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Compliance & Reputation: In 6 Schritten Risiken steuern und Partner effektiv überwachen

Sanktionen, finanzielle Verluste und Reputationsschäden: Compliance ist längst keine rein regulatorische Formalität mehr, sondern ein konkretes Geschäftsrisiko, das engmaschig kontrolliert werden muss. Strategien, Frühwarnsignale, typische Fehler: Unsere Experten erläutern, wie Sie die tägliche Überwachung Ihrer Kunden und Lieferanten stärken, Entscheidungen absichern und Ihr Unternehmen schützen.

Handelsrisiken: Wenn Compliance nicht mehr nur eine einfache „Überprüfung“ ist

Heute beschränkt sich Compliance nicht mehr auf das Abhaken einer Checkliste bei der Aufnahme neuer Kunden oder Lieferanten. In einem globalisierten Markt und angesichts zunehmend strengerer internationaler Regelungen ist Compliance untrennbar mit Handelsrisiken verknüpft. Vor dem Hintergrund dieses strategischen Reputationsrisikos dient Compliance als Schutzschild, das Ihr Unternehmen vor regulatorischen Sanktionen, Reputationsschäden und kostspieligen Fehlern bewahrt.

Bei Verstößen gegen regulatorische Vorgaben sind Unternehmen direkten finanziellen Verlusten ausgesetzt: Bußgelder, blockierte Zahlungen, Vertragskündigungen. Darüber hinaus drohen langfristige Kosten: Reputationsschäden untergraben das Vertrauen von Kunden, Banken und Partnern. Das geopolitische Umfeld und sich ständig wandelnde Vorschriften machen dieses Risiko zu einer täglichen Herausforderung, auch für Unternehmen mit primär nationaler Ausrichtung.

Die beteiligten Rollen reichen heute weit über Compliance-Expert:innen hinaus: Einkauf, Kreditmanagement, Risikomanagement, Onboarding neuer Kunden oder Lieferanten, Treasury. Jede Einheit, die einen Drittpartner freigibt, kann das Unternehmen unbeabsichtigt Risiken aussetzen. Dazu gehören schwer erkennbare Faktoren wie verdeckte Eigentumsverhältnisse, sanktionierte oder indirekt sanktionierte Organisationen sowie Hinweise auf finanzielle Instabilität oder drohende Insolvenz.

Aktuelle Beispiele sprechen für sich:

  • 2024 wurde GBA Capital mit über 250 Millionen US‑Dollar sanktioniert, weil bei der Aufnahme eines Kunden Verbindungen zur russischen Regierung nicht erkannt wurden.
  • Die britische Anwaltskanzlei Taylor Vinters wurde 2017 zu einer Geldstrafe von 172.000 £ verurteilt. Sie hatte versäumt festzustellen, dass der wirtschaftliche Eigentümer ihres Mandanten in einem anderen Land eine politisch exponierte Person (PEP) war. Zudem hatte sie keine eingehenden Prüfungen durchgeführt, darunter auch keine Überprüfung der Herkunft der Gelder.

Neben den finanziellen Konsequenzen litten beide Organisationen unter erheblichen Reputationsschäden.

Compliance geht weit über die finanzielle Stabilität Ihrer Partner hinaus. Sie ist zu einem geschäftskritischen Thema geworden, das Unternehmen Sanktionen aussetzt und ihre Reputation gefährden kann. Bestimmte Informationen wie Eigentumsverhältnisse oder die Struktur komplexer Unternehmensnetzwerke sind schwer zugänglich und häufig wenig transparent.

 

Das geopolitische Umfeld verändert sich fortlaufend, und ohne geeignete Screening- und Analysewerkzeuge wird es schwierig, Schritt zu halten. Daher ist eine solide Due Diligence sowie der Einsatz leistungsfähiger, umfassender Lösungen für den Schutz Ihres Unternehmens unverzichtbar.

Felipe Henao Brand, Go-to-Market Director bei Coface Business Information.

 

Schwache Signale, verdeckte Risiken: 6 Ansätze zur Verbesserung Ihrer Überwachung

Angesichts täglich neuer Sanktionen und zunehmend undurchsichtiger Eigentumsstrukturen ist die Stärkung der Due-Diligence-Prozesse (KYC, KYB, KYS) bei Kunden und Lieferanten kein Luxus mehr, sondern eine strategische Notwendigkeit. Ziel ist nicht mehr nur das reine Filtern, sondern das frühzeitige Erkennen von Risiken, eine bessere Dokumentation und fundiertere Entscheidungen.

In vielen Fällen konzentrieren sich Compliance-Teams auf Standard-Sanktionslisten oder führen manuelle, zeitintensive und fehleranfällige Prüfungen durch. Doch in der B2B-Praxis treten Compliance-Risiken selten dramatisch zutage. Sie verbergen sich in Details und äußern sich zunächst als schwache Signale:

  • vergessene Tochtergesellschaften
  • schwer identifizierbare wirtschaftlich Berechtigte
  • indirekte Verbindungen zu politisch exponierten Personen
  • verdeckte Beteiligungen an sanktionierten Unternehmen.

Ohne eine vollständige und aktuelle Übersicht bleiben diese Warnzeichen oft unentdeckt, bis es zu spät ist. Genau deshalb müssen Ihre Prüfprozesse strukturiert, vollständig, gut ausgestattet sein und zum täglichen Bestandteil Ihrer Abläufe werden.

