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07.06.2017
Länder- und Branchenbewertungen

Brexit: Grossbritannien bleibt trotz Schocks attraktiv für Geschäfte

Brexit: Großbritannien bleibt trotz Schocks attraktiv für Geschäfte
  • Wirtschaft zeigt sich nach Referendum weitgehend stabil, aber Investitionen lassen erkennbar nach
  • Gebremstes Wachstum (1,4% 2017 und 1,2% 2018) wird zu mehr Insolvenzen führen: plus 8,7% (2017) und plus 8% (2018)
  • Rückgang der Migration aus EU-Ländern bremst Wachstum um 0,3 Punkte bei weichem Brexit und um 0,6 Punkte bei hartem Brexit
  • Geschäfte werden weniger attraktiv, aber Vergünstigungen für Investoren zu erwarten

 

Britische Wirtschaft zeigt sich widerstandsfähig. Bei den Unternehmen wird sich die Abwarte-Haltung aber verstärken, wohl auch in der Verhandlungsphase mit der EU

Ein Jahr nach der Brexit-Abstimmung zeigt sich die britische Wirtschaft recht stabil. Sie wird gestützt vom privaten Konsum (plus 2,6 % in 2016), günstigen Kreditkonditionen und der starken globalen Nachfrage. Im letzten Quartal 2016 stiegen die Unternehmensgewinne auf über 105 Milliarden Pfund Sterling und damit auf ein Allzeit-Hoch. Die Zuversicht ist wieder erkennbar gestiegen, besonders unter KMU, nachdem sie unmittelbar nach dem Referendum gesunken war. Der Wertverlust des Pfund, das sichtbarste Zeichen des bevorstehenden Ausstiegs aus der EU, nützt dem Export, wobei die Vorteile der Preis-Wettbewerbsfähigkeit insgesamt schwach ausgeprägt bleiben.

Trotz dieser günstigen Bedingungen und trotz der hohen Profite zeigen die Ungewissheiten bezüglich des Ausganges der Verhandlungen mit der EU Auswirkungen auf die Investitionen. Sie lagen mit 8,8 Prozent des BIP 2016 auf dem niedrigsten Stand seit der Wirtschaftskrise 2008. Diese Entwicklung dürfte sich bis April 2019 verstärken. Am stärksten betroffen dürften Branchen sein, in denen Investitionen besonders kostenintensiv sind: Metallverarbeitung, Automobil, Bau.

Die Verhandlungsphase wird für die britische Wirtschaft zu einer harten Belastungsprobe. Die steigende Inflation bremst die Kauflaune der Konsumenten und damit den Einzelhandel. Coface hat die Branche im März 2017 von „mittleres“ in „hohes Risiko“ herabgestuft. Auch die Automobilbranche wird die Zurückhaltung zu spüren bekommen, wenn auch weniger intensiv, Sie wird zudem gestützt durch den Export. Alles in allem werden die Gewinne der Unternehmen zurückgehen, die von steigenden Kosten durch die Währungsabwertung betroffen sind. In diesem Kontext und bei einem gebremsten Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent 2017 und 1,2 Prozent 2018 erwartet Coface mehr Insolvenzen in Großbritannien: plus 8,7 Prozent in diesem Jahr und plus 8 Prozent 2018.

 

Geringere Attraktivität, restriktivere Handels- und Migrationspolitik: Unternehmen müssen sich an veränderte Spielregeln anpassen

Nach dem Verlassen der EU wird Protektionismus auf die Handelspolitik wirken, besonders dann, wenn es zu einem harten Brexit kommt. Dann werden Zoll- und andere Barrieren höher. Laut OECD könnte Großbritannien dann bis 2030 7,5 Prozent des BIP einbüßen, bei einem weichen Brexit wären es 5 Prozent.

Der Einbruch im Handel könnte zu Arbeitsplatzverlusten in einigen Branchen führen, verstärkt durch restriktivere Einwanderungsbestimmungen. Coface hält einen weichen Brexit für wahrscheinlich und erwartet einen Rückgang der Einwanderungen um ein Drittel sowie einen Rückgang des Wachstums um 0,3 Prozent in 2019. Bei einem Einwanderungsrückgang um zwei Drittel würde das BIP um 0,6 Prozent zurückgehen. Besonders betroffen wären Branchen mit einem hohen Anteil an gut ausgebildeten Mitarbeitern aus EU-Ländern wie das verarbeitende Gewerbe, Großhandel. Einzelhandel, Transport, Kommunikation und Finanzdienstleistungen.

Unabhängig von einer harten oder weichen Trennung wirkt sich der Ausstieg aus der EU auf die Attraktivität des Landes für Investoren aus. Derzeit ist Großbritannien die erste Adresse für FDI in Europa. Investitionen fließen vor allem in den Finanzsektor, in die Informations- und Kommunikationsbranchen, gefolgt von Transport und Logistik. Der Brexit wird Investitionen und damit auch Innovationen und Forschung und Entwicklung bremsen.

So müssen die Unternehmen ihre Strategien neu ausrichten. Einige werden dies auch in Bezug auf ihre Branchenausrichtung und ihren Präsenzen tun. Verlagerungen nach Deutschland, Frankreich, Irland oder die Niederlande sind zu erwarten. Dennoch hebelt der Brexit nicht die strukturelle Attraktivität Großbritanniens aus. Wichtige Faktoren bleiben bestehen: Transparenz, gute Governance, unternehmensfreundliche Umweltpolitik, differenzierter und flexibler Arbeitsmarkt. Auch das günstige Steuersystem wird kaum gefährdet sein, im Gegenteil: Bis 2020 wird der Steuersatz von jetzt 20 Prozent auf 17 Prozent gesenkt.

 

 

 

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