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08.02.2017
Länder- und Branchenbewertungen

Zahlungsstudie Polen: Verzögerungen weit verbreitet

Zahlungsstudie Polen: Verzögerungen weit verbreitet

Die jüngste Studie zu den Zahlungserfahrungen polnischer Unternehmen bestätigt, dass Lieferungen auf Zahlungsziel und damit der Lieferantenkredit intensiv genutzt werden. Auch wenn Zahlungsfristen gesetzt werden, heißt das nicht, dass auch pünktlich bezahlt wird. Fast ein Viertel der polnischen Unternehmen berichtet in der Coface-Befragung von Überziehungen um drei und mehr Monate. Zwar scheinen die Außenstände in der Summe zu sinken, aber längst nicht in allen Branchen.

 

Die erste Studie dieser Art von Coface in Polen erfolgte in einer Phase, in der die Wirtschaft schleppend lief. Geringere EU-Zahlungen für ko-finanzierte Projekte und zunehmende Unsicherheiten bei den Unternehmen führten zu geringeren Investitionen. Das Gesamtwachstum leidet allerdings nicht gravierend darunter. Coface erwartet nach 2,7 Prozent im vergangen Jahr für 2017 eine Steigerung auf 3,1 Prozent.

 

Kurze Zahlungsziele, lange Verzögerungen

Geschäfte auf Zahlungsziel sind Usus in Polen. Zwar wenden die meisten Unternehmen Zahlungsziele bis 30 Tage an, tatsächlich aber wird viel später bezahlt. In den Branchen Transport, Metall und Bau werden längere Zahlungsziele vereinbart, während die Unternehmen in den Sektoren Textil-Bekleidung, Landwirtschaft/Lebensmittel und Einzelhandel am restriktivsten sind. Die Unternehmen in Polen sind sich des Ausfallrisikos durchaus bewusst. Die meisten der befragten Unternehmen wenden Regeln im Forderungsmanagement an. Am meisten verbreitet sind Informationen über die Finanzsituation der Geschäftspartner, die Beobachtung des Zahlungsverhaltens, Kreditversicherungen und Inkasso.

“Nicht nur der Lieferantenkredit ist mittlerweile Standard in Polen, leider sind es auch die Zahlungsverzögerungen“, erklärt Grzegorz Sielewicz, Coface-Economist für Mittel- und Osteuropa. „Die Mehrzahl der polnischen Unternehmen erleidet verspätete Zahlungseingänge. Am längsten müssen Unternehmen in der Transport- und in der Baubranche auf ihr Geld warten. In der Logistik sind es 84 Tage, am Bau 113 Tage Verspätung. Der Einzelhandel hingegen muss im Schnitt nur 19,3 Tage warten. Über alle Branchen betrachtet beträgt die Verzögerung im Durchschnitt 51,5 Tage.“

Zwei Drittel der Unternehmen berichten von Überziehungen bis zu 60 Tage. Auf der anderen Seite beklagt aber fast ein Viertel Verspätungen von mehr als drei Monaten. Nach Erfahrungswerten von Coface steigt das Risiko mit zunehmender Dauer. 80 Prozent der Forderungen werden nicht mehr vollständig beglichen, wenn die Frist um mehr als sechs Monate überschritten wurde. Vier Prozent der befragten polnischen Unternehmen haben solche Forderungen in ihren Büchern. Noch kritischer wird es, wenn diese Forderungen einen größeren Teil des Umsatzes ausmachen. Jedes fünfte Unternehmen gab an, dass solche lange ausstehenden Forderungen mehr als zehn Prozent ihres Umsatzes betreffen.

 

Verbesserungen in Sicht

Die Unternehmen sind durchaus optimistisch, was das Zahlungsverhalten angeht. Sie erwarten für 2017 einen besseren Geschäftsverlauf und damit einhergehend eine Stabilisierung oder gar Verbesserung der Zahlungen. Sie bewerten die Verlangsamung der Wirtschaft im vergangenen Jahr als vorübergehend. 40 Prozent sehen höhere Absatzzahlen für ihre Unternehmen in den nächsten sechs Monaten, 54 Prozent auch eine Verbesserung auf der Gewinnseite. Besonders der Einzelhandel und die Branchen Energie, Textil-Bekleidung und Automobil sind optimistisch. Auf der anderen Seite sind die Sektoren Transport, Metall, Informations- und Kommunikationstechnologie und Bau eher skeptisch, deren Unternehmen erwarten für das nächste halbe Jahr eher sinkende Umsätze.

Fast die Hälfte der befragten Unternehmen erwartet allerdings kurzfristig keine Veränderung beim Zahlungsverhalten ihrer Kunden. Eine leichte Mehrheit (29 Prozent) sieht Verschlechterungen, 22 Prozent erwarten Verbesserungen. So ist auch nach Branchen betrachtet die Erwartungshaltung unterschiedlich. Die meisten Baufirmen (55 Prozent) befürchten steigende Außenstände, nur 12 Prozent erwarten eine Verbesserung. Dies korrespondiert auch mit der Branchenbewertung von Coface. In Polen ist der Bausektor seit November 2016 in der schlechtesten Risikokategorie „sehr hohes Risiko“. Allerdings könnte sich die Lage durch EU-Finanzierungen und dadurch reduzierte Liquiditätsrisiken etwas verbessern. Auch die Bereitschaft zu Investitionen aus dem privaten Bereich dürfte unterstützend wirken, nachdem die Investitionen in Gebäude und Infrastruktur im vergangenen Jahr zurückgegangen waren. Veränderungen dürften allerdings erst in der zweiten Jahreshälfte zu spüren sein.

In der Transportbranche erwartet ein deutlicher Anteil (39 Prozent) steigende Außenstände, acht Prozent sinkende Forderungsbestände mit Verzug. Etwas mehr als die Hälfte meint, dass alles unverändert bleibt. Die Branche erachtet den gebremsten Welthandel als großes Problem. Darüber hinaus bereiten protektionistische Maßnahmen einiger westeuropäischer Länder im Straßentransport und Probleme beim Besetzen von Stellen Sorgen. Branchen mit optimistischen Erwartungen hinsichtlich der Entwicklung bei den Zahlungsverzögerungen sind Textil-Bekleidung, Metall und Automobil.

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