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10.12.2017
Länder- und Branchenbewertungen

Polen: Mehr Insolvenzen trotz wachsender Konjunktur

Polen: Mehr Insolvenzen und Sanierungsverfahren trotz wachsender Konjunktur
  • Anstieg der Insolvenzen und Sanierungsverfahren um 14 Prozent in den ersten drei Quartalen 2017 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum
  • Mehr Insolvenzen in fast allen Branchen
  • Wirtschaftswachst um steigt 2017 auf 3,9 Prozent
  • Hohe Binnennachfrage und ein durch eine verbesserte globale Handelsdynamik verstärkter Exportanteil führen zu einem soliden BIP-Wachstum

2015 erreichte Polens Wirtschaft ein Wachstum von 3,8 Prozent, bevor es sich 2016 auf 2,7 Prozent verlangsamte. Dies war auf einen langsamen Start des neuen Programmierungszeitraums für EU-Fonds zurückzuführen, der zu einem deutlichen Investitionsrückgang beitrug. Im Gegensatz zu 2016 profitierten polnische Unternehmen allerdings 2017 wieder von der Beschleunigung der Wirtschaftsaktivität mit einem BIP-Anstieg um 4 Prozent im Vergleichszeitraum. Die Investitionen haben sich aufgrund von Infrastrukturvorhaben, die von EU ko-finanzierten Projekten unterstützt werden, und der Erhöhung der Unternehmenskapazitäten wieder erholt. Der Privatkonsum bleibt nach wie vor der größte Wirtschaftstreiber.

Polen genoss 2017 ein weiteres Jahr mit Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote ist mit 4,7 Prozent im August 2017 die niedrigste seit der Aufzeichnung und liegt somit unter dem EU-Durchschnitt von 7,6 Prozent. Auch die Löhne steigen weiterhin. Seit 2014 wurden diese um durchschnittlich 3 Prozent pro Jahr erhöht. Darüber hinaus genießen polnische Haushalte die niedrigsten Notenbankzinsen in der Geschichte. Demzufolge wird die Binnennachfrage gemeinsam mit höheren Exportenzahlen, bedingt durch die verbesserte globale Handelsdynamik, beträchtlich zum BIP-Wachstum in den nächsten Quartalen beitragen.

Trotz des stabilen Wirtschaftswachstums in Polen stiegen die Insolvenz- und Restrukturierungsverfahren in den ersten drei Quartalen 2017 um 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum."Änderungen im Insolvenzrecht haben zu dieser Entwicklung beigetragen. Dies war aber nicht der einzige Faktor",erklärt Grzegorz Sielewicz, Regional Economist Coface Central & Eastern Europe den Anstieg."Geringere Rentabilität, intensiver Wettbewerb, Margendruck, Zahlungsrückstände und Arbeitskräftemangel sind ebenfalls zu Hürden für Unternehmen geworden".

Der Blick auf die Branchen zeigt, dass sich ein Anstieg der Insolvenzen durch fast alle Sektoren in den ersten drei Quartalen 2017 zog. Generell kann die gestiegene Popularität von Restrukturierungsverfahren 2017 über alle Branchen gesehen werden. Die meisten Insolvenzen und Umstrukturierungen gab es bei produzierenden Unternehmen, deren Anteil knapp 28 Prozent aller erfassten Firmen ausmachte.

Die Insolvenzsituation stabilisiert sich

Coface prognostiziert für Polen ein BIP-Wachstum von 3,9 Prozent in 2017 und ein verlangsamtes Wachstum von 3,5 Prozent für 2018. Die positive wirtschaftliche Aktivität wird die Unternehmen unterstützen. Dennoch werden die ersten Anzeichen einer überhitzten Wirtschaft, wie beispielsweise Angebotsengpässe und Arbeitskräftemangel, zu neuen Herausforderungen für Unternehmen und deren Expansionstempo.

In den kommenden Quartalen werden die 2016 durchgeführten Gesetzesänderungen weiterhin die Statistik beeinflussen. Coface geht davon aus, dass die Gesamtzahl der Insolvenz- und Restrukturierungsverfahren Ende 2017 um 8 Prozent höher sein wird als 2016, was insgesamt 820 Unternehmen betrifft. Die robuste BIP-Wachstumsrate wird durch den stabilen Anstieg des Privatkonsums, die Erholung der Anlageninvestitionen und die Geschäftstätigkeit polnischer Unternehmen auf den ausländischen Märkten angekurbelt. Coface prognostiziert einen Rückgang der Insolvenz- und Restrukturierungsverfahren um 0,7 Prozent in 2018. Einzelhändler werden weiterhin von soliden Haushaltsausgaben profitieren, doch intensiver Wettbewerb und Druck auf die Margen werden viele Unternehmen betreffen, insbesondere die kleineren. Obwohl sich der Handel dank des robusten privaten Konsums in einem günstigen Umfeld befindet, wird er auch in der Insolvenz- und Umstrukturierungsstatistik eine feste Größe bleiben.

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