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26.06.2013
Länder- und Branchenbewertungen

Italien: Zahlungsverhalten der Unternehmen verschlechtert sich

Italien: Zahlungsverhalten der Unternehmen verschlechtert sich

Das italienische «Geschäftsmodell» steckt in einem Teufelskreis fest

Italien – eines der am Stärksten industrialisierten Länder – zeigt bereits das 7. Quartal in Folge einen Rückgang des BIP. Die Wirtschaftstätigkeit verringerte sich 2012 um 2,4 Prozent und wird auch 2013 um weitere 1,7 Prozent sinken (im Vergleich zu -0,6 Prozent in der Eurozone). Wegen der sinkenden Kaufkraft und der steigenden Arbeitslosigkeit bricht der private Konsum ein. Langfristig wird das Wachstum aufgrund der schwachen Aktivität und der niedrigen Innovationsrate gefährdet bleiben.

Die positive Exportdynamik konnte den Rückgang der Inlandsnachfrage nicht ausgleichen. Da die Mittel für Investitionen fehlen, verlieren die italienischen Unternehmen massiv Anteile am Weltmarkt. Sie sind in einem Teufelskreis gefangen: der Verlust an Wettbewerbsfähigkeit bei Preis und Qualität führt zu einem Rückgang der Margen, was wiederum die Möglichkeit zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und damit auch der Margen verhindert.

 

Zusätzlich zur Rezession wird der Anstieg der Zahlungsausfälle durch eine Reihe von Faktoren beeinflusst

Aufgrund all dieser Schwachstellen hat Coface eine Verschlechterung des Zahlungsverhaltens der italienischen Unternehmen festgestellt. Diese haben ohnehin traditionell eine höhere Ausfallsrate bei Zahlungen als andere europäische Länder und seit dem Beginn der Wirtschaftskrise hat sich diese Kluft noch erweitert. 2007 war die Ausfallsrate drei Mal höher als in Frankreich, nun ist sie sieben Mal höher.

 

Eine von den Ökonomen von Coface durchgeführte Analyse zeigt die Ursachen für diesen beunruhigenden Trend:

  • Das wirtschaftliche Umfeld ist nicht der einzige Grundfür die Zahlungsausfallsrate in Italien. Selbst wenn das italienische Wachstum gleich wäre, wie jenes seiner Nachbarn, wäre diese Rate immer noch höher.
  • Während Rentabilität und Verschuldung im europäischen Durchschnitt liegen, müssen sich italienische Unternehmen mit einem Rekordniveau an Rückgängen der Margen befassen, was wiederum eine negative Auswirkung auf die Möglichkeit für Investitionen hat. Die Abhängigkeit der Unternehmen von Bankkrediten in einer Zeit,in derdie italienischen Banken immer zurückhaltender bei der Vergabe werden - da die Qualität ihrer Vermögenswerte abnimmt - trägt weiter zur Verschärfung der derzeitigen Probleme bei.
  • Das Risiko von Firmeninsolvenzen, das sich aus diesen Cash Flow Problemen ergibt, wird durch die Dominanz von Kleinunternehmenin der italienischen Wirtschaftsstruktur (95% haben weniger als 10 Mitarbeiter) verschärft. Diese Quote ist wesentlich höher als im Rest von Europa. Erschwerend kommt hinzu, dass die Produktivität dieser Kleinunternehmen sinkt.
  • Eine weitere italienische Eigenheit ist der Mangel an fristgerechter Zahlung im öffentlichen Sektor. Die Tradition der Zahlungsverzögerungen der öffentlichen Hand (170 Tage in Italien, verglichen mit 60 Tagen in Frankreich, 135 in Portugal und 159 in Griechenland) schwächt zusätzlich beträchtlich das Fundament der Unternehmen.

"Coface hat für Italien die Wachstumsprognosen für 2013 auf -1,7 Prozent nach unten revidiert. Die deutliche Verschlechterung des Zahlungsverhaltens seit dem Beginn der Wirtschaftskrise ist nicht nur das Resultat der derzeitigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Sie entsteht aus den strukturellen Problemen, welche das Überwiegen von äußerst anfälligen Kleinunternehmen in der Wirtschaftsstruktur sowie die extrem langen Zahlungsfristen des öffentlichen Sektors beinhalten. Die Entscheidung der italienischen Regierung etwas gegen diese Zahlungsverzögerungen zu unternehmen sind gute Neuigkeiten. Das Land hat einen entscheidenden Vorteil: eine vielfältige Spezialisierung, die es ermöglicht, die Nachfrage der dynamischen Emerging Countries zu decken. Allerdings werden nur tiefgreifende Reformen Italien ermöglichen, sein großes Potential zu nutzen”, erklärt Yves Zlotowski, Chief Economist bei Coface.

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Susanne KRÖNES

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