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29.09.2015
Länder- und Branchenbewertungen

Wie gehen die Länder des Golf-Kooperationsrats (GCC) mit dem fallenden Ölpreis um?

Wie gehen die Länder des Golf-Kooperationsrats (GCC) mit dem fallenden Ölpreis um?
  • Der starke Rückgang der Ölpreise zeigt wie wichtig die Diversifizierung der Wirtschaft ist.
  • Länder mit geringeren Finanzreserven, wie Bahrain und Oman, sehen sich aufgrund des geringen Wachstums mit Problemen konfrontiert.
  • Saudi Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate sind weniger vom sinkenden Ölpreis betroffen, da sie bereits Strategien zur Förderung der ölunabhängigen Sektoren verfolgen.
  • Der private Konsum sowie die Bemühungen der Regierungen zur Unterstützung eines anhaltenden Wirtschaftswachstums führen zu einem immer noch positiven Ausblick für die GCC-Länder.
  • Die Wachstumsprognose für die GCC-Länder liegt bei 3,4 % für 2015 und 3,7 % für 2016.

Die GCC-Länder besitzen zur Zeit 30 % der bekannten Ölreserven der Erde, mit Saudi Arabien an der Spitze (15,7 %), gefolgt von Kuwait (6 %) und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) (5,8 %). Zusammen produzierten die GCC-Länder im Jahr 2014 28,6 Millionen Barrel pro Tag. Dies entspricht 32,3 % der weltweiten Produktion. Der niedrige Ölpreis beeinträchtigt zwar alle GCC-Länder, aber nicht alle in gleichem Maß. Am meisten sind Oman und Bahrain vom sinkenden Preis betroffen, Saudi-Arabien, VAE, Kuwait und Katar weniger.

Die stabileren Wirtschaftssysteme profitieren von einer starken makroökonomischen Basis, wie z.B. einer stärkeren Diversifizierung, solider Finanzreserven und stärkerer Einbindung in den Weltmarkt. Durch bestehende Fertigungs- und Serviceindustrien in diesen Märkten sind die Länder weniger von den Öleinnahmen abhängig.

Öl dominiert die Wirtschaftsleistung

Für die GCC-Länder wird ein Wachstum von 3,4 % für 2015 und 3,7 % für 2016 prognostiziert. Obwohl diese Zahlen im Vergleich zu anderen Schwellenländern hoch sind, bleiben sie doch unter der durchschnittlichen Wachstumsrate von 5,8 % in der Region zwischen 2000 und 2011 zurück. Der Grund für den Rückgang ist der sinkende Ölpreis, der seit Mitte 2014 von 110 USD pro Barrel auf 50 USD in 2015 gefallen ist. Steigende Staatsausgaben und der gleichzeitig fallende Ölpreis beeinträchtigten die GCC-Region, doch nicht alle Märkte reagierten gleich. Trotz Ähnlichkeiten in den Wirtschaftssystemen unterscheiden sich die Länder hinsichtlich Wirtschaftsgröße, Bevölkerungszahl, Grad der Diversifikation und dem Öl-Preisniveau, ab dem steuerlich Gewinne erzielt werden.

VAE: Belastbar auch bei niedrigeren Ölpreisen

Die Wirtschaft der VAE weist unter den GCC-Ländern den höchsten Grad der Diversifizierung auf. Dadurch ist sie robuster gegenüber sinkenden Ölpreisen. Einnahmen aus dem Erdöl- und Erdgasgeschäft machen 25 % des Bruttosozialprodukts und 20 % der gesamten Exporteinnahmen aus. Die Privatwirtschaft außerhalb des Erdölsektors zeigt ein starkes Wachstum, angetrieben durch Inlandsnachfrage und Tourismus, hauptsächlich in Dubai. Laut Dubai Airports legte im ersten Quartal 2015 das Passagieraufkommen um 7 % auf 19,6 Millionen zu, wobei mit einer weiteren Steigerung der Touristenzahl im Zusammenhang mit der Dubai Expo 2020 gerechnet wird.

