025 um 11,4 Prozent, während die polnischen Exporte nach China um 7,5 Prozent zurückgingen.  

Besonders betroffen sind die Branchen Agrar- und Lebensmittelwirtschaft, Chemie sowie die Automobilindustrie. Der Automobilsektor gilt dabei als besonders prägnantes Beispiel, da chinesische Hersteller zunehmend hoch wettbewerbsfähige Produkte anbieten, insbesondere im Segment der Elektrofahrzeuge. Als häufigste Auswirkungen der zunehmenden Konkurrenz nennen die befragten Unternehmen einen steigenden Druck auf die Gewinnmargen (40 Prozent) sowie einen erhöhten Preisdruck (34 Prozent).

 

Ausblick 2026: Schrittweise Normalisierung und steigender Optimismus

Trotz dieser Herausforderungen blicken die befragten Unternehmen insgesamt positiv in die Zukunft: 48 Prozent erwarten eine Verbesserung der Geschäftstätigkeit, während nur 8 Prozent mit einer Verschlechterung rechnen. Die Studie prognostiziert für 2026 ein beschleunigtes Wachstum des polnischen BIP auf 3,8 Prozent, getragen von der Nutzung von EU-Mitteln und nachlassendem Kostendruck. Vor diesem Hintergrund hat Coface das Länderrisiko Polens auf A3 angehoben.

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