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04.12.2013
Länder- und Branchenbewertungen

Baubranche in Frankreich dominiert Insolvenzgeschehen Risiken werden 2014 weiter ansteigen

Baubranche in Frankreich dominiert Insolvenzgeschehen Risiken werden 2014 weiter ansteigen
Bau kommt Unternehmen am teuersten zu stehen

Die Baubranche in Frankreich ist in einer paradoxen Situation. Ein Drittel aller Unternehmensinsolvenzen betrifft den Bau, obwohl der Immobilienmarkt in der Krise 2008/2009 recht stabil geblieben war. Von November 2012 bis Ende Oktober 2013 meldeten über 20.000 Unternehmen aus der Branche Insolvenz an (+5 Prozent zum Vergleichszeitraum 2011/2012). 78 Prozent davon entfielen auf den Hochbau und öffentliche Auftragnehmer. Die Lage bei den Immobiliendienstleistern und im Baunebengewerbe ist weniger ernst, aber auch hier stiegen die Zahlen um 3,5 bzw. 9 Prozent.
Ein weiterer signifikanter Unterschied im Vergleich zum Beginn der Krise ist, dass jetzt mehr Insolvenzen unter älteren und größeren Unternehmen zu verzeichnen sind, da sie aufgrund der anhaltenden Probleme anfälliger geworden sind.

Wenig überraschend steigen auch die Insolvenzkosten weiter. Mit plus 9,6 Prozent in einem Jahr machen sie nun fast 30 Prozent der Folgekosten aller Insolvenzen in Frankreich aus. Damit ist der Bau die mit Abstand „teuerste“ Branche, weit vor der Lebensmittelindustrie und dem Handel. Die sozialen Folgen bleiben auf einem beunruhigend hohen Niveau: Rund 60.000 Arbeitsplätze entfielen am und um den Bau oder sind in Gefahr. Im Durchschnitt kostete somit jede Insolvenz 2,88 Jobs.

Finanzen der Unternehmen wegen Auftragslage instabiler

Der Anstieg der Insolvenzzahlen und der damit verbundenen Kosten beruht hauptsächlich auf der immer fragileren Finanzlage in der Branche, die zu 95 Prozent aus Kleinstunternehmen besteht. Seit 2009 gingen die Gewinne merklich zurück und die Selbstfinanzierungsquote sank in sechs Jahren um 44 Prozent. Zuvor war diese Quote doppelt so hoch wie der Durchschnitt aller französischer Firmen.

Diese Anfälligkeit wird durch die schwache Auftragslage verschärft. Die Nachfrage ist gering. Das zeigt sich auch in den leicht nachgebenden Grundstückspreisen, die Coface mit rund 30 Prozent unterbewertet schätzt. Das steht in Wechselwirkung mit dem Investitionsverhalten und privaten Aufträgen. Als Folge registriert Coface seit dem zweiten Quartal 2013 auch steigende Zahlungsausfälle. Das Branchenrisiko bleibt annähernd gleich hoch wie Anfang 2009.

2014: Coface erwartet 7 Prozent mehr Insolvenzen in der Baubranche

Coface bleibt für den französischen Bausektor skeptisch im Hinblick auf 2014. Die Baugenehmigungen, „die Baustellen von morgen“, blieben Ende September 16 Prozent unter dem Vorjahreswert zurück. So ist vor dem zweiten Quartal 2014 nicht mit einer spürbaren Erholung im Neubaubereich zu rechnen. Die Entwicklung des traditionell dynamischeren Renovierungs- und Modernisierungsmarktes ist ebenfalls unsicher, da die privaten Haushalte sich derzeit abwartend verhalten. Auch der öffentliche Bereich wird die Orderbücher kaum füllen, denn auch hier ist die Auftragslage eher schlechter.

 Schließlich erwartet Coface einen weiteren Rückgang der Immobilienpreise. Im statistischen Risikomodell der Coface bedeuten um 5 Prozent fallende Immobilienpreise 7 Prozent mehr Insolvenzen in der Baubranche. Zusammen mit der geringen Wachstumsprognose für die französische Wirtschaft, die Coface bei 0,6 Prozent sieht, dürften die Insolvenzen 2014 bei rund 22.000 liegen und damit um fast sieben Prozent steigen.

 „Der übergroße Anteil der Insolvenzen aus der Baubranche am Gesamtinsolvenzgeschehen in Frankreich ist frappierend. Er macht seit 2006 unabhängig von Schwankungen im Wirtschaftswachstum stets mindestens 30 Prozent aus, verglichen mit zuletzt 19,4 Prozent in Deutschland. Zudem steigt die Zahl der Insolvenzen schneller als im Durchschnitt aller Branchen. Diese Schere wird sich im Bausektor mit plus sieben Prozent in 2014 noch weiter öffnen. Dagegen bleiben die Gesamtinsolvenzen – wenn auch auf hohem Niveau – annähernd stabil“, erklärt Coface-Ökonomin Jennifer Forest.

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