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19.01.2012
Länder- und Branchenbewertungen

Coface Länderrisiko-Bewertung: Europäische Unternehmen Opfer der systemischen Krise

Coface Länderrisiko-Bewertung: Europäische Unternehmen Opfer der systemischen Krise

Neue Abstufungen, weil Unternehmensstabilität durch systemischen Charakter der Krise und durch politische Risiken in den Schwellenländern beeinträchtigtist

Anlässlich der 16. Country Risk Conference warnt Coface vor der systemischen Natur der derzeitigen Krise, die von der Eurozone als Epizentrum ausgeht. 2012 wird die europäische Wirtschaft daher eine Rezession von -0,1% verzeichnen, während sich das Wachstum in den USA bei +1,6% und die Erholung des Marktes in Japan bei +1,8% stabilisieren werden. Dies sollte dazu beitragen, dass es nicht zu einer Wiederholung der Krise von 2008-2009 kommt, in der alle drei entwickelten Wirtschaftsräume eine synchronisierte Rezession erlebten. Im Großen und Ganzen wird das Wachstum in den Industriestaaten 2012 bei 1,1% liegen. Bei den Schwellenländern wird sich das Wachstum wohl weiterhin auf 5,1% belaufen. Europäische Schwellenländer werden durch Kredite sowohl bei inländischen als auch bei ausländischen Banken von der Intensivierung der Euro-Krise am stärksten betroffen sein. Darüber hinaus muss auch das politische Risiko in Schwellenländern berücksichtigt werden.

Europäische Unternehmen: Opfer der neuen weltweiten systemischen Krise

Von der zweiten Jahreshälfte 2009 bis zur ersten Hälfte 2011 gab es eine kurze Erholungsphase für die Weltwirtschaft. Die Lage auf dem Weltmarkt hat sich seit Sommer 2011 mit der Intensivierung der Euro-Krise wieder verschlechtert. Coface bemerkte in der zweiten Hälfte 2011 eine klare Zäsur im Zahlungsverhalten der Unternehmen, wobei es einen starken Anstieg von Nichtzahlungen gab. Für das gesamte Jahr 2011 verzeichnete Coface weltweit einen 19-prozentigen Anstieg bei Zahlungsausfällen, wobei es bei Unternehmen in der Euro-Zone eine besonders deutliche Steigerung (28%) gab.

Die Verschlechterung der durchschnittlichen Unternehmensstabilität zeigt, dass die Krise eine neue Richtung einschlägt und global ein systemisches Niveau erreicht, während Italien auf eine Rezession zusteuert. Die Situation scheint sich von dem Schock 2008 zu unterscheiden: Zum einen, da es diesmal eine kritische Masse gibt, zum anderen, weil eine größere finanzielle Abhängigkeit zwischen den einzelnen Akteuren besteht und Banken sowohl innerhalb als auch außerhalb der EU in Schuldtitel europäischer staatlicher Kreditnehmer investiert haben.

„Ohneeine schnelle institutionelle Reaktion auf die Krise haben die negativen Prognosen auf den Finanzmärkten zu einem starken Misstrauen der realwirtschaftlichen Akteure geführt. Es werden jedoch die Unternehmen sein, die die Auswirkungen dieser Krise zu spüren bekommen werden, obwohl ihr Management so gut ist wie noch nie zuvor. 2012 könnte die Kombination eines bedeutend schwächeren Wachstums in Europa mit dem Rückgang der verfügbaren Kreditfazilitäten bedeutende Auswirkungen auf das Kreditrisiko der Unternehmen haben“, betont François David, Präsident von Coface.

Angesichts der aktuellen Situation setzt Coface die Bewertung von Italien und Spanien um eine Stufe auf A4 herab. Italien kam durch die massive staatliche Verschuldung ins Wanken, Spanien durch das Schuldenniveau seiner Privatwirtschaft. Die zwei wirtschaftlichen Zugpferde Südeuropas werden 2012 auch von einem Rückgang der wirtschaftlichen Aktivitäten betroffen sein. Coface verzeichnete seit Anfang 2011 einen 50-prozentigen Anstieg bei den Zahlungsausfällen von Unternehmen in diesen beiden Ländern.

