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17.12.2014
Länder- und Branchenbewertungen

Schlagwort Pharmerging – die Pharmabranche im Umbruch

Communiqué de presse coface

Die pharmazeutische Industrie hängt von der Konjunktur in Europa ab. Das zeigte sich während der Krise 2008/2009 und erneut während der Staatsschuldenkrise 2011/2012. Von den Einsparungen bei Gesundheitsausgaben in den europäischen Ländern schwer getroffen versuchen die Unternehmen jetzt, neues Geschäft zu generieren. Sie expandieren in neue Märkte und investieren in Nischenbereiche.

 
Die Wirtschaftskrise beschleunigt den Wandel in der Pharmabranche
  •  Staaten müssen Gesundheitsausgaben senken

Die Staatsschuldenkrise hatte eine starke Auswirkung auf den Verbrauch von Arzneimitteln in Europa. Um ihre Verschuldung zu begrenzen, sahen sich Staaten als Hauptfinanzierer der Gesundheitssysteme gezwungen, die Ausgaben in diesem Bereich zu senken – ungeachtet des Trends der alternden Bevölkerung. Entsprechend ging der Anteil der Arzneimittelausgaben am BIP von 2003 bis 2011 von 14,9 Prozent auf 13,4 Prozent zurück. Zugleich begann die Politik, stärker auf Generika zu setzen. Ärzte wurden aufgefordert, primär solche Produkte zu verschreiben und die Konsumenten wurden durch die Erstattungspraxis in Richtung der preisgünstigeren Mittel gelenkt. Schließlich treibt die gegenseitige Abhängigkeit der europäischen Länder bei den Preisen die Abwärtsspirale bei den Ausgaben im Gesundheitswesen voran.

 

  •  Viele Patente laufen zwischen 2014 und 2016 aus

In den 1980er Jahren waren die Pharmaunternehmen in der Forschung und Entwicklung sogenannter Blockbuster sehr erfolgreich. In den frühen 2000er Jahren lief für viele dieser Wirkstoffe der Patentschutz aus. Etliche Unternehmen verloren große Umsatzanteile an die Hersteller von Generika. Seit 2010 beschleunigt sich diese Entwicklung und wird bis 2020 nicht abreißen. Der Höhepunkt sollte 2014 bis 2016 erreicht werden.

 

 

Ein neues Absatzmodell mit Schwerpunkt auf „Pharmerging“
  •   Wegen der immer stärkeren Regulierung durch die Behörden in Europa …

Heute, mehr denn je, regulieren die Behörden den gesamten Arzneimittel-Prozess auf dem Markt. So setzt die Preispolitik auf „wertbasierte Medizin“. Pharmaunternehmen müssen nun zusätzlich zur therapeutischen Wirksamkeit nachweisen, dass ein Wirkstoff auch die Lebensqualität der Patienten verbessert.

 

Diese Hürden erschweren es, Medikamente auf den Markt zu bringen und senken den Erstattungswert für Produkte der Pharmahersteller. Gleichzeitig bekommen sie den Konkurrenzdruck durch die Generika-Produzenten zu spüren. Generika machen mittlerweile über die Hälfte der verkauften Mengen aus: 2013 waren es 54 Prozent. Diese Medikamente können wesentlich billiger angeboten werden, da sie aus Stoffen produziert werden, die keinem Patentschutz mehr unterliegen und auch keine Forschungs- und Entwicklungskosten eingerechnet werden müssen.

 

  • … müssen neue Marktsegmente erschlossen werden

Um ihre Produktivität zu steigern, orientieren sich die pharmazeutischen Unternehmen in Richtung Emerging Countries, deren alternde Bevölkerung die Länder zu künftigen Wachstumsmärkten für diese Branche machen. Darüber hinaus erleichtert die Gesundheitspolitik der Schwellenländer den Menschen den Zugang zur medizinischen Versorgung.

 

"’Pharmerging’ wird zum neuen Eldorado für die europäischen Pharmahersteller. Anders als die Industrieländer versprechen die Emerging Markets bis 2017 Zuwächse im zweistelligen Prozentbereich. Dieses Potential wird die Effekte aus der budgetbedingt restriktiveren Gesundheitspolitik in Europa teilweise kompensieren. Bedeutende Konzerne erzielen nun das Wachstum das in Europa ausbleibt in den aufstrebenden Ländern“,erklärt Khalid Aït-Yahia, Coface Sector Economist.

 

Zudem denken die Pharmaunternehmen daran, sich mit ihrer Forschung und Entwicklung in kleinere, aber profitablere Bereiche zu bewegen. Komplexe Krankheiten eröffnen die Möglichkeit zu einer strategischen Neupositionierung in solchen Nischen. Denn ihre Behandlung ist sehr teuer und wird daher oft vom Staat mitgetragen. So zielen pharmazeutische Unternehmen auf Wachstum in hoch komplexen Bereichen wie Onkologie, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ab. In Europa ist dieser Ansatz für viele Pharmaunternehmen bereits Realität. Sie arbeiten eng mit großen globalen Forschungszentren zusammen, die sich auf die Grundlagenforschung zum Verständnis der schwierig zu behandelnden Krankheiten konzentrieren.

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Susanne KRÖNES

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Email: susanne.kroenes@coface.com

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