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09.12.2014
News zu Coface

Insolvenzen in Polen steigen nicht mehr – eine nachhaltige Wende?

Insolvenzen in Polen steigen nicht mehr – eine nachhaltige Wende?

Die Insolvenzstatistik für polnische Unternehmen spiegelt die wirtschaftlichen Verbesserungen des Landes in der ersten Jahreshälfte 2014 wider. Insgesamt meldeten 402 Unternehmen Insolvenzen an. Das ist ein Rückgang von 11,5 Prozent verglichen mit demselben Zeitraum 2013. Ein detaillierter Blick auf die Branchen zeigt ein gemischtes Bild: Im Einzelhandel tobt der Wettbewerb, während die von den letzten Jahren angeschlagene Baubranche endlich wieder gute Resultate erzielt. Der Ausblick für das Jahresende 2014 ist getrübt: Externe Turbulenzen und der schwache Privatkonsum werden die Insolvenzrisiken in Polen verstärken.

 
Verhaltener Optimismus

In den letzten Monaten des Jahres 2013 und im ersten Quartal 2014 stieg der private Konsum von Gütern des täglichen Bedarfs dank eines Aufschwungs am Arbeitsmarkt. Der Ausblick auf Polens Exportmärkte verbesserte sich ebenfalls – bedingt durch die, wenngleich langsame Erholung der Eurozone.

Das zweite Quartal dieses Jahres zeigt jedoch eine deutlich abgeschwächte Erholungsrate in der Eurozone. In Deutschland, Polens Haupthandelspartner, sank das Wirtschaftswachstum um 0,2 Prozent verglichen mit dem Vorjahr. Zusätzlich leidet die russische Wirtschaft unter dem Konflikt mit der Ukraine und dem damit verbundenen Handelsembargo im Lebensmittelsektor.

 

Die Auswirkungen des sinkenden Wachstums der Haupthandelspartner auf polnische Unternehmen spiegeln sich aktuell noch nicht in der Insolvenzstatistik für das erste Halbjahr 2014 wider. Die Erfahrung von Coface zeigt, dass sich makroökonomische Veränderungen erst ein oder zwei Quartale später auf die Entwicklung der Insolvenzen auswirken. Daher bildet die derzeitige Insolvenzstatistik die Kreditwürdigkeit der Unternehmen im Zeitraum des Jahresende 2013/Anfang 2014 ab. In dieser Periode stieg die Inlandsnachfrage und wurde zum größten Treiber des Wirtschaftswachstums, während das Risikoniveau auf den Exportmärkten relativ gering ausfiel.

 

Gemischtes Bild bei den Branchen
  •  Bauwesen: Licht am Ende des Tunnels

Die Anzahl der Insolvenzen im Bauwesen – ein langjähriger Negativ-Performer – bremste sich ein und diese sanken um 21 Prozent in der ersten Jahreshälfte 2014 (verglichen mit dem ersten Halbjahr 2013). Es muss jedoch beachtet werden, dass die Anzahl der Unternehmen in der Baubranche niedriger ist als noch im Vorjahr. Das ist teilweise auf die hohe Anzahl an Insolvenzen in der Vergangenheit zurückzuführen.

 

  • Einzelhandel: vorsichtige Konsumenten und intensiver Wettbewerb

 Der Einzelhandel verzeichnet mit 27 Prozent einen drastischen Anstieg der Insolvenzen. Der andauernde Konsolidierungsprozess in der Branche ist durch starken Wettbewerb und Druck auf die Margen gekennzeichnet. Trotz Verbesserungen am Arbeitsmarkt sind die polnischen Konsumenten in ihrem Kaufverhalten immer noch sehr vorsichtig. Die schwache Nachfrage nach langlebigen Verbrauchsgütern wird durch die größte Insolvenz dieses Jahres bestätigt: Domex, Eigentümer der Elektromarktkette Avans und Stahlproduzent.

 

  • Transport: anfällig für externe Störungen

Die Zahl der „Pleiten“ unter den polnischen Transportunternehmen bleibt in der ersten Hälfte des Jahres 2014 auf dem gleichen Niveau wie im ersten Halbjahr 2013. Dieser Trend kann sich jedoch bald ändern: Die aktuellen Störungen im Außenhandel könnten zu einem Anstieg der Insolvenzen in den kommenden Quartalen führen. Darüber hinaus zwingt der starke Wettbewerb Unternehmen dazu, niedrigere Margen zu akzeptieren.

 

Wie beeinflussen externe Turbulenzen die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen in der nahen Zukunft?

Die aktuelle Situation auf den Auslandsmärkten verstärkt eine Reihe von Risiken für Polens Wirtschaft. Das polnische Exportvolumen wird durch einen Rückgang im russischen Wirtschaftswachstum sowie von einer enttäuschenden Erholung in der Eurozone bestimmt. Letztere erhöht die bestehenden Risiken, da 53 Prozent des Außenhandels in die Eurozone gehen. Alleine auf Deutschland entfallen 26 Prozent der Gesamtexporte. Coface prognostiziert, dass die Eurozone in diesem Jahr um 0,9 Prozent wachsen wird, während Russland auf dem Vorjahresniveau bleibt (0 %).

 

Coface-Analysen zufolge wird sich die Stagnation der entscheidenden Exportmärkte mit einem Anstieg von 8 Prozent auf die Insolvenzen in Polen auswirken. Darüber hinaus würde eine Eskalation der Spannungen zwischen der EU und Russland und/oder ein langsameres Wachstum in der Eurozone die Entwicklung der Insolvenzen negativ beeinflussen.

 

„Das polnische Wirtschaftswachstum wird sich in diesem Jahr neu ausrichten: von den Nettoexporten zur Inlandsnachfrage. Die externen Einflussfaktoren – von der enttäuschenden Erholung der Eurozone bis hin zu den Sanktionen der russischen Regierung – werden zu einem erhöhten Insolvenzrisiko in Polen beitragen. Die Transportbranche, die ohnehin aufgrund ihrer internationalen Ausrichtung unter der geringen Nachfrage leidet, muss mit einem verstärkten Unternehmensrisiko rechnen. Gleichzeitig werden sich die russischen Sanktionen nicht nur auf die Geschäftsentwicklung der Nahrungsmittelexporteure auswirken, sondern auch Druck auf die Inlandspreise ausüben. Diese sind bereits in diesem Jahr auf Grund der guten Ernte niedrig“, fasst Grzegorz Sielewicz, Coface Economist Central European Region, zusammen.

 

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