 

1 – Erweitern Sie den Umfang Ihrer Prüfungen

Die ausschließliche Nutzung einer offiziellen Sanktionsliste ist nicht ausreichend: Neben deren Umfang und Aktualität liegt das eigentliche Risiko in impliziten Sanktionen. Eine Einheit kann sanktioniert sein, ohne namentlich auf einer Liste zu erscheinen, etwa aufgrund ihrer Eigentümerstruktur (z. B. OFAC‑50‑Prozent‑Regel). Genau solche Risiken werden bei manuellen Prüfungen häufig übersehen.

Offizielle Listen (OFAC, EU, UN usw.) sind essenziell, decken aber nur einen Teil des Risikos ab. Daher ist es notwendig, sowohl explizite als auch implizite Sanktionen zu prüfen. Letztere basierend auf wirtschaftlich Berechtigten (UBO) und Erweiterungsregeln wie der 50‑Prozent‑Regel.

Implizite oder narrative Sanktionen gelten für Unternehmen, die nicht namentlich gelistet sind, aber aufgrund ihrer Eigentümerstruktur als sanktioniert gelten. Es gibt hierfür keine offizielle Liste; diese Informationen müssen durch detaillierte Recherchen ermittelt werden.

 Alexander Tame, Senior Channel Partner Manager bei der LSEG Group.

Um diese Risiken sichtbar zu machen, benötigen Sie Lösungen, die vollständige Eigentümerkettendaten analysieren und ein Modul für implizite Sanktionen enthalten.

 

2 – Daten strukturieren: Fehlalarme reduzieren, Wachsamkeit bewahren

Effektives Screening basiert auf zuverlässigen, strukturierten Daten. Um Fehlalarme zu reduzieren und dennoch entscheidende Details nicht zu übersehen, benötigen Sie angereicherte Datenbanken mit Zusatzidentifikatoren wie:

  • Geburtsdaten
  • Identifikationsnummern
  • Aliasnamen
  • Adressen
  • exakten Berufsbezeichnungen

Dies ermöglicht eine präzise Identifikation geprüfter Drittparteien und macht den Prozess gleichzeitig schneller und verlässlicher.

 

3 – Negative Medien: Reputation gezielt berücksichtigen

Die Überwachung internationaler Sanktionen und politisch exponierter Personen allein genügt nicht. Ein Partner kann auch ohne formale Sanktion erhebliche Reputationsrisiken bergen, etwa bei laufenden Ermittlungen wegen Korruption, Geldwäsche, Betrug oder kriminellen Aktivitäten.

Aktivieren Sie stets das Modul für negative Medien und wählen Sie Anbieter, die unzuverlässige Quellen wie soziale Netzwerke oder Blogs ausschließen. Diese Informationen ergänzen die Risikobewertung, insbesondere wenn finanzielle Indikatoren nicht ausreichen.

 

4 – Das gesamte Netzwerk von Geschäftsbeziehungen ganzheitlich erfassen

Für eine fundierte Bewertung reicht die reine Analyse eines Unternehmens nicht aus. Entscheidend sind seine Beziehungen, Eigentümer und geschäftlichen Interaktionen. Beispiel: Ein Unternehmen entdeckte Monate später eine direkte Verbindung eines Partners zu einer stark sanktionierten Einheit. Die ursprüngliche Einheit hatte zunächst keinerlei erkennbare Warnsignale geliefert.

Verwenden Sie daher ein Tool, das ein vollständiges und aktuelles Mapping von Geschäftsbeziehungen bietet und innerhalb von Sekunden Erkenntnisse liefert, die manuell Stunden erfordern würden.

 

5 – Entscheidungen dokumentieren, kontinuierlich überwachen

Ein heute unkritischer Partner kann morgen ein Risiko darstellen. Daher müssen Entscheidungen systematisch dokumentiert und eine kontinuierliche Überwachung eingerichtet werden. Unterteilen Sie Partner je nach Risiko – etwa Basisprüfungen für alle, erweiterte Due Diligence je nach Beträgen, Risiken oder Ländern sowie priorisierte Überwachung für kritische Partner.

 

6 – Finance + Compliance: volle Nachvollziehbarkeit

Compliance ersetzt keine finanzielle Analyse, sondern ergänzt sie. Für schnelle, fundierte Entscheidungen benötigen Teams eine gemeinsame Informationsbasis. In vielen Unternehmen arbeiten Einkauf, Risiko, Kredit und Compliance in Silos. Ein einheitliches Tool verhindert Blindflecken.

Durch die Verknüpfung von Systemen entsteht vollständige Nachvollziehbarkeit, die Entscheidungen erleichtert. Eine Plattform für Risikodaten, Beziehungsnetzwerke, Dokumentation und Monitoring schafft einen robusten, einheitlichen Prozess.

Um diese Herausforderungen zu adressieren, hat Coface eine Partnerschaft mit LSEG geschlossen. Nutzer von Urba360 erhalten direkten Zugriff auf Compliance-Informationen wie PEPs, Sanktionen, regulatorische Maßnahmen und negative Medien.

Der Urba360 Score zeigt die finanzielle Stabilität und die Ausfallwahrscheinlichkeit über 12 Monate auf einer Skala von 0 bis 10. Grundlage dafür sind Finanzdaten, Zahlungsverhalten, Branchen- und Wirtschaftsdaten sowie die internationale Expertise von Coface.
Das Ergebnis: finanzielle Risikobewertung und Compliance werden in einem einzigen Entscheidungsprozess vereint.

Die Kombination von Finanzrisikoanalyse und Compliance-Prüfung liefert Ihnen eine Reihe äußerst leistungsstarker Werkzeuge. Damit treffen Sie bessere Entscheidungen und optimieren Ihre Prozesse.

Felipe Henao Brand, Go-to-Market Director bei Coface Business Information.

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