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06.11.2015
Länder- und Branchenbewertungen

Brasilien: Kein schnelles Ende der Krise in Sicht

Brasilien: Kein schnelles Ende der Krise in Sicht

Brasilien, von Coface im September in der Länderbewertung wegen des hohen Risikos von Ausfällen in B herabgestuft, vollführt einen wirtschaftlichen Balanceakt. Um die Inflation zu kontrollieren hat die Zentralbank die Zinsen angehoben - und damit aber auch die wirtschaftliche Aktivität gedämpft. Die schrumpfende Wirtschaftsleistung verringert Steuereinnahmen und belastet die Staatsfinanzen.

 

 

Zudem braucht die Regierung die Unterstützung durch den Kongress, um die gesteckten Ziele für die Primärüberschüsse zu erreichen. Doch an dieser Hilfe mangelt es. Die politische Instabilität lastet schwer auf der Wirtschaft. 

Vom Boom in die Krise

Es war eigentlich allgemein klar, dass 2015 ein Jahr der Anpassung sein würde. Vor allem mit Blick auf die Inflation und die öffentlichen Haushalte. Die Inflation stand Ende 2014 bei 6,4 Prozent, knapp unter der oberen Zielmarke von 6,5 Prozent. Tatsächlich stellte sich die Situation schwieriger dar als prognostiziert. Der Aufwärtsdruck auf die Preise nahm einerseits zu, künstlich zu niedrig gehaltene Festpreise verursachten andererseits zusätzliche Anpassungsprobleme. Die Inflation kletterte binnen zwölf Monaten bis September 2015, hauptsächlich wegen der um 16,3 Prozent erhöhten Festpreise und der starken Abwertung der Währung.

 

Im zweiten Quartal schrumpfte das BIP im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,6 Prozent. Die Nachfrage gab deutlich nach, stark gedrückt durch den freien Fall der Investitionen (um 7,9 Prozent im ersten Halbjahr gegenüber den ersten sechs Monaten 2014) und den nachlassenden Konsum. Im Verbraucherverhalten schlug sich die erhöhte Inflation ebenso nieder wie die Arbeitslosenquote, die Ende Juli 2015 gegenüber Juli 2014 von 6,9 Prozent auf 8,6 Prozent gestiegen war.

 

Im zweiten Teil eines neuen Panoramas über Brasilien betrachtet Coface die Auswirkungen des Abschwungs auf einzelne Branchen. Drei Wirtschaftsbereiche sind besonders betroffen und wurden von Coface in der Branchenbewertung von „hohes Risiko“ in „sehr hohes Risiko“ herabgestuft:

  • Automobil: Zwischen Januar und August 2015 brach die Produktion um 20,1 Prozent ein. Die Verkäufe gingen um 22,7 Prozent zurück, der Export um 10,8 Prozent, jeweils verglichen mit dem Vorjahreszeitraum.
  • Stahlindustrie: 2015 verstärkte die geringe Inlandsaktivität die Auswirkungen der schwachen Auslandsnachfrage auf die ohnehin für externe Faktoren anfällige Branche.
  • Bau: Die Baubranche gab im ersten Halbjahr 2015 gegenüber dem ersten Halbjahr 2014 um 5,5 Prozent nach. Die Auslastung betrug im August ganze 58 Prozent. Das ist der niedrigste Wert seit 2012.

Keine Besserung in Sicht

Die öffentlichen Haushalte sind in Schieflage geraten. Als die wieder gewählte Präsidentin Rousseff im Januar 2011 ihre erste Amtszeit begann, betrug die Brutto-Staatsverschuldung 52 Prozent des BIP. Jetzt liegt der Wert bei 65,3 Prozent. 

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Über die Jahre hat die Regierung ihre Festlegung, einen Primärüberschuss zu erzielen, aus den Augen verloren und die Ziele heruntergeschraubt. Hinzu kam eine „kreative“ Etatverwaltung. 2014 stand ein Primärdefizit von 0,6 Prozent des BIP zu Buche. Damit brach die Regierung das Stabilitätsgesetz, das im Jahr 2000 verabschiedet worden war. Anfang Oktober 2015 empfahl der Rechnungshof einstimmig, den von der Regierung vorgelegten Jahresabschluss 2014 nicht anzunehmen. Seit 1937 war dies das erste Mal, dass der Rechnungshof dem Kongress eine solche Empfehlung gegen die Regierung aussprach.

 

Die finanzielle Konsolidierung wird durch die schwächere wirtschaftliche Aktivität, die mangelnde Unterstützung durch den Kongress, aber auch durch die verzögerten Steuerzahlungen der Unternehmen beeinträchtigt. In den zwölf Monaten bis August 2015 stieg das Primärdefizit des Staates auf 0,8 Prozent des BIP.

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Siehe auch


Panorama downloaden:

 

Brazil - No quick fix for the crisis

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