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01.06.2017
News zu Coface

Politische Risiken gefährden stabiles Wachstum Österreichs

Coface Country Risk Conference Pressekonferenz

Der Country Risk Overview des internationalen Kreditversicherers Coface zeigt, dass die Weltwirtschaft mit einem Wachstum von +2,8 Prozent in 2017 erstmals seit 2014 wieder etwas mehr Fahrt aufnimmt. Die für Österreich bedeutenden Volkswirtschaften Deutschland sowie Zentral- und Osteuropa zeigen sich schon seit einigen Jahren sehr robust und dürften dieses Jahr mit Wachstumsraten von 1,6 Prozent und 3,4 Prozent aufwarten. Österreich soll 2017 um +1,8 Prozent wachsen.

Wirtschaftsklima: Verbessert, aber geprägt von Unsicherheiten

Im Rahmen eines Pressegesprächs im Vorfeld der heute stattfindenden 15. Coface Country Risk Conference in Wien präsentierten Dr. Michael Tawrowsky, Country Manager Coface Austria, und Dr. Mario Jung, Senior Regional Economist Coface Northern Europe, einen weltweiten Überblick der Länderrisiken.

Die ersten Monate des Jahres 2017 zeigen zahlreiche Indikationen dafür, dass die Weltwirtschaft erstmals seit 2014 wieder etwas mehr Schwung verzeichnen wird. Coface prognostiziert mit 2,8 Prozent ein höheres globales Wachstum als 2016 mit 2,5 Prozent. Russland und Brasilien als zwei der Schwergewichte unter den Emerging Markets werden mit einem Wachstum von 1,0 Prozent und 0,4 Prozent eine Rezession hinter sich lassen. Absturzszenarien für die Wirtschaft Chinas sind nach den Turbulenzen im vergangenen Jahr vom Tisch. Mit staatlichen Stützungsmaßnahmen sowie einer etwas besseren weltwirtschaftlichen Lage im Rücken wird Chinas Wirtschaftsleistung 2017 voraussichtlich um rund 6,5 Prozent zulegen. Zudem weisen einige Industrieländer wieder einen Aufwärtstrend auf, auch in der Europäischen Union. Die für Österreich bedeutenden Volkswirtschaften in der Nachbarschaft zeigen sich schon seit einigen Jahren sehr robust: Nicht nur Deutschland, sondern gerade die Osteuropäer, was sich zuletzt auch in zahlreichen Heraufstufungen in den Coface-Länderrisikobewertungen, wie beispielsweise von Tschechien, Ungarn und Bulgarien, niedergeschlagen hat.

Alles spricht von politischen Risiken

Die Verbesserung im globalen Umfeld darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das weltweite Wachstum nach historischen Maßstäben auch 2017 gedämpft ausfallen wird. Die Rahmenbedingungen bleiben geprägt von hohen politischen Unsicherheiten, die auch auf die österreichische Wirtschaft – neben hausgemachten Problemen – zurückprallen könnten. Was bei politischen Risiken besonders schwierig einzuschätzen ist, ist deren Gefahrenpotenzial für den Wirtschaftskreislauf und die Finanzmärkte – verstärkt durch die Bedrohung des Terrorismus. Eine Anpassungsreaktion der Unternehmen weltweit besteht darin, dass sie schon seit Jahren Zurückhaltung üben bei ihren Investitionsentscheidungen und dies, obwohl die größten Zentralbanken weltweit die Märkte immer noch mit Liquidität fluten und mit historisch niedrigen Zinsen stützen.

Was sind nun die politischen Risiken für Österreich?

Erstens das heimische politische Parkett mit Blick auf den unsicheren Ausgang der vorgezogenen Neuwahlen zum Nationalrat und damit auch eine mögliche Neujustierung im Verhältnis zu Europa. Zweitens ein dauernd-twitternder US-Präsident Trump, dessen Linien in Handels-, Wirtschafts-, Außen- und Sicherheitspolitik alles andere als klar und verlässlich sind. Diese bergen im Allgemeinen ein großes Risiko für die verflochtene Weltwirtschaft, insbesondere wenn stärkere protektionistische Tendenzen Einzug halten. Drittens führt auch die mindestens zweijährige Scheidungsphase Großbritanniens von der Europäischen Union zu sehr vielen wirtschaftlichen Unsicherheiten. USA und Großbritannien sind die österreichischen Exportdestinationen Nummer zwei und acht mit einem Warenvolumen von annähernd 13 Mrd. Euro oder fast 10 Prozent der österreichischen Gesamtausfuhren. Daher wird für hiesige Unternehmen weiterhin das Wechselkursrisiko ein großes Thema sein. Schließlich ist auch die politische Weiterentwicklung der Europäischen Union nach wie vor ein Thema, mit einem Anteil von fast 70 Prozent mit Abstand wichtigster Wirtschaftsraum für österreichische Exporteure.
Dr. Mario Jung, Senior Regional Economist Coface Northern Europe, stellt fest, „diese Unsicherheiten liegen wie Mehltau über Österreichs Wirtschaft und könnten bei Eintreten das Wirtschaftswachstum spürbar abbremsen. Aber wir sind positiv und erwarten ein solides Wachstum.“
In ihrem Hauptszenario erwartet Coface aktuell ein solides Wachstum von 1,8 Prozent. Der private Konsum bleibt eine wichtige Wachstumsstütze trotz auslaufender Impulse der vorangegangenen Steuerreform wie auch anziehender Inflation. Diese verbessert im Umkehrschluss die Preissetzungsspielräume der Unternehmen, die damit auch ihre Investitionsplanungen vorantreiben können. Mit dem verbesserten außenwirtschaftlichen Umfeld dürften die österreichischen Warenausfuhren in diesem Jahr etwas Fahrt aufnehmen.

 

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