 

Europäische Schwellenländer anfälliger für Nachfragerückgang in Europa

Die europäischen Schwellenländer werden vom Rückgang an Nachfrage und Finanzierungsbewegungen in der Eurozone am stärksten betroffen sein. Aufgrund ihres Engagements in Schuldtiteln staatlicher Kreditnehmer der Eurozone werden sich westeuropäische Banken gezwungen sehen, die Unterstützung ihrer Tochtergesellschaften herunterzuschrauben, was sich auch auf die Vergabe von Kreditfazilitäten an Unternehmen auswirken wird. Von europäischen Banken gehaltene Vermögenswerte umfassen 70% des osteuropäischen BIP. Geschätzt wird auch, dass ein Fünftel des Wachstums in Osteuropa in den letzten zehn Jahren der dynamischen Kreditvergabe aus dem Ausland zugerechnet werden kann. Würde also der europäische Kredithahn zugedreht, so hätte das schwerwiegende Auswirkungen auf europäische Schwellenländer, die oft auch privatwirtschaftlich massive Fremdwährungsverbindlichkeiten aufweisen.

Das Wachstum offener Volkswirtschaften wird sich von 4,1% im Jahr 2011 auf 2% im Jahr 2012 halbieren. Die A2-Bewertungen der Tschechischen Republik und Sloweniens sowie auch die Bewertung A3 für dieSlowakei wurden auf dienegative Watchlist gesetzt. Ungarn sieht sich mit wachsendem Anlegermisstrauen konfrontiert und wurde auf B herabgestuft. Das Exposure gegenüber italienischen Risiken und die schwache wirtschaftliche Aktivität infolge eines Wechselkursschocks haben Coface dazu veranlasst, die Bewertung von Kroatien auf B herabzustufen.

Schwellenländer fallen der Rückkehr des politischen Risikos zum Opfer

Die Welle politischer Unruhen in Nordafrika und dem Nahen Osten 2011 war ein Wendepunkt in aufstrebenden Volkswirtschaften, der eine Rückkehr des politischen Risikos einläutete. 2011 verzeichnete Coface infolgedessen etliche Zahlungsausfälle. Die Welle an Regimewechseln kann dem unaufhaltsam aufbrandenden Willen zur Änderung der Gesellschaften in Schwellenländern zugeschrieben werden. Dies ist ein Ausdruck tiefgehender wirtschaftlicher und politischer Frustration, getragen von einer wachsenden Mittelschicht und sozialen und kulturellen Veränderungen (Internetzugang, sinkende Geburtenraten, Reisen). In demokratischen Schwellenländern wie z. B. lateinamerikanischen Ländern findet diese Frustration in höheren Verbrechensraten Ausdruck, während es in autoritären Staaten zu Regimewechseln kommt, wenn die Machthaber die zunehmend drängenderen Hoffnungen ihrer Bevölkerung in Bezug auf politische Rechte und Zugang zu Beschäftigung und Unternehmertum nicht mehr erfüllen können.

Der aktuelle Prozess politischer Transformation in der Region Nordafrika/Naher Osten bleibt nicht ohne Folgen für einige Länderbewertungen: Die Bewertung Ägyptens, das großem Druck auf seine öffentlichen Finanzen und Zahlungsbilanz ausgesetzt ist, wurde aufCherabgestuft, vor allem aufgrund der großen Unsicherheit hinsichtlich der politischen Situation 2012.Syrien, das auf D herabgestuft wurde, befindet sich in einer derzeit extrem angespannten Situation, in der sich internationale Sanktionen nachteilig auf Wirtschaftswachstum und öffentliche Finanzen auswirken werden.

Coface entschied, Nigeria (Bewertung D) von der positiven Watchlist zu entfernen. Aufgrund Nigerias problematischer politischer Führung gibt es in diesem Land weiterhin ein erhöhtes Ausfallsrisiko.

 

Über die Methodik:

Die Coface Länderbewertungen zeigen das Ausfallsrisiko, also die Fähigkeit der Unternehmen eines Landes, Zahlungen rechtzeitig zu leisten. Sie werden auf Basis des wirtschaftlichen, finanziellen und politischen Umfelds sowie des Zahlungsverhaltens der Unternehmen vergeben. Die Ländereinstufung von Coface erfolgt in sieben Kategorien. A1 bis A4 entsprechen Investmentgrades und symbolisieren geringes Risiko und stabiles Zahlungsverhalten. B, C und D stehen für mittleres bis hohes Risiko unterhalb der Investmentgrades.

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