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06.06.2019
Länder- und Branchenbewertungen

Vom Nachahmer zum Vorreiter: Chinas 5G-Ambitionen

Vom Nachahmer zum Vorreiter: Chinas 5G-Ambitionen

China hat seine Strategie für die Mobilfunktechnik 5G koordiniert und ist damit durchaus erfolgreich. Allerdings ist China nach wie vor auf Importe angewiesen, insbesondere bei hochwertigen Produkten. Damit bleibt der Sektor protektionistischen Bedrohungen ausgesetzt, wie aktuell die US-Maßnahmen gegen Huawei zeigen. Darüber hinaus wird der Einsatz von 5G-Netzen durch chinesische Unternehmen in vielen Empfängerländern als Sicherheitsrisiko wahrgenommen.

 

Der frühe Vogel fängt den Wurm

Nachdem die chinesische Regierung im Zeitalter von 3G und 4G den Rückstand aufholen musste, hat sie früh besonderes Augenmerk auf die Entwicklung der 5G-Technologie gelegt. Eine Fördergruppe soll alle Akteure der Branche zusammenzubringen, Synergien schaffen und die Zusammenarbeit verbessern. Sie hat auch Investitionen in diesem Sektor unterstützt, insbesondere durch die Einrichtung des National Integrated Circuit Industry Investment Fund im Jahr 2014. Ziel ist es, dass die heimische Chipindustrie von 65 Milliarden US-Dollar im Jahr 2016 auf 305 Milliarden US-Dollar im Jahr 2030 wächst. In diesem unterstützenden politischen Rahmen konnten chinesische Unternehmen die Forschung und Entwicklung im privaten Sektor schnell steigern.

Chinas koordinierter Ansatz zur Förderung von 5G wird vielen chinesischen Unternehmen helfen, vom Vorreiter-Vorteil des Landes zu profitieren. Es wird geschätzt, dass 40 Prozent der Patente für die aktuellen 5G-Netzwerkstandards von chinesischen Unternehmen stammen. Huawei ist weltweit führend bei Netzwerkinfrastrukturen und hält derzeit 29 Prozent dieses Marktes. Darüber hinaus wird erwartet, dass 5G einen Zyklus auslöst, in dem Smartphones ausgetauscht werden. Drei der fünf weltweit führenden Anbieter sind Chinesen: Huawei, Xiaomi und Oppo. Laut der China Academy of Information and Communications Technology (CAICT) könnte der 5G-Markt 3,2 Prozent des chinesischen BIP ausmachen, was bis 2025 166 Milliarden US-Dollar entspräche.

 

Chinas 5G-Ambitionen stehen vor Herausforderungen

 1) Protektionismus im Rahmen des USA-China Handelsstreits

Im sich ausbreitenden Handelsstreit zwischen den USA und China spielen Zölle auf Elektronik eine große Rolle. 51 Prozent der chinesischen Importe im Wert von 200 Milliarden US-Dollar, auf die 25 Prozent Zoll erhoben werden, sind Elektronikwaren, davon 23,5 Prozent Mobiltelefone. Die US-Zölle verschlechtern die Handelsbedingungen für chinesische Exporte gegenüber ihrem größten Markt. Dies motiviert US-Unternehmen und Verbraucher, die Nachfrage weg von China zu diversifizieren. Außerdem sind chinesische 5G-Technologiefirmen nach wie vor auf den Import von Schlüsselkomponenten angewiesen. Dadurch sind chinesische Unternehmen Supply-Chain-Risiken ausgesetzt. Und im Mai 2019 kündigten die USA an, dass sie Huawei und seinen Tochtergesellschaften verbieten würden, Teile und Komponenten von US-Unternehmen ohne Zustimmung der US-Regierung zu kaufen. Dies könnte zu großen Störungen in der Lieferkette von Huawei führen, da 2018 rund 16 Prozent der Komponenten von US-Unternehmen stammen.

2) Risiko Cybersicherheit

Der Einsatz von 5G-Netzen durch chinesische Unternehmen wird von vielen potenziellen Empfängerländern als Sicherheitsrisiko wahrgenommen. Eine Reihe von Ländern, angeführt von den USA, argumentieren, dass die Nutzung der 5G-Netzwerkinfrastruktur von Huawei eine Bedrohung darstellt, da die chinesische Regierung durch Hintertüren Zugang zu sensiblen Daten über ausländische Unternehmen und Verbraucher bekommen könnte. Die Erfüllung von Sicherheits- und Transparenzgarantien ist eine große Herausforderung für Huawei und alle chinesischen Technologieunternehmen.

 3) Grenzen der Technologie

Es wird Jahre dauern, bis einheitliche 5G-Netze vorhanden sind. Die GSM Association prognostiziert, dass bis 2025 nur 14 Prozent aller Verbindungen mit 5G betrieben werden. Bis 5G der neue Telekommunikationsstandard ist, ist es noch ein langer Weg.

 „China hat sich schnell zu einem großen Player in der 5G-Technologie entwickelt, ist aber nach wie vor auf Importe von hochwertigen Produkten angewiesen. Damit ist der Sektor protektionistischen Bedrohungen ausgesetzt",sagt Pauline Weil, Junior Economist bei Coface.„5G erhält derzeit viel Aufmerksamkeit aus politischen Gründen, aber das Verbot chinesischer Unternehmen reduziert die Wettbewerbsfähigkeit in diesem Sektor insgesamt, was es zu einer kostspieligen Entscheidung macht, die zwangsläufig mit den Interessen privater Betreiber kollidiert", sagt Carlos Casanova, Coface Economist für Asien-Pazifik.

Presseveröffentlichung herunterladen : Vom Nachahmer zum Vorreiter: Chinas 5G-Ambitionen (354,62 kB)

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