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26.01.2016
Länder- und Branchenbewertungen

Risiken nehmen 2016 weltweit zu

Country Risk Conference in Paris
2016 gilt es drei Risiken zu beachten: schwaches Wachstum, politische Spannungen und die Verschuldung der Unternehmen in den Schwellenländern
  • Industrieländer: mehrere Gründe zur Sorge, darunter die Unbeständigkeit der Finanzmärkte, der Preisverfall bei Öl und die Schwäche der chinesischen Wirtschaft
  • Schwellenländer: zusätzlich zum stagnierenden Wachstum steigt die Verschuldung der Unternehmen
  • Steigende politische Risiken könnten das Geschäftsklima in allen Regionen beeinträchtigen

 

Ein neues Jahr mit politischen Unsicherheiten

2016 ist bei der Bewertung der Länderrisiken Vorsicht geboten. Die Risiken, die letztes Jahr aufgetaucht sind, bleiben auch heuer bestehen und das globale Wachstum wird von Coface auf schwache +2,7 Prozent prognostiziert (nach +2,5 Prozent 2015). Im Vordergrund stehen die stärker werdenden politischen Spannungen sowohl in den Industrie- als auch den Schwellenländern.

Die Wahlen in den USA und vor allem der drohende “Brexit” von Großbritannien (zwei Industrieländer, die das Wachsum der Eurozone 2015 übertroffen haben) könnten das Geschäftsklima beeinträchtigen. In den Schwellenländern bleiben die Unsicherheiten im Mittleren Osten bestehen. Die Terrorgefahr könnte zu verstärkten nationalistischen Bestrebungen führen. Im Political Risk Index[1] von Coface stechen die Türkei und Brasilien durch die steigende politische Instabilität zwischen 2007 und 2015 und der damit einhergehenden Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation hervor. Brasilien, wo sich die politische Krise sowie die Rezession 2016 fortsetzen werden, wurde daher zum zweiten Mal in weniger als einem Jahr abgewertet und ist nun auf Stufe C.

 

Industrieländer: Aufschwung unter Druck

Insgesamt erwartet Coface für die Industrieländer ein moderates Wachstum von +2 Prozent. Die größten Schwächen bleiben deren Abhängigkeit von den Rohstoffpreisen, der Abschwung in China und die Unbeständigkeit der Finanzmärkte.

Der Trend der niedrigen Barrel-Preise wird sich auch 2016 durch den anhaltenden Überschuss an Öl fortsetzen – auch durch die Rückkehr Iran’s auf den Markt. Kanada wurde vom Sinken der Investitionen im Öl-Sektor und dem daraus resultierenden Rückgang der Einnahmen stark betroffen und ist daher aus der besten Bewertungsstufe gefallen und nun auf A2 eingestuft. Der anhaltend niedrige Ölpreis hat jedoch einen positiven Effekt auf Haushalte und Unternehmen in manchen Industrieländern. Mit Ausnahme von Japan und Italien, hat der niedrige Ölpreise die Investitionen der Unternehmen – vor allem in Spanien und Großbritannien – angekurbelt.

Japan ist ebenfalls unter den potentiellen Opfern des stärker als erwarteten Nachlassens der chinesischen Wirtschaft, da 18 Prozent der Exporte in dieses Land gehen. Das schwache Wachstum (+0,9 Prozent 2016), das anhaltende Deflationsrisiko und die Unerlässlichkeit von Konsolidierungsmaßnahmen erklären das Setzen der Bewertung A1 auf die negative Watchlist. Wenig überraschend hat der Rückgang der Nachfrage aus China negative Auswirkungen auf Hong Kong und Taiwan, die beide auf die negative Watchlist gesetzt wurden.

In der Eurozone – wo ein Wachstum von +1,7 Prozent 2016 erwartet wird – verbessert sich die Situation der Unternehmen sukzessive. Dies wird durch die Insolvenzstatistiken für Frankreich, Deutschland, Italien (Rückgang zwischen -3,5 Prozent und -5 Prozent in den ersten neun Monaten 2015 im Vergleich zu 2014) und vorallem Spanien (-26 Prozent) unterstrichen. Das Wachstum Italiens wird von der Inlandsnachfrage gestützt, welche vom wiederaufkeimenden Vertrauen und dem Fortschritt bei Strukturreformen profitiert. Die Bewertung Italiens mit B wurde daher auf die positive Watchlist gesetzt.

 

Übermäßige Verschuldung der Unternehmen: eine neue Misere in den Schwellenländern

Die Situation der Schwellenländer, wo sich das Wachstum in den letzten fünf Jahren halbiert hat (+3,9 Prozent für 2016 erwartet), wird zusätzlich durch die steigende Verschuldung der Unternehmen erschwert. Diese wird durch die sinkenden Rohstoffpreise und die stark expansive Geldpolitik als Folge der Lehman Brothers Krise verstärkt. Nur Zentraleuropa bleibt davon bis dato unbeeindruckt. Ungarn (wo sich die Bewertung um eine Stufe auf A4 verbessert hat) und Lettland (B positive Watchlist) stechen durch ihr solides Wachstum hervor, welches durch den privaten Konsum und die Exporte in europäische Länder – mit Ausnahme von Russland – gestützt wird.

Laut den Ökonomen von Coface sind die chinesischen Unternehmen unter jenen mit dem höchsten Verschuldungsgrad. Ihre Schulden belaufen sich auf mehr als 160 Prozent des BIP und sind damit um 60 Prozentpunkte höher als 2008. Nach China folgen die Türkei (+30 Prozentpunkte), Brasilien (+17 Prozentpunkte), Russland (+14 Prozentpunkte) und Malaysia (+11 Prozentpunkte). Türkische Unternehmen, welche ein Drittel ihrer Verbindlichkeiten in US Dollar ausweisen, sind Wechselkursrisiken am stärksten ausgesetzt. Der mittelfristige Hoffnungsschimmer ist die steigende Wettbewerbsfähigkeit als Folge der letzten Abwertungen der Währungen in den Schwellenländern.

Im Kontext der steigenden Risiken für Unternehmen hat Coface die Bewertungen einiger Schwellenländer, welche sich bereits auf der negativen Watchlist befunden haben, um eine Stufe herabgesetzt. Diese umfassen:

  • Algerien (B) und Gabun (C), aufgrund der niedrigen Preise für Kohlenwasserstoff
  • Südafrika (B), negativ beeinflusst durch das schleppende Wachstum und wachsende soziale Spannungen
  • Tansania (C) und Madagaskar (D), wo das Wachstum durch politische Unsicherheit gehemmt wird

[1] Der Political Risk Index von Coface kombinier zwei Typen von Indikatoren: Spannungen durch Veränderungen (Inflation, Arbeitslosigkeit, Korruption, etc.), wo die Intensität der sozio-politischen Frustration in einem bestimmten Land gemessen wird und Instrumente des Wandels (Bildung, soziale Netzwerke, Anteil an Jugendlichen, Rolle der Frauen, etc.), welche die Fähigkeit der jeweiligen Gesellschaft, diese Frustration in politische Aktionen umzuwandeln, erfassen.

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