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15.09.2016
Länder- und Branchenbewertungen

Agrarsektor bietet Arbeit

Landwirtschaft in Nordafrika
  • Günstige Faktoren für die Branche: wachsende Bevölkerung, steigende Nachfrage nach verarbeiteten Lebensmitteln, höhere Pro-Kopf-Einkommen, verbesserte Produktionskapazitäten
  • Weitere wesentliche Einflüsse: Infrastruktur, Klima, Politik

Landwirtschaftliche Lebensmittel von verschiedenen Faktoren abhängig

Lebensmittel aus der Landwirtschaft bleiben eine der wichtigsten Branchen in den nordafrikanischen Ländern. Der Beitrag zur Wirtschaftsleistung ist allerdings unterschiedlich. 2014 betrug er beispielsweise in Tunesien 9,5 Prozent des BIP, in Algerien 12,7 Prozent, in Ägypten 13 Prozent und in Marokko 15,6 Prozent. 2015 waren in Ägypten 21,7 Prozent der Erwerbstätigen in der Branche tätig, 15 Prozent in Tunesien und zirka 40 Prozent in Marokko.

Die wachsende Bevölkerung, eine steigende Nachfrage nach verarbeiteten Lebensmitteln, höhere Pro-Kopf-Einkommen und verbesserte Produktionskapazitäten treiben den Sektor an. Allerdings beeinflussen lokale Gegebenheiten und die jeweilige Politik die Entwicklung in den einzelnen Ländern. Hauptziel der Landwirtschafts- und Ernährungspolitik ist es, den Bedarf der schnell wachsenden Bevölkerung zu decken. Trotz erzielter Fortschritte bleiben Probleme bestehen. So verursacht die schwache Infrastruktur hohe Transportkosten und begrenzt die Gewinne der Produzenten. Topografie und Klima machen in einigen Gegenden die Produktion bestimmter Nahrungsmittel schwierig oder unmöglich. Niedrige Preise machen Investitionen uninteressant.

Marokko, Algerien, Ägypten und Tunesien mit unterschiedlicher Dynamik

Zusammengenommen ist der Export landwirtschaftlicher Rohstoffe und Produkte der wichtigste Exportfaktor der Region, von Land zu Land hat die Landwirtschaft aber durchaus unterschiedliches Gewicht.

  • In Marokko subventioniert die Regierung den Sektor, der fast 16 Prozent zum BIP beiträgt und fast 40 Prozent der Bevölkerung Arbeit gibt. So ist das wirtschaftliche Risiko in Marokko am niedrigsten.
  • Algerien zählt dagegen nicht zu großen Produzenten und muss Lebensmittel einführen, um den Bedarf zu decken. Das gestaltet sich zunehmend problematisch, da die Regierung die Importe begrenzen will, um die Handelsbilanz auszubalancieren. Die hat sich ebenso wie die Devisenreserven aufgrund der gefallenen Ölpreise deutlich verschlechtert.
  • In Ägypten erholt sich die Landwirtschaft allmählich wieder nach den politischen Turbulenzen im Land zwischen 2011 und 2013. Die Regierung hat die Entwicklung zur Priorität erklärt.
  • In Tunesien ist die Agrarwirtschaft kein so bedeutender Faktor wie in den Nachbarländern. Das Land lebt hauptsächlich vom Tourismus.

Hauptprobleme für Produzenten: niedrige Preise und schwierige Wetterbedingungen

Die Preise für wichtige Nahrungsrohstoffe sind an den internationalen Märkten im Juli erneut gefallen, nun im sechsten Monat in Folge. Der Food Price Index (FPI) der Organisation für Ernährung und Landwirtschaft lag im Durchschnitt im Juli bei 161,9 Punkten und damit 0,8 Prozent (1,3 Punkte) unter dem Wert vom Juni und 1,4 Prozent unter dem vom Juli 2015. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres gaben die Lebensmittelpreise um 9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr nach. Besonders die Notierungen für Getreide und Pflanzenöle drückten im Juli auf die Erlöse.

So sind die niedrigen Erzeugerpreise ein großes Problem für die Produzenten in Nordafrika und die Wirtschaft insgesamt, da die Landwirtschaft ein wichtiger Wachstumsfaktor ist. Die Branche kämpft zudem mit hohen Kosten, der schwachen Infrastruktur und schwierigen Wetterbedingungen, so dass die Regierungen den Sektor weiter stützen und fördern müssen. Auf der einen Seite behindern Dürren die Produktion, auf der anderen Seite sorgt das Wetterphänomen „El Nino“ regelmäßig für Unwetter mit heftigen Niederschlägen, Überschwemmungen und Temperaturstürzen. Experten erwarten, dass mit „La Nina“ ein ähnliches Wetterproblem für die Region hinzukommt.

Trotz dieser strukturellen und meteorologischen Widrigkeiten hat der Landwirtschaftssektor Perspektiven. Vor allem die wachsende Bevölkerung, höhere verfügbare Einkommen und die wirtschaftliche Entwicklung allgemein lassen bessere Absatzchancen erwarten.

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