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12.03.2018
Länder- und Branchenbewertungen

Stürzt Mexikos Automobilbranche in eine Krise?

Mexico Automobilindustrie

 

NAFTA-Nachverhandlungen könnten “Hochrisiko-Sektor” hart treffen

Die Autobranche spielt in der mexikanischen Wirtschaft eine wichtige Rolle. Von 1993 bis 2015 stiegen der Anteil an den insgesamt produzierten Gütern von 8,5 auf 18 Prozent und am BIP von 1,5 auf 3 Prozent. Die 28 Fabriken sorgen direkt und indirekt für 1,7 Millionen Arbeitsplätze. Zwar haben die Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump bis jetzt die Branche nicht beschädigt. Die Risiken sind mit den NAFTA-Nachverhandlungen und dem Wahlkalender in Mexiko aber gestiegen.

 

Automobilbranche eines der umstrittensten Themen in den NAFTA-Diskussionen

Seit Beginn seines Wahlkampfes kritisiert Donald Trump andauernd die NAFTA-Vereinbarungen. Sie seien mit ursächlich für das US-Handelsbilanzdefizit mit Mexiko und zerstörten Jobs in den USA. Eines der heftig diskutierten Themen ist dabei die Automobilbranche. Derzeit fordert das Abkommen, dass 62,5 Prozent der Komponenten eines Autos aus Partnernationen kommen müssen, damit der Wagen zollfrei eingeführt werden kann. Jetzt fordern die USA, diesen Anteil auf 85 Prozent zu erhöhen, 50 Prozent müssten von amerikanischen Produzenten kommen. Dies lehnen Mexiko und Kanada kategorisch ab. Sollte es zu einer solchen Regelung kommen, wären die mexikanischen Hersteller stark betroffen, da derzeit 60 Prozent der in Mexiko produzierten Fahrzeuge in die USA exportiert werden.

Trotz der gegen den Freihandel gerichteten Rhetorik Trumps und der verschobenen NAFTA-Nachverhandlungen geht Coface davon aus, dass am Ende auch in einem möglichen neuen Abkommen die meisten der Regelungen zum grenzüberschreitenden Handel zwischen den drei Staaten erhalten bleiben. Für ein negativeres Szenario sind nach Ansicht von Coface die Handelsbeziehungen zwischen den USA und Mexiko zu stark. Sollte die US-Regierung beschließen wollen, die NAFTA zu verlassen, würde das zudem zu hartem Widerstand aus der Industrie und einzelnen US-Staaten führen.

Risiko steigt durch anstehende Wahlen in Mexiko und Verbrauchertrends

Die Präsidentschaftswahlen am 1. Juli dieses Jahres und die Nachverhandlungen in der NAFTA könnten das Verbraucherverhalten beeinflussen. Ende 2017 stieg die Inflationsrate auf 6,8 Prozent, seit Dezember 2015 kletterte der Referenzzinssatz um 450 Basispunkte und stand im Februar 2018 bei 7,5 Prozent. 2017 gingen die Zulassungen von Automobilen um 4,6 Prozent zurück. Ein Regierungswechsel könnte die pro-wirtschaftliche Ausrichtung und die Einstellung zur NAFTA verändern. Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung zeigt sich einer Anti-Establishment-Haltung. Die Kriminalität steigt weiter – 2017 gab es die meisten Gewalttaten in den letzten zwei Jahrzehnten -, ebenso die Korruption. Dies erhöht die Chancen für einen populistischen Kandidaten.

Mexiko hat mehr als die US-Handelsbeziehungen

Mexiko bewegt sich aktuell in einem Netzwerk aus zehn Handelsabkommen mit 45 Ländern und strebt weitere Abkommen an. Parallel geht es um die Aktualisierung bestehender Verbindungen, darunter die Beziehung zur EU. Nicht nur für den Fall, dass sich für Mexiko aus den NAFTA-Verhandlungen ein Worstcase ergibt, wäre Mexiko gut beraten, das eigene Geschäftsumfeld zu verbessern. Derzeit behindern die Gewalt im Land und die schwache Judikative Investitionen. Im „Rule of Law Index 2017/2018“ des World Justice Projects liegt Mexiko auf Platz 92 von 113 Ländern. Dahinter folgen von den 30 bewerteten lateinamerikanischen Staaten nur noch Guatemala, Nicaragua, Honduras, Bolivien und Venezuela.

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