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16.06.2017
Länder- und Branchenbewertungen

Russland: Strukturelle Probleme bleiben

Russland: Strukturelle Probleme bleiben

Die Diversifizierung der russischen Wirtschaft, die durch den Einbruch der Ölpreise beschleunigt worden war, kommt voran. Allerdings behindern die schlechten strukturellen Bedingungen mittelfristiges Wachstum. In einigen Branchen (Agrofood, Chemie, Automobil) ist ein Aufschwung erkennbar, der die Erholung der Gesamtwirtschaft unterstützt.

 

Hindernisse für die Diversifizierung: Mangel an Arbeitskräften und schwache Investitionen

Nach zwei Jahren hintereinander mit einem Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität (-2,8% 2015 und -0,2 % 2016) sind die Wachstumsprognosen für 2017 wieder positiv. Coface erwartet allerdings ein nur schwaches Plus um 1 Prozent. Ein mittelfristig stabiles Wachstum ist aufgrund der Abhängigkeit vom Mineralöl nicht zu kalkulieren. Zwar sind die Preise zuletzt wieder gestiegen, Russland kann aber nicht auf einen anhaltenden Trend und steigende Produktion bauen.

Die Diversifizierung der Wirtschaft als Teil des Regierungsprogramms kommt trotz struktureller Probleme voran. Vor allem die demografische Entwicklung könnte noch Probleme bereiten, denn seit 2010 sinkt der Anteil der Menschen im arbeitsfähigen Alter. Investoren aus dem Ausland werden nicht nur durch die Sanktionen infolge der Ukraine-Krise gebremst. Sie schrecken auch vor dem schwierigen Geschäftsumfeld mit schwacher Governance, regulatorischen und politischen Problemen sowie Korruption zurück. Zudem fließ nationales privates Kapital nicht hinreichend in die eigene Wirtschaft. Auch Unternehmen halten Kapital zurück satt zu investieren.

Trotz Verbesserungen in der strukturellen Wettbewerbsfähigkeit müssen Auslastung der Produktionskapazitäten und Produktivität verbessert werden

Angesichts der strukturellen Probleme und im Kontext der schwierigen innen- und außenpolitischen Situation muss Russland seine Wettbewerbsfähigkeit weiter verbessern. Seit 2012/2013 gibt es hier bereits Verbesserungen. So ist Russland im Global Competitiveness Index des World Economic Forum von Platz 67 auf jetzt 43 geklettert. Private Investitionen, die seit 2013 zurückgehen, hängen entscheidend vom Ölpreis und den Sanktionen ab. Das gilt auch für die Auslastung und den Ausbau der Unternehmen.

Zu den Stärken des Landes zählt Bildung ebenso wie die wissenschaftliche Forschung. Dem steht eine anhaltend geringe Arbeitsproduktivität entgegen. In den USA ist sie siebenfach höher, im Schnitt der EU fünffach. Dabei sind die Arbeitskosten relativ hoch.

Der Wertverfall des Rubels 2014 und 2015 hat die Wettbewerbsfähigkeit einiger Produkte aus Russland gehoben, allerdings hauptsächlich in Branchen, die von Staat gefördert oder gestützt wurden: Lebensmittel, Chemie, Gummi/Plastik. Dies könnte das Wachstum weiter antreiben. Auch der Automobilabsatz zog nach zwei schlechten Jahren (-36% 2015 und -11% 2016) im März und April 2017 wieder an, so dass 2017 insgesamt für die Automobilbrache wieder besser laufen dürfte.

Presseveröffentlichung herunterladen : Russland: Strukturelle Probleme bleiben (223,49 kB)

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