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19.05.2016
Länder- und Branchenbewertungen

Ungarn: Privater Konsum steigt – aber Unternehmen haben weiterhin Probleme

Ungarn: Privater Konsum steigt – aber Unternehmen haben weiterhin Probleme

Ungarns Wirtschaft läuft in Anbetracht der Probleme vieler anderer Volkswirtschaften recht gut. Das Wachstum dürfte in diesem Jahr 2,2 Prozent betragen. Hauptgrund dafür ist der private Konsum. Die Arbeitslosenzahlen gehen zurück, das verfügbare Einkommen steigt, der Staat investiert in Sozialprogramme und die Probleme mit den Fremdwährungskrediten sind gelöst.

 

Konsum treibt das Wachstum

Seit der Rezession 2012 verzeichnet die ungarische Wirtschaft solide Wachstumsraten. Dazu tragen EU-Programme wesentlich bei, sind aber bei weitem nicht der einzige Faktor. Die Aussichten für Ungarn sind wie auch die der wichtigsten Handelspartner weiter gut. Die Wachstumsprognose von Coface wird mit 2,2 Prozent heuer niedriger ausfallen als 2015 mit 2,9 Prozent. Im nächsten Jahr könnte das Plus aber wieder ansteigen, wenn EU-Mittel wieder stärker fließen. Die anhaltenden Verbesserung am Arbeitsmarkt, sowohl im öffentlichen wie im privatwirtschaftlichen Bereich, und steuerliche Maßnahmen, wie beispielsweise die Reduzierung der Vermögens- und Umsatzsteuer, unterstützen den privaten Konsum. So ist der Konsum derzeit der Haupttreiber des Wachstums. Das wird voraussichtlich auch in den kommenden Quartalen so bleiben. Die Haushalte profitieren unter anderem davon, dass Hypothekendarlehen von ausländischen Währungen auf die eigene Währung Forint umgestellt wurden.

”Obwohl Ungarn ein langsameres Wachstum dieses Jahr verzeichnen wird, sind die 2,2 Prozent doch beachtlich. Der private Konsum bleibt stabil, die Wirtschaft wird aber vom ungünstigen Marktumfeld gebremst”,erklärt Grzegorz Sielewicz, Regional Economist für Central Europe bei Coface.

Unternehmen investieren nicht trotz konjunkturfördernder Maßnahmen

Wegen der hohen Defizite und der Staatsverschuldung hat die Regierung Maßnahmen ergriffen, um die Einnahmen zu erhöhen. Viele Branchen leiden unter hohen Steuern und Abgaben. Banken, Energie- und Telekommunikationsunternehmen sowie die großen Einzelhändler beklagen zusätzliche finanzielle Belastungen. Trotz der Verbesserung der Haushaltslage und des stärkeren Wachstums wurden zusätzliche Steuern eingeführt. Die Möglichkeit weiterer Änderungen der ungarischen Rechts- und Gesetzeslage haben zu Unsicherheit geführt und Zurückhaltung bei Unternehmen, was Investitionen und Expansion anbelangt, ausgelöst. Die Zentralbank versucht zwar mit stimulierenden Maßnahmen, wie einer deutlichen Zinssenkung und einem Wachstumsprogramm mit günstigen Krediten für KMU die Wirtschaft anzukurbeln. Dennoch setzt der gesamte Unternehmensbereich offensichtlich mehr auf Schuldenabbau als auf Investitionen. Weitere Maßnahmen zur Steigerung der Kreditaufnahme durch KMU könnten die Wirtschaftsaktivität stärken. Die Stimmung unter den größeren Unternehmen deutet auf mögliche Verbesserungen hin – sofern keine weiteren Steuerlasten eingeführt werden.

Mit der geringeren Expansionsgeschwindigkeit 2016 konfrontiert, haben die ungarische Regierung und die Notenbank beschlossen, neben den EU-Mitteln, die bislang ein wesentlicher Faktor für die Wirtschaft waren, auf weitere Wachstumsinstrumente zu setzen. Die Stimmung in der Wirtschaft beginnt sich allmählich zu verbessern, nachdem sich die Unternehmen zuletzt mit erheblichen Herausforderungen auseinandersetzen mussten. Die Zentralbank setzt weiter auf stimulierende Maßnahmen, um die Unternehmen wieder vom Kurs des Sparens und Schuldenabbaus in Richtung Investitionen zu bewegen und so die Wirtschaft anzuschieben.

Automobilbranche als wichtigste Stütze der ungarischen Wirtschaft

Besonders Unternehmen in ausländischem Besitz bekamen die Probleme zu spüren. Davon ausgenommen war die Automobilbranche, die in Ungarn günstige Geschäftsbedingungen vorfindet. Die Branche ist eine wichtige Stütze der Wirtschaft, produziert zehn Prozent der Güter und trägt 4,5 Prozent zur gesamten Wertschöpfung bei. Der recht gute Ausblick für die Branche profitiert von der Nachfrage aus Westeuropa, den wichtigsten Abnehmerländern. Hinzu kommt die gute preisliche Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Herstellern in der Eurozone, die nicht selten unter Überkapazitäten leiden. Es scheint auch so, dass die Branche in Ungarn nicht wesentlich vom Volkswagenskandal getroffen wurde, obwohl VW in Ungarn stark vertreten ist.

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