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26.11.2018
Länder- und Branchenbewertungen

Coface: KMU in China unter Druck

Coface KMU China

Handelskrieg und schlechte Finanzierungsbedingungen fordern Chinesischen Mittelstand

„Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) geraten in China Zusehens unter Druck. Obwohl die chinesische Wirtschaft oftmals ausschließlich mit Großkonzernen assoziiert wird, bilden die KMU dennoch das Rückgrat der chinesischen Wirtschaft. Daher müssten wir ihre Situation im Auge behalten“, erklärt Michael Tawrowsky, Country Manager von Coface in Österreich anlässlich der jüngsten Coface-Veröffentlichung zur aktuellen wirtschaftlichen Situation in China. KMU machen 97 Prozent der Unternehmen Chinas aus. Sie erwirtschaften 60 Prozent des BIP und stellen 80 Prozent der Arbeitsplätze in den Städten. „Der schwelende Handelskrieg mit den USA und die sich drastisch verschlechternden Finanzierungsbedingungen machen den KMU aktuell das Überleben nicht leicht. Angesichts ihrer Bedeutung für die chinesische Wirtschaft ist davon auszugehen, dass die Politik Schritte unternimmt, um die KMUs nicht aufs Abstellgleis geraten zu lassen“, erläutert Tawrowsky. „Finanzpolitische Anreize, eine vorsichtige und realistische Regulierung der Schattenbanken und marktkonforme Zinsen sowie Anreize für adäquates Risikomanagement könnten die Situation entschärfen“, meint Tawrowsky.

 

Die verarbeitenden Gewerbe sind in China besonders stark von kleinen und mittelständischen Unternehmen geprägt. In diesem Sektor sind bereits einige Bereiche von den US-Zöllen im Handelsstreit zwischen den USA und China betroffen. Die Unternehmen bekommen Probleme, die steigenden Kosten zu kompensieren, was wiederum zu höheren Kreditrisiken führt. Ebenso stehen viele Unternehmen im Groß- und im Einzelhandel vor dem Problem steigender Kosten, die auf die Gewinne drücken. Zugleich müssen die Firmen mit einem restriktiveren Finanzierungsumfeld zurechtkommen.

 

Verschuldung ist Wachstumsrisiko

Die hohe Verschuldung und Fehlleitungen von Kapital sind zu Risiken für das Wachstum der Wirtschaft geworden. Die Politik ist sich dessen bewusst. Seit dem ersten Halbjahr 2018 hält die Regierung Unternehmen dazu an, sich von riskanten alternativen Finanzierungen über so genannte Schattenbanken zu lösen. Die sind allerdings eine bedeutende Finanzierungsquelle für die chinesischen KMUs. Ein hartes Durchgreifen gegen diese Form der Finanzierung hätte einschneidende Folgen für ohnehin angeschlagene Firmen. Nur noch 20 Prozent der Kredite von Banken gingen im ersten Halbjahr 2018 an KMU. In den ersten sechs Monaten des Vorjahres waren es noch 30 Prozent. Der Risikoappetit der Banken ist gering.

 

Die Politik in Peking hat die striktere Finanzpolitik zwar wieder etwas gelockert und die Regulierer bestätigen ihre Unterstützung für die kleinen und mittelständischen Unternehmen. „Dies reicht aber nicht aus, um die Unsicherheit in diesem wichtigen Wirtschaftssegment zu beseitigen, da die Banken wahrscheinlich an ihrer Kreditvergabepolitik gegenüber privaten Unternehmen mit schwachen Sicherheiten festhalten werden“, erwartet Tawrowsky. Hinzu kommen Vergaberestriktionen an Unternehmen, die mit Partnern in den USA Geschäfte machen. Nach Ansicht von den Coface-Experten würde ein etwas weniger scharfer Blick auf die Schattenbanken vorübergehend helfen, Druck von den KMUs zu nehmen, denn diese Institute liefern, was der offizielle Bankensektor nicht leistet. Ein Schritt in Richtung flexiblere Zinsen würde zusätzlich helfen, Hürden zu überwinden, die sich vor den KMU aufgebaut haben und deren externe Finanzierung erschweren.

Presseveröffentlichung herunterladen : Coface: KMU in China unter Druck (255,45 kB)

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