Die Inlandsnachfrage wird durch hohe Einzelhandelsumsätze und gestiegenes Vertrauen unterstützt. Die Einzelhandelsumsätze Dubais stiegen 2014 um 7 %. Ein weiteres Wachstum wird aufgrund der gestiegenen Touristenzahl erwartet. Der Immobilienmarkt Dubais gedeiht durch ausländische Investitionen und durch den Reichtum des benachbarten Abu Dhabi.

 

VAE Makro-Indikatoren

  2014 2015f 2016f
BIP (%) 4.6% 4.0% 3.8%
Leistungsbilanz (1) 12.1% 5.3% 7.2%
Haushaltsbilanz (1) 4.4% -2.0% -1.9%
Staatsverschuldung (1) 12.1% 14.7% 15.1%

 

Saudi-Arabien: zunehmende Diversifizierung

Mit 80 % der Exporteinnahmen und ca. 85 % der Haushaltseinnahmen aus der Ölbranche setzt das Königreich auf einen beschleunigten Diversifizierungsprozess. Wichtigster Motor des Wirtschaftswachstums sind die hohen Staatsausgaben zur Stützung des privaten Konsums und der Baubranche, die 2014 um 6,7 % gewachsen ist. Der Plan für 2015 sieht ein Wachstum für die Industrie vor, angetrieben durch Investitionsvorhaben der Regierung in den Bereichen Transportinfrastruktur, Energie, Versorgungsbetriebe und Wohnungsbau. Anfang 2015 kündigte die Saudi-Arabische General Investment Behörde den Unified Investment Plan des Königreiches an, der vier branchenspezifische Ansätze zur Steigerung der Investitionen vorsieht. Dazu gehören die Integration der Energiebranche, erhöhte Produktivität im Baugewerbe, Tourismus, Immobiliengeschäft und Einzelhandel, Steigerung der Entwicklung im Bergbau und in der Transportbranche sowie weitere Investitionen im Bildungsbereich, um  die Wettbewerbsfähigkeit des Königreichs zu steigern.

 

40 vielversprechende Investitionsprojekte in Höhe von 71 Mrd. USD sind für den Gesundheitssektor geplant, einschließlich der Produktion von medizinischen Geräten und Ausstattung, Arzneimitteln, Impfstoffen, sowie der Einrichtung und dem Betrieb von Krankenhäusern. Weitere 36 attraktive Investitionsprojekte im Bereich Transport sind in Planung, darunter die Produktion von Bussen, Eisenbahnwagen und Ersatzteilen, sowie technologische Dienstleistungen zur Einrichtung und zum Ausbau der Infrastruktur. Die Regierung will auch die privaten Ausgaben fördern, einmal über einen Bonus von zwei Monatsgehältern an Staatsdiener und Zuschüsse im Wert von 5,3 Mrd. USD für Strom, Wasser und Wohnkosten. Diese Investitionen regen den privaten Konsum, insbesondere im Einzelhandel an, und gleichen dadurch zumindest teilweise die Auswirkungen der niedrigeren Ölpreise auf die Einkommen aus.

 

Makroindikatoren Saudi-Arabien

  2014 2015f 2016f
BIP (%) 3.5% 2.5% 3.0%
Leistungsbilanz (1) 14.1% -1.0% 3.7%
Haushaltsbilanz (1) -2.3% -15.0% -9.0%
Staatsverschuldung(1) 1.6% 1.8% 1.7%
Quelle: Official statistics, IMF, BMI, Coface
 
Diversifizierung und globale Integration

Die GCC-Länder sind nach wie vor vom Öl als Haupt-Exportprodukt und -Einkommensquelle abhängig. Die lokalen Regierungen versuchen allerdings, dieses Wachstumsmodell durch wirtschaftliche Diversifizierungspolitik zu ersetzen und damit die Abhängigkeit von der Erdölbranche zu verringern. Einkünfte aus dem Erdöl- und Erdgasgeschäft wurden dazu verwendet, die Wirtschaft außerhalb dieser Branche mit Zuschüssen und Staatsausgaben zu fördern. Saudi-Arabien, VAE und Qatar waren bei der Diversifizierung ihrer Wirtschaft dabei erfolgreicher als ihre GCC-Nachbarn.

