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18.11.2016
Länder- und Branchenbewertungen

Mexikos Wirtschaft: Schwierige Zeiten stehen bevor

Mexikos Wirtschaft: Schwierige Zeiten stehen bevor
  • BIP wird 2016 voraussichtlich um 1,6% und 2017 um 1,5% wachsen
  • Die öffentliche Verschuldung stieg im Jahr 2015 auf 42,3% an, von 38,3% im Jahr 2013. Bis Ende dieses Jahres könnten 45% erreicht werden.
  • Die Regierung präsentiert Budgetkürzungen von 240 Mrd. Mexikanischen Peso (MXN), rund 12,9 Mrd. USD und 1,2% des BIP
  • Die Aussichten auf eine Verschlechterung des gesamtwirtschaftlichen Umfelds wirken sich deutlich auf die Mikroebene aus
  • Der Ausgang der US-Wahlen führt weiterhin zu Unsicherheiten

Trübe Konjunkturaussichten

Im zweiten Quartal 2016 sank das saisonbereinigte Wirtschaftswachstum von 2,5% auf 1,5%. Die Industrie, die um 1,5% im Vergleich zum Vorjahr schrumpfte, trug stark zu diesen schwachen Ergebnissen bei, was auf den Rückgang der Ölförderung und die Herausforderungen im verarbeitenden Gewerbe und in der Bauindustrie zurückzuführen ist. Auch der Dienstleistungssektor verschlechterte sich im Berichtszeitraum von 3,4% im Vorjahr auf eine Wachstumsrate von 2,4%.

 

Staat muss voraussichtlich mit weniger Einnahmen auskommen

José Antonio Meade, der neu gewählte Finanzminister, präsentierte ein Budget für 2017, das die Absichten der Regierung signalisiert, die Sparmaßnahmen weiter voran zu treiben. Der Haushaltsplan kündigte eine Kürzung von 240 Mrd. MXN an (rund 12,9 Mrd. USD und 1,2% des BIP). Das ist deutlich über dem Schnitt der 169 Mrd. MXN von 2016 und den 124 Mrd. MXN in 2015. Die meisten Kürzungen werden aus der Finanzierung des staatlichen Ölkonzerns PEMEX kommen (-5,3 Mrd. USD). Es scheint also, dass die Regierung sich selbst schaden würde, da geringere Investitionen in die Ölfirma die Ölproduktion weiter senken und damit auch die zukünftigen Steuereinnahmen begrenzen.

Zusätzlich zu diesen Haushaltskürzungen hat die scharfe Schwächung, von der der Mexikanische Peso dieses Jahr betroffen war, zu geringerer Kaufkraft der Verbraucher geführt. Dieser Preis des Pesos führt zu Inflation und höheren Importkosten. Im Vergleich zu 61 anderen Währungen, hat der mexikanische Peso die drittstärkste Abwertung gegenüber dem Dollar zwischen Januar und September 2016 (-12 %), verzeichnet. Er stand lediglich hinter dem Britischen Pfund und dem Argentinischen Peso.

Allgemein bleibt das Umfeld schwierig und bremst zudem die konsumnahe Branche aus. Coface sieht ein höheres Risiko und somit wird die Risikobewertung herabgesetzt, für die Einzelhandels- und Automobilsektoren des Landes, während die von Rohstoffen abhängigen Sektoren weiterhin gefährdet sind.

 

SeKtorBarometer

  • Automobilindustrie: Läuft gebremst. Zwischen Januar und September 2016, sank die Industrieleistung um 0,9%, im Vergleich zum Vorjahr. Da die mexikanische Automobilindustrie stark exportorientiert ist, ist diese Schwäche vor allem auf geringere Exporte - und geringere Umsätze in den USA - zurückzuführen.
  • Landwirtschaft/Lebensmittel: Risiken stehen im Zusammenhang mit Landwirtschaftsaktivitäten. Das Segment bleibt aufgrund verschiedener Faktoren hoch. Dazu tragen niedrige internationale Preise, Währungsabschreibungen auf die Kosten der importierten Düngemittel und die längeren Zahlungsbedingungen des Sektors bei. Auch die Bedeutung eines guten Cashflow-Managements für die Finanzierung von Kulturpflanzen und anspruchsvolle Wetterbedingungen spielen eine Rolle.
  • Chemieindustrie: Profitiert noch nicht von den Ölreformen. Die mit den 2013 beschlossenen Reformen intendierten Effekte sind bislang noch nicht spürbar. Niedrigere internationale Ölpreise die Attraktivität des Sektors für Investoren reduziert hat. Die jüngsten Kürzungen in Höhe von 5,3 Mrd. USD für die öffentliche Ölförderung des Landes werden ein weiterer Faktor für die rückläufige Ölproduktion sein.
  • Bau: Staatlich finanziertes Bauwesen geschwächt durch knappe öffentliche Mittel. Einige Infrastrukturprojekte wurden aufgrund der niedrigeren Steuereinnahmen aus der Ölindustrie verzögert oder storniert. Die mexikanische Baubranche erwartet, dass öffentliche Investitionen im Baugewerbe im Jahr 2017 um 30% gesenkt werden.
  • Dienstleistungen: Wachstum wird voraussichtlich beschleunigt. Die relativ gute Bilanz für den Dienstleistungssektor wird durch positive Ertragsgrundlagen unterstützt. In naher Zukunft dürfte sich dieser Wachstumstrend verlangsamen, denn die Bevölkerung beginnt, die Gegenwirkungen einer strikteren Geld- und Fiskalpolitik stärker zu spüren.
  • Pharmaindustrie: Aktivität wird durch die steigende Lebenserwartung unterstützt. Der Sektor zeigt gute langfristige Perspektiven, da das Land rund 120 Millionen Einwohner hat und die Lebenserwartung steigt. Kurzfristig wird der Sektor jedoch durch Kürzungen im Bundeshaushalt beeinträchtigt.
  • Einzelhandel: Einkommensgrundlagen dürften sich in naher Zukunft verschlechtern. Nach der Belastung durch die Wirtschaftskrise 2008-2009 hat die Branche seither ein solides Wachstum verzeichnet. Im Juli 2016 stieg der Umsatz um 7,9% gegenüber dem Vorjahr. Trotzdem wird sich das Wachstum verringern, da die Verbraucher beginnen, die Auswirkungen der steigenden Inflation und Zinsen zu spüren.
  • Stahlindustrie: Schwaches globales und inländisches Szenario. Mexikos Stahlproduktion sank um 0,3% in den ersten acht Monaten dieses Jahres. Das Umfeld wird weiter anfällig bleiben. Aus den Absichten Chinas, die Stahlproduktion zu reduzieren, kann Mexiko noch nicht profitieren. Auch vom Binnenmarkt Mexikos kommen wegen der schwachen Baukonjunktur keine nennenswerten Effekte aus der Stahlbranche.
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