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02.06.2016
Länder- und Branchenbewertungen

Startet die französische Wirtschaft durch?

Made In France
  • Einige Indikatoren im 1. Quartal stimmen optimistisch: Wachstum, Konsumausgaben, Investitionen
  • Probleme: Sinkende Exporte wegen Bremse in Emerging Markets und schwacher Wettbewerbsfähigkeit
  • Deutliche Verbesserung bei Insolvenzen (-3,2 %) außer in Textil-Bekleidungsbranche und im Großraum Paris
  • Hälfte der Branchen hat sich verbessert
  • Straßentransport kaum wettbewerbsfähig

Inlandsnachfrage stützt Wirtschaftsaktivität, während Export bremst

Zwischen Januar und April 2016 haben sich einige Wirtschaftsindikatoren verbessert. Das Wachstum hat weiter Fahrt aufgenommen: Im ersten Quartal 2016 standen gegenüber dem Vorjahresquartal plus 0,6 Prozent zu Buche, primär aufgrund der Inlandsnachfrage. Die Ausgaben der privaten Haushalte erreichten mit plus 1,2 Prozent einen Höchstwert seit 2004. Und auch die Investitionen übertrafen die Erwartungen: Zum ersten Mal seit 2012 tragen die Unternehmensinvestitionen wieder zum Wachstum bei. Hier wirken sich die staatliche Unterstützung bei der Senkung von Abgaben und der niedrige Ölpreis aus. Coface erwartet für Frankreich ein Wachstum von 1,6 Prozent in diesem und 1,3 Prozent im nächsten Jahr.

Lediglich der Außenhandel trübt das Bild. Während die Importe im ersten Quartal 2016 um 0,5 Prozent zulegten, gingen die Ausfuhren um 0,2 Prozent zurück. Hier wirkt sich vor allem das gebremste Wachstum in den Emerging Markets aus, besonders die erwartete Rezession in einigen der BRIC-Länder. Allerdings tragen auch strukturelle Probleme zur Schwäche Frankreichs auf den globalen Exportmärkten bei. Seit 2011 gingen die Ausfuhren um 3,5 Prozent zurück. Frankreich hat nur ein Drittel so viel exportierende Unternehmen wie Deutschland – bei einer insgesamt etwa gleich großen Gesamtzahl an Firmen. Von zehn Unternehmen, die in den Export einsteigen, sind nach einem Jahr nur noch drei aktiv, nach drei Jahren nur noch eins.

Bei der preislichen Wettbewerbsfähigkeit liegt Frankreich hinter Spanien und Italien, die deutlich günstigere Stückkosten haben. Bei der qualitativen Wettbewerbsfähigkeit liegt Frankreich hinter Deutschland. Während Frankreich 41 Prozent der Exporte mit qualitativ hochwertigen oder hochpreisigen Produkten bestreitet (Raumfahrt und Verteidigung, Luxusgüter und Wein), sind es in Deutschland 48 Prozent. Mittelfristig dürften die Investitionen der Unternehmen zu einem höheren Wert führen, auch wenn es einige Jahre dauern dürfte, die Lücke zu schließen.

Insolvenzen und Branchenrisiken allmählich wieder auf normalen Niveaus

Die wirtschaftliche Erholung zeigt sich deutlich in den Insolvenzzahlen und einer verbesserten Risikolage der Branchen.

Die Unternehmensinsolvenzen kommen wieder auf Normalniveau an. Nach Berechnungen von Coface dürften die Insolvenzen in diesem Jahr um 3,2 Prozent zurückgehen. Ende April betrug die Gesamtzahl in der Zwölf-Monatsbetrachtung 58.846, das waren 4,3 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum. Die daraus resultierenden Insolvenzkosten beliefen sich auf 3,35 Milliarden Euro, 8,6 Prozent weniger. Die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze war um 2,4 Prozent geringer. Zuversichtlich stimmt zudem, dass die Verbesserung alle Firmengrößen betrifft und der Rückgang bei großen Unternehmen mit 21,5 Prozent besonders ausgeprägt ist. Auch der durchschnittliche Umsatz, der durch Insolvenzen wegfiel (591.800 Euro), sank auf Vorkrisenniveau. Nur in Zentralfrankreich und im Großraum Paris (Ile-de-France) stiegen die Insolvenzzahlen um 2,9 und 3 Prozent. Dabei ist der Anstieg in Ile-de-France nur bedingt auf die Terroranschläge im November 2015 zurückzuführen, denn die Zahl stieg schon zuvor an, und die Insolvenzen betreffen alle Branchen, nicht nur den Tourismus mit Hotels und Restaurants. 21 Prozent aller Insolvenzen in Frankreich entfallen auf den Großraum Paris.

Mit Blick auf die Branchen ist die Tendenz so positiv, dass sechs von 12 Branchen, die Coface regelmäßig untersucht, profitieren.

  • Dank der anhaltenden Konsumfreude ist der Einzelhandel die erste Branche in Frankreich, die in „niedriges Risiko” eingestuft wird.
  • Automobil, Pharma, Chemie und Transport wurden in “mittleres Risiko” aufgewertet.
  • Auch der Bau erholt sich und wurde von “sehr hohes Risiko” in hohes Risiko heraufgestuft.

Allerdings wird eine Branche jetzt schlechter bewertet: Textil-Bekleidung ist nun in „hohes Risiko“ eingestuft. Auf Bekleidungsunternehmen entfallen 85 Prozent der Insolvenzen der Branche. Das waren Ende April 6 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum. Der Wettbewerb wird immer härter, zudem wandert immer mehr Geschäft in den Online-Handel ab.

Straßentransport mit unklaren Aussichten

Obwohl der Transportsektor insgesamt in “mittleres Risiko” heraufgestuft wurde, sind die mittelfristigen Aussichten für den Straßentransport eher unsicher. Zuletzt profitierten die Unternehmen von den geringeren Betriebskosten, einer stabileren Auftragslage, hauptsächlich aus der Baubranche, und der gesunden Seefracht-Industrie. Die wenigen Großen der Branche, die allerdings 80 Prozent des Geschäfts auf sich vereinigen, haben die Gelegenheit genutzt, ihre Position auszubauen und Druck auf die kleineren Wettbewerber zu erhöhen. Diese kleineren Firmen waren so gezwungen, die Einsparungen aus den niedrigeren Energiekosten an die Kunden weiterzugeben.

Da sich der Sektor primär aus kleineren und anfälligeren Unternehmen zusammensetzt, hängt die Insolvenzrate unter anderem stark von gesetzlichen Eingriffen zu Löhnen und der unwägbaren Ölpreisentwicklung ab. Zwar gehen die Insolvenzzahlen derzeit zurück. Die Gründung vieler neuer Unternehmen zu Jahresbeginn lässt aber ein Wiederansteigen mit einem Höhepunkt 2019 befürchten.

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