 

GCC exports, share by region, 2013

 

Viele GCC-Länder setzen auf langfristige Strategien und Pläne für die Wirtschaft: Saudi-Arabien mit seiner Strategie 2025, Oman mit der Vision 2020, die VAE mit der Vision 2021, Bahrain mit Vision 2030 und Qatar mit der National Vision 2030. Ergebnis: der Anteil der ölunabhängigen Wirtschaftsbereiche in den GCC-Ländern am BIP steigt - zwischen 2000 und 2013 um 12 % auf 70 %. Die Behörden vor Ort haben zum Beispiel Maßnahmen zur Unterstützung des Handels ergriffen. Auch sollen mehr direkte Auslandsinvestitionen das Wirtschaftswachstum erleichtern.  Alle GCC-Länder sind offene Volkswirtschaften mit engen wirtschaftlichen Verbindungen weltweit. Laut dem Institute of International Finance betrugen die Gesamtexporte der Region im Jahr 2014 über 60 % ihres BIP. Die Hauptexportpartner in der Region sind: Asien, der Westen, der Nahe Osten, Nordafrika und die Türkei.

Wirtschaftliche Stabilität in den VAE und Saudi-Arabien in bestimmten Bereichen

Coface schätzt, dass die Lebensmittel- und Getränkebranche in den Vereinigten Arabischen Emiraten von den hohen Inlandseinkommen profitieren wird, wie auch vom stabilen privaten Konsum, einem hohen Anteil von Arbeitern aus dem Ausland mit steigendem Bedarf, einem starken Wirtschaftswachstum und der Beurteilung des Landes als sicherer Staat. Die VAE haben seit 1994 in die lebensmittelverarbeitende Industrie, insbesondere die Milchindustrie, insgesamt 1,4 Mrd. USD investiert. Die Lebensmittelbranche nach Halal-Standards wächst mit einem prognostizierten Wachstum von 1,6 Mrd. USD bis 2018 weiter, angetrieben durch die gestiegene Verbraucher-Nachfrage nach einer großen Auswahl von Naturkost.

 

UAE food & beverage sector, billions USD

In Saudi-Arabien ist die Automobilbranche der aussichtsreichste Wirtschaftsbereich. Mehrere Hersteller von Originalteilen haben vor Ort Betriebe eingerichtet. Der Saudi Arabian Public Investment Fund (PIF) investiert zurzeit 1 Mrd. USD in ein Automobilwerk mit einer Produktionskapazität von 150.000 Autos pro Jahr bis 2018. Die Automobilbranche weist für 2015 ein Wachstum von 3,6 % auf, zurückzuführen auf höhere verfügbare Einkommen, die günstige demografische Entwicklung und eine steigende Urbanisierung.

“Da Erdöl weiterhin den wichtigsten Beitrag zur Wirtschaftsleistung der GCC-Länder leistet, ist die wirtschaftliche Diversifizierung für die Golfstaaten für die Fortsetzung ihres gesunden Wachstums lebenswichtig. Dies stellten Saudi-Arabien und die VAE unter Beweis, die  mit bedeutenden Regierungsinvestitionen ein anhaltendes Wachstum des BIP in ölunabhängigen Branchen unterstützen. In den VAE wird für den Zeitraum zwischen 2014 und 2019 ein Wachstum von 36 % prognostiziert, während für Saudi-Arabien mit einem Wachstum der Automobilindustrie von 5,2 % für 2015 gerechnet wird. Angesichts dieser Wachstumszahlen sind Saudi-Arabien und die VAE positive Beispiele für die Bedeutung einer diversifizierten Wirtschaft als Mittel zum Ausgleich der Auswirkungen niedrigerer Ölpreise, zur Förderung des Wachstums und zur Vermeidung eines Haushaltsdefizits,“ sagt Seltem Iyigun, MENA Region Economist, Coface.

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